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Aus: Ausgabe vom 26.11.2021, Seite 4 / Inland
Polizeigewalt

»Der ist hart geflogen«

Kölner Polizisten prahlen in Chats mit Gewalt
Von Bernhard Krebs
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Auch mal härter zulangen: Polizisten setzen nach einem Fußballspiel eine Person fest (Köln, 22.5.2021)

Wieder einmal sorgen Chats von Polizisten aus Nordrhein-Westfalen für Entsetzen. In einer kurzfristig einberufenen Sitzung des Innenausschusses des Landtages in Düsseldorf erklärte CDU-Innenminister Herbert Reul am Donnerstag, die Nachrichten deuteten auf eine »Affinität zur Gewalt« der mittlerweile suspendierten Beamten der Kölner Polizeiwache im Stadtteil Ehrenfeld hin. »Das, was da in Köln-Ehrenfeld passiert zu sein scheint, geht überhaupt nicht«, sagte Reul. Wie schon bei rechten Chats, die in jüngerer Vergangenheit bekanntgeworden waren, will der Innenminister aber keine strukturellen Probleme bei der Polizei erkennen. Vielmehr zweifele er an der »inneren Haltung« und Eignung der fraglichen Polizisten, so Reul. Der Minister teilte mit, dass inzwischen gegen sechs Beamte ermittelt werde.

In Berichten des Kölner Stadtanzeigers von Montag und Mittwoch war zunächst von fünf Beamten die Rede. Laut dem Blatt soll es in einem Chat zwischen zwei Beamten geheißen haben, bei der nächsten Streifenfahrt »nehmen wir auf jeden Fall jemanden fest und machen jemanden kaputt«. In einer anderen Nachricht nach einem Einsatz im Dezember 2020 soll ein Polizist geprahlt haben, er habe »dem Türken gestern ein Kick gegeben«. Und weiter: »Im Ernst, der ist hart geflogen. Schicke dir morgen mal Bilder von seiner Fresse.«

Kenntnis erlangten die Strafverfolgungsbehörden von den Prügel-Chats im Zuge von Ermittlungen wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt gegen Ehrenfelder Beamte. Bei einem Einsatz im Stadtteil Bickendorf im vergangenen April sollen sie einen 59jährigen geschlagen und getreten haben. Im Juni verstarb der Mann an einer Blutvergiftung, die im Zusammenhang mit den bei dem Einsatz erlittenen Rippenbrüchen stehen könnte. Augenzeugen hatten laut Staatsanwaltschaft »übermäßige Gewalt« der Polizei beobachtet.

Das antifaschistische Bündnis »Köln gegen rechts« ruft für Freitag, 18 Uhr, zur Kundgebung »Prügelbanden und rechte Gruppen bei der Polizei – Reul, tritt ab!« vor der Ehrenfelder Wache auf.

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