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Aus: Ausgabe vom 04.12.2021, Seite 6 (Beilage) / Wochenendbeilage

Menschen, die sich durchschlagen

Wer ist Abdulrazak Gurnah? Schlaglichter auf das Schaffen des afrikanischen Literaturnobelpreisträgers
Von Jenny Farrell
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Abdulrazak Gurnah im Garten seines Hauses in Canterbury (7.10.2021)

Als erster schwarzafrikanischer Schriftsteller erhielt Wole Soyinka 1986 den Nobelpreis für Literatur. Andere auf dem afrikanischen Kontinent beheimatete Literaturnobelpreisträger sind Nagib Machfus (Ägypten), Nadine Gordimer und J. M. Coetzee (beide Südafrika). Der 2013 verstorbene Nigerianer Chinua Achebe, der als einer der Väter der modernen afrikanischen Literatur galt, bekam den Preis nie, wie wohl der in den letzten Jahren stark favorisierte, marxistische Kenianer Ngũgĩ wa Thiong’o ihn nicht bekommen wird. Als weitere preiswürdige afrikanische Autoren werden immer wieder die Nigerianerin Chimamanda Adichie und Nuruddin Farah aus Somalia genannt. Wie auch immer: Seit Soyinka erhielt kein weiterer schwarzafrikanischer Autor die Auszeichnung – bis die Schwedische Akademie dieses Jahr völlig unerwartet den gebürtigen Sansibarer Abdulrazak Gurnah prämierte. Diese Woche wird er seine Medaille in Stockholm überreicht bekommen. Von seinen zehn Romanen wurden bislang fünf ins Deutsche übertragen.

1948 geboren, war Gurnahs Jugend von den letzten Jahren britischer Kolonialherrschaft und den unruhigen frühen Jahren der Unabhängigkeit geprägt. Die größten sozialen Spannungen auf der kleinen Insel im Indischen Ozean nahe der tansanischen Küste entsprangen dem Konflikt zwischen der arabischen und afrikanischen Bevölkerung. Die Briten, die gute Beziehungen zu den Sultanen des Persischen Golf unterhielten, lancierten auch aus Angst vor Aufständen in Afrika 1963 die Unabhängigkeit Sansibars, was gleichzeitig die arabische Herrschaft bekräftigte.

Die polnische Reporterlegende Ryszard Kapuscinski schrieb 1998 in seinem aufschlussreichen Buch »Afrikanisches Fieber«: »Abeid Karume war der Führer der Afro-Shirazi-Partei Sansibars. Obwohl diese Partei, die die schwarzafrikanische Bevölkerung der Insel vertritt, bei den letzten Wahlen die Mehrheit gewann, wurde die Regierung von einer arabischen Minderheitenpartei gebildet, die von London unterstützt wurde – der Zanzibar Nationalist Party. Die empörten Afrikaner organisierten einen Aufstand und schafften die arabische Herrschaft ab.« Und an anderer Stelle: »Drei Stunden nachdem Prinz Philip im Namen von Königin Elisabeth Sansibar in arabische Hände überführt hat, macht sich Feldmarschall John Okello auf den Weg und ergreift im Laufe einer einzigen Nacht die Macht auf Sansibar.«

Dieser Machtergreifung folgten Massaker an der arabisch- und indischstämmigen Bevölkerung, viele Menschen flohen. Auch Gurnah und sein Bruder, väterlicherseits arabischer Abstammung, wanderten Ende 1967 fürs Studium nach England aus. Gurnah kehrte erst 1984 für einen Besuch nach Sansibar zurück.

Internationale Solidarität

Gurnahs Erinnerungen an diese Zeit sind schmerzvoll. Doch in einigen seiner Werke, vor allem in »Ferne Gestade« (2001, übersetzt von Thomas Brückner, Edition Koppa, München/Wien 2002), thematisiert er die Solidarität der DDR mit Sansibar, die vor allem in den 1960er Jahren für beide Länder wichtig war. Sansibar wagte es als erstes nichtsozialistisches Land, die DDR diplomatisch anzuerkennen und der Hallstein-Doktrin, dem Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik, zu trotzen. Nach der Vereinigung Sansibars mit Tanganjika zu Tansania 1964 bestand auch Präsident Julius Nyerere auf die Beibehaltung der Anerkennung der DDR und unterhielt trotz Hallstein-Doktrin diplomatische Beziehungen zu beiden deutschen Staaten. Neben Projekten wie einem Wohnungsbauprogramm wurden viele junge Sansibarer zu Kursen, Ausbildung und Studium in die DDR delegiert.

Sansibar ist einer der Schauplätze in fast allen Romanen Gurnahs, es geht in ihnen zumeist um die Geschicke einzelner Personen und Familien in den Wirren der Zeiten. Migration und ein Leben zwischen den Kulturen sind Themen, die Gurnah immer wieder beschäftigen. Eben dafür wurde ihm der Nobelpreis zuerkannt, für »sein kompromissloses und mitfühlendes Durchdringen der Auswirkungen des Kolonialismus und des Schicksals des Flüchtlings in der Kluft zwischen Kulturen und Kontinenten«, so die Schwedische Akademie im Oktober.

In »Ferne Gestade« beantragt Saleh Omar, ein 65jähriger sansibarischer Flüchtling und ehemaliger Geschäftsmann, nach elfjähriger Inhaftierung auf Sansibar Asyl in Großbritannien. Hier trifft er auf seinen Landsmann Latif Mahmud – sie verbinden zwei Hausräumungen, mit denen Omar zu tun hatte. Sie gingen auf dessen Geschäftspartner Hussein zurück, einen persischen Händler, der alle beteiligten Parteien ausnutzte und betrog. Dieser Konflikt ist eingebettet in die Geschichte Sansibars. Die Handlung beginnt in den letzten Jahren der britischen Kolonialherrschaft und endet mit Omars Ausreise. Vom Schicksal zusammengeführt, versuchen beide Männer, sich an den genauen Hergang und die Begleitumstände dieses Lebensabschnitts zu erinnern. Diese Erinnerungen bilden den Kern des Romans.

Gleich zu Beginn reflektiert Omar über die Kolonialgeschichte Ostafrikas: »Dann brachen die Portugiesen, die den Kontinent umrundeten, so unerwartet und verhängnisvoll aus dem unbekannten und undurchdringlichen Meer hervor. (…) Sie verwüsteten Inseln, Häfen und Städte in ihrem religiösen Wahn und erfreuten sich ihrer Grausamkeit gegenüber den Bewohnern (…). Dann kamen die Omaner, um sie zu vertreiben und im Namen des wahren Gottes das Kommando zu übernehmen, brachten indisches Geld mit, dicht gefolgt von den Briten, den Deutschen, den Franzosen und allen, die sonst noch über die nötigen Mittel verfügten.«

Das Geschehen ist hier, wie in anderen Romanen Gurnahs, im Kleinbürgertum und Mittelstand angesiedelt – in der Schicht der oft verarmten Ladenbesitzer, kleinen Geschäftsleute, meist arabischer, indischer oder gemischter Abstammung, nicht in der besitzlosen afrikanischen Bevölkerung von Landarbeitern, Tagelöhnern und Fischern. Der schulisch gebildete Omar sagt über die britischen Kolonialherren: »In ihren Büchern las ich wenig schmeichelhafte Berichte über meine Geschichte (…). Es war, als hätten sie uns neu erschaffen, und zwar so, dass wir keine andere Wahl hatten, als sie zu akzeptieren, so vollständig und passend war die Geschichte, die sie über uns erzählten.«

Der eine Generation jüngere Mahmud kann in den 1960er Jahren, kurz nach der Unabhängigkeit, dank Beziehungen seiner Mutter zu einem Minister ein Auslandsstudium in der DDR aufnehmen. Der junge Afrikaner findet dort natürlich kein Paradies vor. Schon vor Antritt seines Zahnmedizinstudiums wird er durch Freunde zur »Republikflucht« verleitet, es verschlägt ihn nach England. Der Autor stützte sich in seiner Schilderung von Mahmuds Erlebnissen auf Berichte von Schulfreunden. Jedoch nehmen die Hilfsprojekte der DDR für Sansibar im Roman einen bemerkenswert breiten Raum ein.

Omar reflektiert auch kritisch über die Rolle der USA nach Ende der Kolonialherrschaft, weiß, »dass damals in ganz Afrika die Unzufriedenheit mit den Vereinigten Staaten anschwoll. Sie hatten bei der Ermordung von Patrice Lumumba im Kongo zu offen ihre Hand im Spiel (…). Sie ermordeten schwarze Amerikaner im eigenen Land, obwohl diese nur das Wahlrecht und gleiche Bürgerrechte wollten – Bestrebungen, die uns allen damals vertraut waren und die sich mit unserer Unzufriedenheit über die arrogante Unterdrückung nichteuropäischer Völker auf der ganzen Welt deckten.«

Die Geschichte holt Gurnahs Figuren ein, sie werden zu ihren Schachfiguren, wobei der Autor den Einzelschicksalen verpflichtet bleibt. Er lehnt aus seiner Sicht vereinfachte Vorstellungen von Befreiung, Migration, Muslimen und Ostafrika ab, und so beschäftigt sich »Ferne Gestade« mehr mit der komplizierten Beziehung zwischen den beiden Erzählern als mit der prekären Situation des Asylbewerbers Omar. Obwohl es in der Rahmenhandlung um dessen Lage in England geht, folgt der größte Teil des Textes den widersprüchlichen Erinnerungen der beiden Männer über ihr Leben auf Sansibar und wie sie letztendlich über ihre gemeinsame Geschichte zu einer neuen Verbindung finden.

Tragische Figuren

Der 2005 erschienene Roman »Die Abtrünnigen« (übersetzt von Stefanie Schaffer-de Vries, Berlin-Verlag, Berlin 2006) befasst sich ebenfalls mit der Historie Tanganjikas, diesmal anhand einer indisch-afrikanischen Familie aus dem Kleinbürgertum. Die Handlung umfasst die knapp 90 Jahre von 1899 bis circa 1984. Sie setzt ein mit der schicksalhaften Rettung eines Mzungu – eines Europäers –, dessen jahrelanger Liebesbeziehung zu Rahena, der Schwester seines Retters, und folgt deren Nachwirkungen über die Generationen. Der Verstoß gegen die gesellschaftlichen Gebote macht die Abtrünnigen zu tragischen Figuren.

Diese Geschichte ist zunächst in die Kolonialzeit eingebettet, führt dann in die frühen 1960er Jahre, die Jahre um die Unabhängigkeit herum und danach. Der aus Sansibar zum Studium nach England ausgewanderte Rashid, phasenweise der Erzähler, teilt manche biographische Aspekte mit Gurnah: Auch er studiert Englisch, promoviert, erhält einen Dozentenposten, heiratet in England. Er besucht Sansibar erst Mitte der 1980er Jahre, als seine Eltern bereits verstorben sind. Bis dahin wurde ihm von der Familie von einem Besuch abgeraten, wegen zu erwartender Repressalien. Gurnah malt in den Berichten des Bruders Amin ein düsteres, trostloses Bild: »Wir alle werden zunehmend süchtig nach der Moschee. Die Regierung verkündet ihre sozialistischen Lügen, und wir alle rennen in die Moscheen. Die Tage werden in jeder Hinsicht immer dunkler. Die Lebensmittel werden immer knapper. Es gibt Stromausfälle und Wasserknappheit. So ist es unvermeidlich, dass die Moscheen voller werden und die Gebete länger dauern. Ich empfinde eine unerwartete Freude an dieser Gemeinschaft.«

Auch der noch heute in ganz Afrika für seine sozialistische Ujamaa-Politik in den postkolonialen Anfangsjahren verehrte erste Präsident Tansanias, Julius Nyerere, wird wenig sympathisch dargestellt: »Armer Minister, gefangengenommen und gedemütigt, wie die anderen Minister. Sie sind jetzt alle auf dem Festland im Gefängnis, nach Belieben von Tanganjikas Präsident Julius Nyerere, der vor Freude darüber erstrahlt, was uns widerfahren ist.«

Gurnah und Ngũgĩ

Gurnah unterscheidet sich von der marxistischen Perspektive Ngũgĩs, dessen Blick auf koloniale Knechtung kompromissloser ist und der auch brisant über die neokoloniale Gegenwart Afrikas schreibt. Während Gurnah stark der englischen Literatur und auch den »Märchen aus 1001 Nacht« verpflichtet ist, hat Ngũgĩ die Sprache der Kolonialherren abgelegt und schreibt nur noch in Gikuyu. Sein 1987 erschienener Roman »Matigari« wurde schnell Teil der Volkskultur – zum Entsetzen der Behörden. Als der damalige Präsident Daniel arap Moi hörte, dass ein gewisser Matigari in Kenia umgehen und schwierige Fragen stelle würde, ordnete er dessen sofortige Verhaftung an. Alle in Kenia vertriebenen Exemplare des Buches wurden beschlagnahmt und vernichtet.

Gurnahs Figur Rashid erinnert sich an ein Gespräch mit dem ehemaligen Kommilitonen über den Literaten Sundeep: »Sundeep ist (…) ein berühmter Schriftsteller geworden. Er lebte ein Jahr lang in Malawi und schrieb (…) eine respektlose Komödie über postimperiale Absurditäten (…) Präsident Banda gefiel das nicht und ließ den Verkauf des Buches in Malawi verbieten. Sundeep war zu diesem Zeitpunkt schon längst aus dem Schneider, und dass sein Buch von einem Präsidenten auf Lebenszeit verboten wurde (…), schadete seinem Ruf nicht. (…) Ich habe die meisten seiner Bücher gelesen, aber ich freue mich nicht mehr auf sie. Ich denke, dass sie trotz ihres Elans und ihrer Sprachgewandtheit immer sicherer in ihren Urteilen geworden sind, und sich einer Sache zu sicher zu sein ist der Beginn der Bigotterie.«

Dieses Porträt hat gewisse Ähnlichkeiten mit Ngũgĩ und deckt sich mit Auffassungen, die Gurnah in literaturwissenschaftlichen Publikationen über ihn vertritt.

In Knechtschaft

Der ebenfalls ins Deutsche übersetzte, ironisch betitelte Roman »Das verlorene Paradies« (übersetzt von Inge Leipold, Krüger, Frankfurt am Main 1996) schaffte es 1994 auf die Shortlist für den renommierten Booker-Preis. Er spielt zwischen 1900 und 1914 im kolonialen Ostafrika: »Überall, wo sie hinkamen, waren die Europäer vor ihnen angekommen und hatten Soldaten und Beamte eingesetzt (…). Die Händler sprachen mit Erstaunen von den Europäern, ehrfürchtig über ihre Grausamkeit und Rücksichtslosigkeit. Sie nehmen sich das beste Land, ohne auch nur eine Perle zu bezahlen, zwingen die Menschen mit der einen oder anderen List, für sie zu arbeiten. (…) Steuern für dieses, Steuern für jenes, sonst Gefängnis für den Übeltäter, die Peitsche oder sogar Henken.«

Im Mittelpunkt der Handlung steht ­Yusuf, der zwölfjährig von seinem Vater, der ein Hotel für einen gewissen Aziz leitet, an diesen in die Schuldknechtschaft verkauft wird. Für ihn arbeitet der Junge kostenlos, geht nie zur Schule. Er ist nicht das einzige Kind, das auf diese Weise zu Aziz kommt. Khalil ist ein paar Jahre älter und wird zum besten Freund und Berater. Yusuf entstammt zwar dem verarmten Kleinbürgertum, wird aber durch die Schuldknechtschaft Teil der entrechteten Dienerschaft. Doch er steht unter dem Schutz von Aziz, trotz des Abhängigkeitsverhältnisses empfindet er eine gewisse Geborgenheit.

Yusuf wird über die Jahre von Aziz mit auf seine Handelskarawanen genommen, und so lernt er ein Afrika kennen, das von Stammeskriegen, Aberglauben und Krankheiten geprägt ist. Auch ist immer wieder von Deutschen zu hören, die sich langsam ausbreiten würden. Jahre später erfährt Yusuf, dass seine Eltern nicht mehr leben. Wie Khalil weiß er nicht, wie er sich finanziell befreien kann. Bei Aziz erwartet ihn ein Leben als Karawanenhändler. So läuft er am Ende des Romans einem Trupp afrikanischer Askaris im Dienst der Deutschen hinterher, um sich ihnen anzuschließen. Und das, obwohl er gerade Zeuge ihrer Gewaltbereitschaft gegenüber der Bevölkerung geworden war. Obwohl im Roman verschiedene »Paradiesgärten« vorkommen – für Yusuf und Khalil gibt es keinen.

Keine Helden

Der 2020 veröffentlichte, bislang nicht in deutscher Sprache vorliegende Roman »Afterlives« knüpft historisch an »Das verlorene Paradies« an. Hier aber rücken die deutschen Kolonialisten und ihre Schutztruppen ins Zentrum des Geschehens. Es gibt viele Bezüge zu deutscher Kultur und Kolonialgeschichte, auch deutschsprachige Versatzstücke. Gurnah hat offenkundig Freude an Sprachen, in sämtliche seiner Texte integriert er Suaheli, aber auch Arabisch.

Erneut steht das Schicksal der Figuren im Zentrum, wodurch Gurnah den Leser für seine Protagonisten gewinnt, die sich freilich auch Verbrechen zuschulden kommen lassen. Er zeigt, was sie in den Dienst der Schutztruppen zieht, wie sie dort selbst als »Untermenschen« behandelt werden, wie sie ihren eigenen Interessen zuwideragieren. Das Augenmerk liegt auf ihren menschlichen Motivationen, ihrem Stolz, nicht auf ihren Untaten. Sie lernen Deutsch; Hamza, eine Hauptfigur, lernt die Sprache besonders gut. Doch er wird von einem Offizier in Rage schwer verletzt, er desertiert. Eine andere Figur, Ilyas, gelangt durch die Wirren des Ersten Weltkrieges nach Deutschland, wo er bleibt und ihn ein weiterer Schicksalsschlag erwartet. Das Leben dieser Figuren fügt sich zu einem Ganzen, in dem es, charakteristisch für Gurnah, keine Helden gibt, sondern nur Menschen, die sich irgendwie durchschlagen.

Obwohl der Handlungszeitraum dieses Romans die Jahre des Maji-Maji-Aufstands (1905–1907) einschließt, wird er nur am Rande erwähnt. Die zweijährige Rebellion wurde brutal niedergeschlagen. Die Deutschen setzten auch Hunger als Waffe ein, zerstörten die Ernten mutmaßlicher Maji-Maji-Anhänger. Der Aufstand in Tanganjika war der bedeutendste afrikanische Widerstand gegen die deutsche Kolonialherrschaft.

Die Mitglieder der Schwedischen Akademie, bekanntlich nicht frei von bürgerlichen Vorurteilen, täten gut daran, nicht weitere 35 Jahre zu warten, bevor sie wieder ein Buch eines afrikanischen Autors in die Hand nehmen. Am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, wird Abdulrazak Gurnah im Namen des schwarzen Afrikas den Nobelpreis für Literatur entgegennehmen.

Abdulrazak Gurnah gilt als einer der wichtigsten afrikanischen Erzähler der Gegenwart. Antikoloniale Erhebungen bilden oft den zeithistorischen Hintergrund seiner Romane. Gurnah wurde 1948 auf der damals britischen Insel Sansibar geboren, ab 1968 studierte er in England. Nach einem Aufenthalt in Nigeria promovierte er 1982 in Kent, wo er seither Englische Literatur lehrt. 1987 publizierte er seinen Debütroman »Memory of Departure«.

Jenny Farrell ist promovierte Anglistin und lebt in Irland. Auf deutsch erschien »Shakespeares Tragödien. Eine Einführung« (Neue-Impulse-Verlag, 2016). Zuletzt schrieb sie an dieser Stelle in der Ausgabe vom 24./25. April 2021 über »Shakespeare die Hand reichen. Wie Erich Fried als Übersetzer die revolutionären Ziele des englischen Dramatikers herausarbeitete«

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