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Dank aus dem Gefängnis der Welt

Mumia Abu-Jamals Rede am »Tag der Menschenrechte« bei Festakt in Paris
Von Mumia Abu-Jamal
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Zwanzig Jahre ist es her – zwanzig Jahre! –, dass unsere Freundinnen und Freunde in Paris beschlossen haben, mir die Ehrenbürgerwürde ihrer Stadt zu verleihen. Damals war ich noch zum Tode verurteilt. Heute versammeln wir uns wieder, um weitere Geehrte aus der ganzen Welt zu feiern, die seither ebenfalls zu Ehrenbürgern von Paris ernannt wurden. Hier ein Ausschnitt aus der langen Liste: In­grid Betancourt (2002), Youri Bandajewski (2003), Aung San Suu Kyi (2005), Hauwa Ibrahim (2005), Gilad Schalit (2008), Taslima Nasreen (2008), Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama (2008), Hu Jia (2008), Shirin Ebadi (2010), Jafar Panahi (2011), Raoni Metuktire (2011), Ales Bialiatski (2012), Nelson Mandela (2013), die Zeitschrift Charlie Hebdo (2015), Asia Bibi (2015) und Can Dündar (2016).

An Madame Anne Hidalgo, Bürgermeisterin von Paris, und an den früheren Bürgermeister, Bertrand Delanoë, erbieten wir unsere Grüße als Ehrenbürgerinnen und Ehrenbürger aus der ganzen Welt, die wir uns im weltweiten Kampf für die Freiheit und für unsere Befreiung befinden. Wir danken den Organisatoren dieser Veranstaltung. Dank auch an das französische Kollektiv »Libérons Mumia« und an Claude Guillaumaud und Jonathan Lere, die heute das Kollektiv hier vertreten. Paris, die Stadt des Lichts, leuchtet in der ganzen Welt für alle Menschen, die für Freiheit, Würde und gegen Unterdrückung kämpfen. Dank an Paris, Dank Ihnen allen!

Dank auch an Saint-Denis und Bobigny, die Vororte von Paris (die Abu-Jamal 2006 ebenfalls zum Ehrenbürger ernannten und eine Straße nach ihm benannten, jW). Ich danke Ihnen für alles!

Es sprach Mumia Abu-Jamal aus Amerika, dem Gefängnis der Welt.

Übersetzung: Jürgen Heiser

Am 10. Dezember 2021, dem »Internationalen Tag der Menschenrechte«, hielt Mumia Abu-Jamal die hier abgedruckte Eröffnungsrede an die im Rathaus von Paris versammelten Gäste. Bürgermeisterin Anne Hidalgo von der Sozialistischen Partei (PS) und der Stadtrat von Paris feierten mit dem Festakt den 20. Jahrestag des Neubeginns der Verleihung der Ehrenbürgerschaft. 2001 war Abu-Jamal am Gedenktag für die Menschenrechte vom damaligen Bürgermeister Bertrand Delanoë (PS) zum Ehrenbürger ernannt worden. Offiziell gefeiert wurde seine Ernennung aus Termingründen jedoch erst im Oktober 2003.

Zuvor war 1971 Pablo Picasso geehrt worden, bevor eine 30jährige Pause eintrat. Erst als eine vom Kollektiv »Libérons Mumia« mobilisierte Bewegung Tausender forderte, ein Zeichen für den in den USA von der Todesstrafe bedrohten Bürgerrechtler Abu-Jamal zu setzen, besann sich der Pariser Stadtrat auf die Geschichte der Stadt seit 1789, die »geprägt ist von Widerstand und dem Kampf für die Freiheit«. So hieß es am Freitag auf der Webseite der Stadt. Mit der Ehrenbürgerschaft bekenne sich Paris »zu seiner Tradition als Zufluchtsstadt und zur Pflicht, denjenigen Gastfreundschaft zu gewähren, die keine andere Wahl haben, als zur Wahrung ihrer Grundrechte ins Exil zu gehen«.

Wie Claude Guillaumaud-Pujol vom Kollektiv »Libérons Mumia« gegenüber jW berichtete, trafen sich einige Ehrenbürger sowie Angehörige und Aktivistinnen in Vertretung von jenen, die wie Abu-Jamal in Haft sind, am Freitag zu einem Mittagessen mit Bürgermeisterin Hidalgo und den Vorsitzenden von Amnesty International Frankreich und der FIDH, dem Dachverband der Menschenrechtsorganisationen mit Sitz in Paris. Anschließend fand die Festveranstaltung im Ratssaal des Rathauses statt, wo Abu-Jamals Eröffnungsrede abgespielt wurde. Die Versammelten seien »sehr bewegt und beeindruckt« gewesen, so Guillaumaud-Pujol, weil »Mumia direkt aus dem Gefängnis in den USA zu ihnen im Pariser Rathaus sprach«. Alle im Saal hätten »Freiheit für Mumia« gefordert und erklärt, sie hofften, ihn »bei der nächsten Veranstaltung im Pariser Rathaus persönlich zu sehen«, so die Sprecherin von »Libérons Mumia«. (jh)

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