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Aus: Ausgabe vom 04.12.2021, Seite 10 / Feuilleton
Nachruf

Spielen im Schmutz

Zum Tod von Klaus Rainer Röhl
Von Peter Merg
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Von »Konkret« zur Kloake: Klaus Rainer Röhl (1928–2021)

Zumindest zwei Dinge hat Klaus Rainer Röhl in seinem Leben richtig gemacht: Zunächst gründete er 1955 den Hamburger Studentenkurier, ein Magazin, das unter seiner Leitung und dem Titel Konkret zu einem der wichtigsten Organe dessen wurde, was sich vor 1968 in der linken Kulturlandschaft der BRD zu formieren begann. Dann engagierte er Ulrike Meinhof als politische Kolumnistin und Aushängeschild, später heirateten sie. Da war Röhl auf der Höhe seines Ruhms: der Verleger mit dem Porsche und den Promipartys, aber auch dem Parteibuch der verbotenen KPD und guten Kontakten nach Ostberlin. Zwar allgemein als großer »Kotzbrocken« (P. Rühmkorf, einer seiner wichtigsten Autoren) verschrien, doch durchaus ehrfürchtig geachtet. Was man sich in der BRD halt als »linken Dandy« dachte, bevor man Jörg Schröder kannte.

Spätestens mit der erst privaten, dann publizistischen Scheidung von Meinhof Ende der 60er ging’s wieder bergab. Weil die DDR kein Geld mehr zuschoss, setzte Röhl auf Politporno, nacktes Fleisch auf den Titelseiten und Storys über Sex mit Minderjährigen. Dass das bei ihm nicht einfach Anbiederungen an den nun promisk-patriarchalen »Zeitgeist« war, erfuhr die Öffentlichkeit spätestens von seiner Tochter Anja, die 2010 von sexuellen Übergriffen berichtete. Er stritt alles ab, aber auch Tochter Bettina beklagte Belästigungen.

Von allem Linken hatte sich Röhl da längst verabschiedet: Konkret verkaufte er 1974 abgewirtschaftet an Hermann L. Gremliza, der dem Blatt zu neuem Glanz verhelfen sollte, das nächste Mal hörte man von ihm, als er in den 90ern demonstrativ beim rechten Historiker Ernst Nolte promovierte und von »linken Lebenslügen« faselte. Der Weg über Welt und FDP zur Preußischen Allgemeinen Zeitung war kurz. Klaus Rainer Röhl hatte sich zu Lebzeiten selbst beerdigt. Am 30. November ist er einen Tag vor seinem 93. Geburtstag in Köln gestorben.

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