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Aus: Ausgabe vom 27.11.2021, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Vegetarischer Feuertopf

Von Maxi Wunder

»Advent, Advent, ein Kaufhaus brennt!« Der Spruch nimmt Bezug auf die Attentate der »Roten Armee Fraktion« (RAF) im April 1968 auf zwei Frankfurter Kaufhäuser. Laut zynischem Begleitschreiben der »Kommune 1« sollten die Brandstiftungen den damaligen Kaufhauskunden ein »knisterndes« Vietnam-Napalm-Erlebnis verschaffen. Also bei der gleichgültigen westdeutschen Masse Empathie mit den vietnamesischen Opfern des US-Krieges körperlich erzwingen. Als Vorbild diente der RAF der verheerende Brand des »À l’innovation« von 1967, eines prächtigen Jugendstilkaufhauses in Brüssel, in dem seinerzeit amerikanische Waren angeboten wurden. Der »politische Racheakt« der RAF von 1968 bleibt bei der Präsentation zahlreicher Dokumente zum Thema »Internationale Solidarität« in dem heutigen Kriegsmuseum in Ho-Chi-Minh-Stadt nachvollziehbarerweise unerwähnt. Die DDR hingegen glänzt mit Fotos von jungen Pionieren mit Sammelbüchse.

Im Zeitalter staatlich verordneter, lithiumbatteriebetriebener Rauchwarnmelder wären Pyroterroristen heute ohnehin völlig frustriert, und nicht nur sie: »Habt ihr euch das überhaupt schon mal richtig angesehen? Hässlich – und funktioniert vielleicht gar nicht.« Roswitha deutet kritisch auf den Rauchmelder an der Wohnzimmerdecke der Plauener Kommune. Unweit der von uns liebevoll sanierten Jugendstilrosette klebt er wie ein notgelandetes ­Miniufo und stört den ästhetischen Gesamteindruck des Plafonds. »Das wurde, glaube ich, in der freundlichen Absicht erfunden, Menschen, die im Bett rauchen, das Leben zu retten«, wende ich ein und versuche niemanden anzugucken, aber Udo nimmt’s nicht persönlich. »Wir können ja noch ’ne Klobürste dazukleben und einen Zwiebelhacker. Dann ist es Kunst!« schlägt er launig vor.

Der Zwiebelhacker bleibt unten – es gibt ein Rauchmelderwartungstestgericht:

Vegetarischer Feuertopf:

Eine rote Zwiebel, eine geschälte Knoblauchzehe und eine Chilischote kleinhäckseln. Etwas Öl in einem großen Topf erhitzen und die Zutaten darin anschmoren. Eine gelbe und eine rote Paprika sowie 150 g Champignons kleinschneiden, 300 g weiße Bohnen und 300 g Mais aus der Dose abschütten und alles zusammen mit in den Topf geben. Mit 200 ml Gemüsebrühe ablöschen. 500 ml passierte Tomaten und einen TL Chilipaste hineingeben und alles zusammen für gut zehn Minuten leicht köcheln lassen. Mit Salz und Pfeffer, Paprika- und Kurkumapulver abschmecken. Etwas Räuchertofu anbraten und dazugeben. Mit frischer Petersilie bestreut heiß servieren.

Wir positionieren den Topf zielgenau unter dem Melder und lassen dampfen. »Er muss näher ran, stell den Topf auf den Schrank und den Schrank auf den Tisch, und dann schieben wir das direkt darunter …« – »Leute, ich hab’ Hunger!« – »Quatsch«, meint Rossi, »wir schieben erst mal den Schrank unter die Rosette, dann stellen wir den Tisch drauf, und du holst die Leiter, Maxi, und packst oben auf den Möbelturm den Topf … Vergiss die Klobürste nicht!« – »Mädels! Ich kann euch das Ergebnis eures wissenschaftlichen Experiments jetzt schon sagen. Das Ding wird niemals klingeln. Es ist von AEG: Auspacken. Einschalten. Geht nicht.«

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