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Aus: Ausgabe vom 04.01.2022, Seite 8 / Ansichten

Doppelherrschaft

EU-Truppen in Mali und Westafrika
Von Arnold Schölzel
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Deutscher Militärausbilder mit Schülern in Koulikoro bei Bamako, Mali (7.10.2019)

In Westafrika haben sich die Westeuropäer im vergangenen Jahrzehnt in eine Sackgasse geschossen und gebombt. Waren die Staaten im Süden der Sahara seit der sogenannten Unabhängigkeit 50 Jahre lang fragil, weil im neokolonialen Würgegriff Frankreichs, so sind sie heute in ihrer Existenz gefährdet. Je mehr Soldaten aus EU-Staaten in Mali und dessen Nachbarstaaten stationiert wurden, desto mehr Menschen wurden bei angeblich terroristischen Anschlägen in Niger, Tschad, Burkina Faso, Mali und Mauretanien ermordet – zwischen 4.000 und 6.000 jährlich. Die Wut in der Bevölkerung dieser Länder steigt, große Teile verlangen, dass die EU-Truppen die Region verlassen, Frankreich wird verdächtigt, den sogenannten Terroristen Hilfe zu leisten: Die Staaten der Region bleiben abhängig, solange sie nicht zur Ruhe kommen. So bleibt das Uran aus Niger billig, und der Investitionsvormarsch Chinas und Russlands wird gestoppt.

Fest steht auch hier: Wenn ein Truppenabzug verkündet wird wie von Frankreich im vergangenen Jahr, ist das derselbe Etikettenschwindel, den die USA im Irak betreiben. In »Sahelistan« ist an die Stelle von »Barkhane« eben »Takuba« getreten, eine Truppe, an der sich u. a. Estland, Dänemark, Schweden und Portugal beteiligen.

Nun wollen die Einheimischen nicht mehr abgeschlachtet werden, und die Kolonialherrscher aus Paris, London, Berlin und Brüssel können nicht mehr so weitermachen wie bisher. Am 23. Dezember 2021 behaupteten daher 15 westliche Staaten, darunter die Bundesrepublik, in einer gemeinsamen Erklärung, dass die Russen kommen. Diesmal in Form einer privaten Militärfirma nach Mali. Übersehen wurde: Russland ist längst da. Bei einem Moskau-Besuch erklärte der Außenminister Malis im November, 80 Prozent der technischen Ausrüstung seines Landes stammten aus sowjetischer und russischer Produktion. Beide Länder wollten die Kooperation, die »tiefe historische Wurzeln« habe, fortsetzen. Im übrigen antwortete die Regierung Malis den 15 Aggressoren, kein einziger russischer Soldat befinde sich auf ihrem Territorium.

So entsteht offenbar in Mali eine Art Doppelherrschaft: Die EU-Soldateska soll ihren Mordauftrag erfüllen, die vom Militär getragene Regierung in Bamako versucht, ein Minimum an Stabilität zu erreichen. Ob das gelingt, ist offen. Denn die frühere deutsche Kriegsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer kündigte noch im September 2021 an, dass die Bundeswehr Mali verlassen werde, wenn dessen Kooperation mit Russland Gestalt annehme. Von Abzug ist in der Erklärung der 15 aber keine Rede mehr. Man klammert sich an Krieg. Die EU-Außenpolitik verändert sich einmal mehr zur Kenntlichkeit.

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