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Aus: Ausgabe vom 31.12.2021, Seite 8 / Ansichten

Das Schlachtfeld bleibt

US-Truppen und der Irak
Von Arnold Schölzel
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Die Umetikettierung der US-Truppen im Irak zum Jahreswechsel, die »Abzug« heißen soll, ist eine groteske Falschmeldung. Im mehr als 100jährigen Krieg, den Briten und US-Amerikaner im Nahen und Mittleren Osten und den angrenzenden Regionen führen, allerdings eine fast beiläufige Propagandalüge. In Saudi-Arabien und drumherum liegen noch Öl und Gas, also bleibt es dabei: Der Westen, einschließlich Bundesrepublik, wird die Region weiterhin zum Schlachtfeld machen. Sie ist, wie der Publizist Michael Lüders 2018 schrieb, ein »beinahe durchgängiges killing field«, ein einziger Tötungsacker. Daher wird das US-Zentralkommando auch künftig so heißen und seinem Hauptgeschäft nachgehen: für Regimewechsel sorgen und für millionenfaches Sterben, damit sich neben Saudi-Arabien, der trotz Fracking wichtigsten strategischen US-Tankstelle auf der Welt, dort kein Staat zu einer Regionalmacht hocharbeiten kann. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel fasste das in die Worte, Saudi-Arabien sei ein »Stabilitätsfaktor«.

Der Irak muss allerdings noch »stabil« gemacht werden. Das ist kein Problem nach dem »Abzug« – in den Nachbarländern bleibt eine stets kriegsbereite US-Armee. Wie bei Täuschung der eigenen Bevölkerung – dem allein dient die Behauptung vom »Rückzug« – aber üblich, kaschiert die Lüge auch in diesem Fall die Dialektik der Geschichte. Die Zeiten sind vorbei, als die USA im Irak-Iran-Krieg von 1980 bis 1988 beiden Seiten Waffen lieferten, darunter Anlagen und Stoffe für irakische Chemiewaffen. Donald Rumsfeld, der als US-Verteidigungsminister gewissermaßen die Erhängung Saddam Husseins am 30. Dezember vor 15 Jahren auf den Weg gebracht hatte, reiste damals dreimal nach Bagdad, um mit ihm die Lieferungen zu verabreden. Washington machte ihn, der das Gas auch gegen die eigene Bevölkerung einsetzte, zum Sieger.
Das hat sich gründlich geändert. Der wirkliche Sieger des seit 1991 von den USA geführten 30jährigen Krieges im Irak ist vorläufig der Iran. Die USA und Israel, das Teheran für den Krieg gegen den Irak ebenfalls gehörig mit Rüstungsgütern beliefert hatte, haben eine riesige Katastrophe herbeigeführt. Je mehr Tote, Gefolterte und Neokolonialismus sie hinterließen, desto schneller wuchs der Einfluss des Iran.

Als vor knapp zwei Jahren US-Präsident Donald Trump mit der Ermordung eines iranischen Generals in Bagdad die Welt an den Rand eines Flächenbrandes brachte, wurde sichtbar, was der Westen angerichtet hat. Zur Wahrheit gehört, dass das iranische Atomprogramm, das als Kriegsvorwand dienen soll, einst von den USA auf den Weg gebracht wurde. Hierzulande haben sich die Proteste gegen den Irak-Krieg von 1991, dem »Begrüßungskrieg« (Volker Braun) für Ostdeutsche, und den von 2003 rasch gelegt. Abstumpfung durch Lüge gehört mehr denn je zum Geschäft. Das ist der Zweck des­ ­»Abzugs«.

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