75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Gegründet 1947 Montag, 6. Dezember 2021, Nr. 284
Die junge Welt wird von 2593 GenossInnen herausgegeben
75 Ausgaben junge Welt für 75 € 75 Ausgaben junge Welt für 75 €
75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Aus: Ausgabe vom 26.11.2021, Seite 5 / Inland
Mindestlohn

Das mindeste ist längst nicht armutsfest

Wann kommt die Zwölf und für wen wird das reichen? NGG fordert Einführung unterer Lohngrenzen
Von Jens Walter
Gastronomie_65384912.jpg
Die in vielen Bundesländern beschlossenen 2G-Regelungen werden aller Voraussicht nach zu Geschäftseinbußen und zu Kurzarbeit für Beschäftigte in der Gastronomie führen

Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) macht Druck bei der Umsetzung des allgemeinen Mindestlohns von zwölf Euro, der im Koalitionsvertrag der kommenden Regierung angekündigt ist. Die untere Lohngrenze müsse »schnellstmöglich« eingeführt werden, erklärte am Donnerstag der NGG-Vorsitzende Guido Zeitler. Angesichts der starken Inflation seien Verzögerungen nicht hinnehmbar. »Millionen Menschen brauchen dringend Hilfe«, so Zeitler. Nötig sei ein konkretes Zieldatum, wann »die Zwölf endlich kommt«.

Die NGG vertritt Beschäftigte aller Berufsgruppen in Hotels und gastronomischen Einrichtungen. Bei den letzten Tarifverhandlungen in diesem Herbst in Berlin forderte die Gewerkschaft zunächst eine »armutsfeste« untere Lohngrenze von 13 Euro. Sie unterzeichnete am 8. November dann einen Vertrag, der eine Erhöhung der Löhne in den unteren Entgeltgruppen auf nur zwölf Euro zum 1. Januar vorsieht. Für den Fall der Fälle wurde vereinbart: »Sollte der gesetzliche Mindestlohn vor dem 1.10.2022 auf zwölf Euro steigen, erhöhen sich die Stundenlöhne in den Entgeltgruppen zwei und drei auf 12,50 Euro.«

Kritik äußerte der NGG-Vorsitzende am Donnerstag an den Regierungsplänen zur Erhöhung der Entgeltgrenze für Minijobs: »So werden Minijobs attraktiver gemacht, das geht komplett in die falsche Richtung«, erklärte Zeitler. Dabei habe die Coronakrise glasklar gezeigt, dass Minijobs für die Beschäftigten keinerlei Sicherheit bieten: »Allein im Gastgewerbe wurden in der Coronapandemie Hunderttausende Menschen mit Minijobs ohne jede Absicherung auf die Straße gesetzt.«

Auf die Lage der noch in der Branche Beschäftigten wies am Donnerstag die stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Susanne Ferschl, hin. Sie bezog sich auf die an diesem Tag im Kabinett beschlossene Verlängerung der erleichterten Voraussetzungen für die Kurzarbeitergeldzahlung. Diese griffen »wie schon in der Vergangenheit gerade dort zu kurz, wo sie so nötig wären: im riesigen Niedriglohnbereich. Dort, wo eben auch 60, 70 oder 80 Prozent vom Lohn noch immer zu wenig zum Leben sind. Die in vielen Bundesländern beschlossenen 2G-Regelungen, etwa für Einzelhandel und Gastronomie, werden aller Voraussicht nach zu Geschäftseinbußen und zu Kurzarbeit für die dort Beschäftigten führen. Es braucht deshalb zwingend eine Sonderregelung, um Beschäftigte im Mindestlohnbereich endlich besser zu schützen, etwa ein Mindestkurzarbeitergeld von 1.200 Euro, wie es die Gewerkschaften Verdi und NGG vorgeschlagen haben.«

Zeitung gegen Profite mit der Gesundheit

Die junge Welt ist die einzige parteiunabhängige Tageszeitung, die Zeit Ihres Bestehens gegen Krieg und Faschismus angeschrieben hat. Wenn wir nun unseren 75. Geburtstag feiern, dann möchten wir das zusammen mit unseren Leserinnen und Lesern begehen.

Um dieses Jubiläum gebührend zu feiern, hat die junge Welt die 75er-Aktion. Schenken Sie sich, Ihren Lieben und der jW 75 Ausgaben für 75 Euro. Danach endet das Abo automatisch und muss nicht abbestellt werden.

Ähnliche:

  • Die SPD und ihr Finanzminister haben die Beschäftigten dem Niedr...
    02.09.2021

    Amazon muss zahlen

    Gewerkschaft mobilisiert zu Aktionstagen. Prekäre Arbeitsverhältnisse von Lieferanten im Zentrum der Kampagne. SPD-Kanzlerkandidat kommt nicht gut an
  • Demonstration von Deliveroo-Fahrern für bessere Arbeitsbedingung...
    28.06.2021

    Erlaubnis unnötig

    Gericht stuft Deliveroo-Lieferanten als Selbständige ein. Zusammenschluss als Lohnabhängige nun formal unmöglich. Gewerkschaft zeigt sich unbeeindruckt

Mehr aus: Inland