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Aus: Ausgabe vom 04.12.2021, Seite 7 / Ausland
Unklare Stoßrichtung

Die USA im Nacken

Honduras: Künftige Präsidentin Castro laviert zwischen Neuausrichtung der Außenpolitik und Rücksichtnahme auf Washington
Von Frederic Schnatterer
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Castros Wahlsieg wird auch Auswirkungen auf die Region haben (Tegucigalpa, 28.11.2021)

Alles deutet darauf hin, dass der Machtwechsel in Honduras reibungslos vonstatten gehen wird. Am Mittwoch gratulierte der bisherige Staatschef Juan Orlando Hernández der neugewählten Präsidentin Xiomara Castro in einer Rundfunkansprache zum Wahlsieg. Zudem erklärte der Rechtspolitiker, der nach zwei Amtszeiten nicht noch einmal antreten durfte, er habe ein »Übergangsteam« zusammengestellt, mit dem der künftigen Regierung die Übernahme der Amtsgeschäfte erleichtert werden solle. Die offizielle Übergabe des Präsidentenamtes an Castro ist für den 27. Januar geplant.

Obwohl bisher erst rund 68 Prozent der Wahllokale ausgezählt worden sind, liegt Castro mit 51,41 Prozent der Stimmen uneinholbar vor ihren Konkurrenten. Dem Rechnung tragend hatte bereits der Kandidat der rechten Nationalpartei (PNH), Nasry Asfura, seine Niederlage anerkannt. Auch Washington beglückwünschte die Politikerin der linken Partei Libre zu ihrem Triumph. Auf Twitter erklärte US-Außenminister Antony Blinken am Mittwoch, er freue sich auf die Zusammenarbeit, um »die demokratischen Institutionen zu stärken, inklusives Wirtschaftswachstum voranzubringen und Korruption zu bekämpfen«.

Dass ein Wahlsieg Castros von ihren Widersachern im In- und Ausland ohne weiteres anerkannt werden würde, galt vor der Abstimmung am vergangenen Sonntag keineswegs als sicher. Zu lebendig waren die Erinnerungen an den US-gestützten Putsch im Jahr 2009 gegen Castros Ehemann Manuel Zelaya, in dessen Folge die rechte PNH an die Macht gelangte. 2017 war ein Wahlsieg des Sozialdemokraten Salvador Nasralla durch Betrug verhindert worden. Wieder spielte Washington eine unrühmliche Rolle, die US-Botschaft intervenierte nach mehreren Tagen der Unklarheit und erklärte den PNH-Kandidaten Hernández zum Präsidenten.

Dementsprechend bedeutsam ist Castros Wahlerfolg. Mit ihm gehen zwölf Jahre rechter Herrschaft in dem mittelamerikanischen Land zu Ende – mit Folgen auch für die Region. Während des Wahlkampfs betonte Castro, in der Tradition Zelayas an der Seite der linken Regierungen in Nicaragua, Bolivien, Venezuela und Kuba zu stehen. Gegenüber der britischen BBC erklärte Gerardo Torres, Sekretär für Internationales der Libre-Partei, die künftige Präsidentin werde den venezolanischen Oppositionspolitikers Juan Guaidó nicht weiter als »Übergangspräsidenten« des Landes anerkennen. 2019 hatte die Regierung von Hernández die Beziehungen zur Regierung von Nicolás Maduro abgebrochen. Zu den ersten Gratulanten nach Castros Sieg gehörte denn auch Maduro, der ihn am Montag auf Twitter als »Triumph für die Demokratie und den Frieden« bezeichnete.

Zwar ist die Hoffnung auf eine Stärkung des regionalen Linksblocks in Lateinamerika groß. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie weit Castro sich tatsächlich auf die Seite fortschrittlicher Regierungen stellen wird. Im Oktober ging die Linkspolitikerin ein Bündnis mit dem ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Nasralla ein. Seitdem haben auch einige ihrer Forderungen an Schärfe verloren.

Jüngstes Beispiel dafür ist der Umgang mit der Volksrepublik China. Honduras gehört zu einem der weltweit 15 Staaten, die diplomatische Beziehungen zu Taiwan unterhalten. Im Wahlkampf hatte Castro angekündigt, sie abbrechen und statt dessen auf Beijing zugehen zu wollen. Am Donnerstag erklärte nun Nasralla, der in der künftigen Regierung das Amt des Vizepräsidenten bekleiden soll, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, in der Frage der Beziehungen zu China müsse abgewogen werden, inwiefern ein solcher Schritt negative Konsequenzen für das Verhältnis zu den USA haben könne. »Unser Handelspartner, unser enger Partner, unser historischer Partner sind die Vereinigten Staaten.« Wie zur Bestätigung dieses Kurses traf sich Castro am Donnerstag in Tegucigalpa mit der Abgesandten für Handel der US-Regierung in Honduras, Colleen Hoey.

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