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Aus: Ausgabe vom 04.12.2021, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Welpenragout

Von Maxi Wunder

»Mach Hoppchen, Molotow!« Udo liegt in entspannter Haltung auf dem Wohnzimmersofa und klopft aufmunternd auf die Sitzfläche, während unten ein Hündchen mit Schlappohren tapsige Anstalten macht, mit den Vorderpfoten das Sofa zu erklimmen. »Der Töffi ist doch noch zu klein, sieh nur, wie er sich abmüht …« Behutsam hebt Doris das schwarze Knäuel hoch und setzt es dem erfreuten Udo auf den Bauch.

Die Plauener WG hat den tierischen Zuwachs einer unüberlegten Bemerkung ­Roswithas zu verdanken, die Udo in einem Wortgefecht über das Für und Wider einer Hausordnung als »Sofa-Stalin« bezeichnete, weil er seit seiner Arbeitslosigkeit kaum etwas anderes tue als Domenico Losurdos »Stalin – Geschichte und Kritik einer schwarzen Legende« zu studieren und uns unermüdlich seine Überlegungen dazu zu unterbreiten. Währenddessen quillt der Müll über, die Fenster werden blind, das dreckige Geschirr stapelt sich auf der chronisch unausgeräumten Spülmaschine, von den breitgelatschten Krümeln und Wollmäusen in sämtlichen Räumen gar nicht zu reden. Nicht dass Udo unsere Hausfrau wäre, bewahre! Natürlich putzen wir im Turnus. Aber wenn Udo streikt, dann stockt’s. Denn Rossi springt grundsätzlich nicht für ihn ein. Doris und ich haben dann auch Pause, und alle leben wir im Dreck, den Udo angeblich nicht sieht. Rossi: »Sofa-Stalin!« Darauf Udo frech: »Was wäre Stalin ohne seinen Molotow?« und schafft sich einen Dackel an. »Ich sag’ dir, der wird verrückt.« Roswitha wirft wütend Küchenpapier auf einen Hundepipisee in der Küche. »Doris liebt den Hund auch«, wende ich ein, »vielleicht als Babyersatz. Kümmertrieb und so, Kindchenschema, das Gefühl, gebraucht zu werden …«

Wie auch immer, Töffi will wachsen, und Udo hat endlich mal Lust zu kochen. Gemessen an dem aktuellen Desaster ist das ein Fortschritt:

Welpenragout

300 g Fisch, am besten Seelachs oder Pangasius (unbedingt darauf achten, dass keine Gräten drin sind), eine Kartoffel und eine Karotte in einem Topf weich kochen und mit einer Gabel zerdrücken. Eine weitere rohe Karotte fein raspeln und unter den Fischkartoffelbrei mischen. 300 g Reis kochen und unterheben, eventuell ein paar frische Kräuter dazu. Eine Portion in einem Napf anrichten und mit einem EL Kokosöl übergießen. Den Rest einfrieren. Im Kühlschrank maximal zwei Tage aufbewahren.

Die Ähnlichkeit mit der griechischen Vorspeise Taramosalata ist zwar rein zufällig, beweist aber, dass auch junge Hunde Feinschmecker sind. Wir nehmen dies zum Anlass für eine gemeinsame Mahlzeit mit dem WG-Nachwuchs und machen für die Zweibeiner

Taramosalata

250 g Kartoffeln schälen und grob würfeln. In Salzwasser circa 20 Minuten kochen. Eine Zwiebel schälen und klein würfeln. Die Kartoffeln abgießen. Fünf EL Milch, die Zwiebel, 100 g Taramo bzw. Rogen (rot gefärbte Karpfen- oder Kabeljaueier) und 200 ml Olivenöl zu den Kartoffeln geben und alles zu einer rosa Paste pürieren. Mit Salz und dem Saft einer halben Zitrone abschmecken, kaltstellen. Mit Weißbrot servieren. Dazu Molotowcocktail, Rezept in der nächsten Folge.

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