75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Gegründet 1947 Donnerstag, 20. Januar 2022, Nr. 16
Die junge Welt wird von 2602 GenossInnen herausgegeben
75 Ausgaben junge Welt für 75 € 75 Ausgaben junge Welt für 75 €
75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Aus: Ausgabe vom 15.01.2022, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

jW_Leserbriefe_Standart.jpg

Sinkendes Schiff

Zu jW vom 7.1.: »›Wir wollen dieses System nicht heilen, sondern müssen es überwinden!‹«

Über den Umgang mit dem Ältestenrat der Partei Die Linke wundere ich mich nicht. Auch ich habe die Partei verlassen, da ich den Umgang mit mir und anderen Genossinnen nicht mehr akzeptieren konnte. Das von der Basis erarbeitete Parteiprogramm ist nur Makulatur und wird, bedingt durch machtpolitische Interessen, mit Füßen getreten. Wozu der ganze Aufwand zur Erarbeitung eines Programmes betrieben wird, ist mir schleierhaft. Viele Menschen werden bewegt, viele Debatten geführt, und nicht zuletzt wird viel Geld ausgegeben, um ein Programm zu erarbeiten, das sich nur auf dem Papier wiederfindet. Geht es um den Erhalt von Machtstrukturen, spielt das Parteiprogramm vor allem unter sozialpolitischen Aspekten absolut keine Rolle. Hinzu kommt, dass sich Die Linke von den Interessen ihrer Wählerinnen verabschiedet hat und sich lieber mit der Diskreditierung prominenter und auch weniger prominenter Genossinnen beschäftigt. Kritik wird nicht als konstruktiv empfunden, sondern kaltgestellt. Strategien müssen sich der Deutungshoheit bestimmter Interessengruppen unterordnen und bleiben auf der Stecke oder sind erst gar nicht vorhanden. Wie will man auf diese Weise ein System überwinden? Für mich ist die Partei ein sinkendes Schiff, vorhandene Probleme sind hausgemacht, und der interne Machtkampf tobt. Abschließend bleibt zu sagen: Die Linke hat die Jahre Lebenszeit, die ich in die Partei investiert habe, nicht verdient. (…)

Doris Petras, per E-Mail

Gut inszeniert

Zu jW vom 10.1.: »Falle der Äquidistanz«

Die Aussage Martin Lennings, Marinus van der Lubbe sei von ihm erst nach bereits erfolgter Brandlegung dem Reichstag zugeführt worden, erhält bereits dadurch Unterstützung, dass die offizielle Version vom Einstieg in das Reichstagsrestaurant gleich neben dem Haupteingang aus vielerlei Gründen nicht stimmen kann. Auch wäre van der Lubbe angesichts der enormen Sehbehinderung kaum in der Lage gewesen, sich in dem stockfinsteren Gebäude zu orientieren, schon gar nicht mit Hilfe einer fackelartigen Verbrennung von Teilen seiner Oberbekleidung. Dass es die nicht gegeben haben kann, belegen die Polizeifotos aus der Tatnacht: Da trägt van der Lubbe nämlich genau die Kleidung, die er angeblich vorher entzündet haben will. Was unabhängige Zeugen aus Richtung der behaupteten Einstiegsstelle an Scheibenklirren oder Lichtschein wahrgenommen haben, stünde somit im Lichte einer geschickten Inszenierung.

Hartmut Böhm, Osnabrück

Fehlende Selbstkritik

Zu jW vom 13.1.: »Verschiebung der Front«

Das Argument der NATO, jede Nation könne ja wohl frei entscheiden, ob sie dem Bündnis beitreten möchte oder nicht, ist so bescheuert. Es stimmt wohl, dass die Ukraine selber wählen kann, ob sie in die NATO will, nur: Die NATO muss sie deswegen doch noch lange nicht aufnehmen! Wo steht denn geschrieben, dass jeder, der nur will, auch in die NATO aufgenommen wird? Die Türkei (und andere Länder) wollte auch mal gerne in die EU. Wurde sie (und andere Länder) deswegen direkt mit offenen Armen aufgenommen? Nein, aus vielerlei Gründen. Und genauso kann es Gründe geben, dass die NATO der Ukraine mitteilt, dass es auf absehbare Zeit leider nichts wird mit dem Beitritt, zum Beispiel aus Rücksichtnahme auf die Sicherheitsinteressen Russlands. Was ja in Wechselwirkung mit den Sicherheitsinteressen der westlichen Nachbarn steht, trüge das doch zur Entspannung bei, anstatt Russland ständig zu provozieren, was zu Spannungen führt. Aber diese Perspektive hinzubekommen erfordert ein hohes Maß an Reflexion und Selbstkritik, um diese maßlose Ignoranz gegenüber russischen Sicherheitsinteressen zu durchbrechen, weil sämtliche Militäraufmärsche des Westens angeblich immer nur dem Frieden dienen und defensiver Natur sind, während alles, was Russland tut, immer aggressiv und bösartig ist. Der logische Schluss aus diesem Selbstbild ist dann natürlich auch Unverständnis gegenüber den russischen Sorgen, denn: Warum sollte man vor der NATO Angst haben? Sie sind ja schließlich die Guten! Ist ja schön, dass der Westen dieses Selbstbild pflegt, aber um zu Ergebnissen zu kommen, muss man auch den Standpunkt der anderen Seite anerkennen bzw. zu verstehen versuchen. Und selbst wenn man ihn nicht versteht und ihn für unsinnig hält, kann bzw. muss man ihn respektieren und versuchen damit umzugehen. Speziell hier, wo es um militärische Konfrontation von Atommächten geht. Bisher sind die einzigen vernünftigen Akteure in der Angelegenheit die Russen.

Ralf Schuster, Gießen

Genau richtig

Zu jW vom 10.1.: »Kopf oben halten!«

Für mich als friedensaktive Berlinerin war die XXVII. Rosa-Luxemburg-Konferenz genau das Richtige zur richtigen Zeit! Ihr habt die Friedensbewegung ins Scheinwerferlicht gehoben, genau jetzt, in dieser ungemütlichen politischen Großwetterlage, die immer strenger nach Eisen riecht. Danke auch für die erinnerungsstützende Aufbereitung der Abschlussdiskussion »Wie wir den nächsten großen Krieg verhindern«, die die so wichtige Fragen nahelegt: Wie schaffen wir es, Friedenspolitik in der Bevölkerung zu einem bedeutsamen Thema zu machen, das sich nicht zuletzt auf der Straße zeigt? Wie können wir dem Großraum der Desinformation in bezug auf Russland und China wirkmächtig entgegentreten? Wie können wir die Steuerverschwendung durch Aufrüstung bei Leistungsdefiziten in fast allen anderen staatlichen Bereichen skandalisieren? Wie können wir Bündnisse schmieden, die gewichtig genug sind, um nicht übergangen zu werden? Wie mehr Lust am (gemeinsamen) Kampf für Frieden entwickeln? Das, liebe Leute, wird sich nicht in einem Atemzug, an einem Tag beantworten lassen. Aber dass wir dranbleiben müssen, ist keine Frage!

Ingrid Koschmieder, Berlin

Es stimmt wohl, dass die Ukraine selber wählen kann, ob sie in die NATO will, nur: Die NATO muss sie deswegen doch noch lange nicht aufnehmen!

Zeitung für Internationale Solidarität

Die junge Welt ist die einzige parteiunabhängige Tageszeitung, die zeit ihres Bestehens gegen Krieg und Faschismus angeschrieben hat. Wenn wir nun unseren 75. Geburtstag feiern, dann möchten wir das zusammen mit unseren Leserinnen und Lesern tun.

Um dieses Jubiläum entsprechend zu würdigen, hat die junge Welt die 75er-Aktion gestartet. Schenken Sie sich, Ihren Lieben und der jW 75 Ausgaben für 75 Euro. Danach endet das Abo automatisch und muss nicht abbestellt werden.