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Gegründet 1947 Freitag, 3. Dezember 2021, Nr. 282
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Aus: Ausgabe vom 25.11.2021, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Klipp und klar

Zu jW vom 20./21.11.: »Kopf, Faust und Fahne«

Da das Thälmann-Denkmal offensichtlich untauglich ist für die üblichen Verfahren zur Beseitigung der Denkmäler, wird jetzt zunächst die Diffamierung mittels einer »Installation« gewählt. Trotzdem ist der richtige sachlich-politische Begriff dafür Denkmalschändung, wie für den Klau der Plakette in Ziegenhals und den Vandalismus andernorts. Dabei werden der Antikommunismus, die Anti-DDR-Hetze als integraler Bestandteil von »Rot-Grün-Rot« als Grundlage der Aktion sichtbar. Sie soll vor allem im Bewusstsein tilgen, dass KPD-Chef Ernst Thälmann ab 1933 als Gefangener ohne Prozess in aller Welt für ein anderes Deutschland stand als das faschistische. Siehe die Demonstrationen für seine Freilassung damals international, das Thälmann-Bataillon im Spanischen Krieg usw. Bis zur Ermordung in Buchenwald blieb er ungebrochen. Betina Kuntzsch hat sich als ausführende Künstlerin des Bezirksamtes Pankow für die Diffamierung des Denkmals und damit der Erinnerung an Thälmann hergegeben. Ihre Äußerungen zeigen keine Auseinandersetzung mit der Kunst der DDR, der UdSSR, Lew Kerbel, von dem das Denkmal stammt, und erst recht nicht mit Ernst Thälmann. Sich hinter Willi Sitte zu verstecken ist albern, weil er sich ja gar nicht gegen das Denkmal selbst ausgesprochen hat, sondern gegen das Prozedere der Bildhauerauswahl. Der Umstand, dass ihre Sockel an die Stelle der Stelen mit politischen Inhalten der DDR-Zeit gesetzt wurden, stört sie nicht. Ihre gesamte Argumentation, wenn auch modisch formuliert, wie auch ihr völliges Unverständnis gegenüber der Kritik der Demonstranten widersprechen ihrer angeblichen Distanz zur Denkmalstürmerei und meinen klipp und klar Denkmalbeseitigung. Und wenn sie »im Kiez« aufgewachsen ist und heute 58 Jahre alt ist, stellt sich zuletzt die Frage: Hat sie dann nie als Junger Pionier oder FDJ-Mitglied auf dem »Aufmarschplatz« gestanden? Als Fazit bleibt: Das Denkmal vom Sockel wegdenken zielt darauf, es vom Sockel zu stürzen.

Arndt Müller, Frankfurt am Main

Nie mehr zurück

Zu jW vom 18.11.: »Das Skandalon des Chores«

Die junge Welt gehört zu den wenigen Zeitungen, die über den aus Sangerhausen stammenden Künstler Einar Schleef berichten. Theater machen ist eine vergängliche Kunst, aber Schleef ist ja auch Maler, Fotograf, Buchautor gewesen. Nach seinem Tod 2001 wurde in seiner Heimatstadt der Einar-Schleef-Arbeitskreis gegründet, der sich bemüht, das Andenken an ihn zu erhalten. 2019, zum 75. Geburtstag, wurde eine Veranstaltung organisiert: »Happy Birthday, Einar« – Zeitzeugen erinnerten an ihn, es entstand danach eine Broschüre mit diesen Geschichten. Titel: »Hamsteressen in der Katharinenstraße«. In den Nachkriegsjahren wurde alles gegessen, heute würde man sich schon vom Geruch schütteln. Weitere geplante Unternehmungen fielen der Coronapandemie zum Opfer. Erst kürzlich konnte der Arbeitskreis seine Aktivitäten fortsetzen mit einem Bericht von Heiner Sylvester: Filme von und über Schleef. Unsere Veranstaltungen werden gut besucht, aber wie so viele Vereine haben wir Schwierigkeiten, jüngere Leute zu gewinnen. Hinzu kommt, dass das Verhältnis Schleefs zu seiner Heimatstadt schwierig war. Er ging als junger Mensch zum Studium weg und wollte »nie mehr zurück«.

Elvira Herrmann, Sangerhausen

Ohne Flecken

Zu jW vom 20./21.11.: »Aus Leserbriefen an die Redaktion«

Leserbriefschreiber Jean-François Maréchal führt die Verhaftung von Kommunisten in Frankreich zu Beginn des Zweiten Weltkriegs auf Misstrauen aufgrund des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakts zurück. Man könnte daraus schließen, die Sowjetunion sei schuld an dieser verständlichen Reaktion des französischen Staates. Wie aber kann ein Nichtangriffspakt Misstrauen erregen? Diese Frage stellt sich mir um so mehr, als Frankreich bereits vor der Sowjetunion einen Nichtangriffspakt mit Nazideutschland geschlossen hatte. Es ist sicher richtig, dass auf sowjetischer Seite nicht alles weiß war; aber wir müssen auch nicht schwarze Flecken suchen, wo keine sind.

Ralph Petroff, Schweinfurt

Bewusstsein erzeugen

Zu jW vom 22.11.: »Der versteckte Sozialismus«

Was ist »links«? »Links« ist ein Sammelsurium von fortschrittlichem Bürgertum und liberalen Menschen mit sozialem Gewissen. »Linkssein« ist Buchwissen ohne Klassenbewusstsein. »Linkssein« ist sich bedienen lassen, ohne die Bedienenden wahrzunehmen. »Linkssein« ist im Grunde genommen alles, nur nicht revolutionär und proletarisch. Die Arbeitswelt braucht keine »linke« Partei, die Arbeitswelt braucht eine revolutionäre Partei mit einer proletarischen Führung. Aber wenn man selbst nicht proletarisch ist und mit der Arbeitswelt kaum in Berührung kommt, kann man das nicht verstehen. Wir Arbeiter brauchen niemanden, der als Stellvertreter für uns kämpft und uns umsorgt. Wir wollen diese Dinge selbst erledigen. Wir wissen besser, was wir konkret benötigen und wie wir uns organisieren. Deshalb ist die »linke« Programmatik auch falsch, die sagt, wir müssen uns um die Interessen der Arbeiter kümmern. Uns begleiten ist o. k., aber stellvertretend für uns kämpfen ist kontraproduktiv. Ebenso ist das ständige Appellieren an unsere Einsicht und unseren Kampfwillen kontraproduktiv. Wir wissen selbst, was richtig und was falsch ist. Wenn die Arbeitswelt Euer »Zuhause« wäre, dann würdet Ihr vier konkrete Punkte erkennen, die es zu realisieren gilt: 1. Klassenbewusstsein herstellen – zu erkennen, dass ich zu den armen Schluckern gehöre, obwohl ich arbeite. 2. Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten herstellen. 3. Selbstbewusstsein erzeugen, als ein höherer Schritt des Selbstvertrauens – freies Reden, Diskutieren und Analysieren. 4. Führung übernehmen, das Erlernte und die Erfahrungen anwenden.

Manfred Guerth, Bauarbeiter, Hamburg

Linkssein ist alles, nur nicht revolutionär und proletarisch. Die Arbeitswelt braucht keine ›linke‹ Partei, sie braucht eine revolutionäre Partei mit einer proletarischen Führung.

Zeitung für das Recht auf Wohnen

Die junge Welt ist die einzige parteiunabhängige Tageszeitung, die Zeit Ihres Bestehens gegen Krieg und Faschismus angeschrieben hat. Wenn wir nun unseren 75. Geburtstag feiern, dann möchten wir das zusammen mit unseren Leserinnen und Lesern begehen.

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  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart ( 1. Dezember 2021 um 11:40 Uhr)
    Eine »Arbeiterklasse« im marxistischen Sinne, gibt es nicht mehr in Westen, wo der neoliberale Kapitalismus tobt. Ein intellektuelles »Geschwätz« über Begriffe und über ein nicht vorhandenes »Klassenbewusstsein« kann man sich also sparen. Eine von den »Arbeitern« ausgehende Revolution wird mindestens im Westen nie zu erwarten sein. Dringend notwendig wäre aber ein auf demokratischer Basis begründeter parlamentarischer »Sozialisierungsprozess«. Dies ist aber nur mit Zustimmung und mit aufklärerischer Einbeziehung der Eigeninteresse von Kapitalisten möglich. Denen musste man beibringen, dass sonst ihr heiliges Wirtschaftssystem nicht mehr funktionsfähig bleibt, wenn nicht eine gesunde, d. h. verhältnismäßig für alle Beteiligten vorteilhafte und sie mitberücksichtigende Geldkreislaufwirtschaft neugestaltet wird.
  • Leserbrief von Joachim Seider (26. November 2021 um 11:51 Uhr)
    Was für eine kraftvolle und kluge Wortmeldung von Manfred Guerth! Punktgenau und selbstbewusst seine Aussage, dass die Arbeiterklasse über die Kraft verfügt, ihre Interessen selbst zu vertreten. Nie hat die kleinbürgerliche Linke die Bedeutung der Marxschen Entdeckung verstanden, dass das Proletariat Träger jener Bewegung sein wird, aus der eine neue Gesellschaft wächst. In ihrer Unterschätzung der Arbeiterschaft wurzelt die heute herrschende Überheblichkeit all dem gegenüber, was man tun muss, um genau diese Fähigkeiten der Arbeiterklasse zu formen und weiterzuentwickeln. Dem Kleinbürger fällt solche Mühsal schwer. Denn dazu braucht es keine schwammige Rhetorik, sondern konkrete Taten. Dieses Tun kann man am besten dort lernen, wo es täglich praktiziert werden muss. Wenn man aber partout nicht lernen will, gibt es keinen gangbaren Weg in eine bessere Zukunft.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Manfred G. aus Hamburg Altona (30. November 2021 um 20:52 Uhr)
      Ich bin positiv überrascht, dass mein Kommentar eine kleine Diskussion in der jungen Welt ausgelöst hat. Dabei ist mir aufgefallen, dass sich bestimmte Argumente und Darstellungen, was uns Arbeitern als Klasse betrifft, ständig wiederholen. Dazu gehört das »Argument«: Wo bleibt denn eure Revolution? Oder: Ohne Wissen und Bücher gibt es kein Weiterkommen. Oder: Marx, Engels, Lenin waren bürgerlich. Oder: Arbeiter wählen faschistische Organisationen. Oder: wir Aktentaschen- und Laptopträger sind auch Arbeiter. Zunächst mal möchte ich sagen, dass wir Arbeiter ohne eine Arbeiterpartei absolut hilflos und schwach sind. Nur organisierte Gemeinsamkeit ist in der Lage, revolutionäre Kultur, Kunst und Ethik zu entfalten. Es gibt zwei Klassen, die Arbeiter- und die Bourgeoise-Klasse. Alle realen Konflikte und Widersprüche sind das Ergebnis dieser unversöhnlichen Klassen. Ein Machtwechsel der Klassen kann nur in einer objektiv revolutionären Situation geschehen. Wille und gute Absichten reichen nicht aus. Buchwissen kann eine objektiv revolutionäre Situation nicht erkennen. Buchwissen als Begleitung zur Bewusstseinsbildung ist o. k. Marx, Engels, Lenin nur auf Herkunft und gesellschaftlichen Status zu reduzieren ist absolut laienhaft. Die Arbeiterklassen ist in Schichten unterteilt. Es gibt eine Schicht die in der Bürokratie beschäftigt ist und sich gerne als Anführer der Arbeiterklasse darstellt. Das aber ist absolut falsch. Die Arbeiter, die produktiv arbeiten, benötigen ihre eigene Organisation und Führung. Deshalb ist es wichtig, dass wir als produktive Arbeiter unsere eigene Arbeiterpartei gründen. Nur wir selbst sind in der Lage, unsere Sachen richtig zu beurteilen und zu entscheiden. Warum wählen politisch unbewusste Arbeiter faschistische Organisationen? Ihr Bewusstsein wird von ihrer Tätigkeit in ihrer Arbeitswelt bestimmt. Handgriffe und Fertigkeit führen zu einem Ergebnis. Veränderung muss für sie »Hand und Fuß« haben, d. h. einfache Politik.
      • Leserbrief von Onlineabonnent/in Johannes W. aus Göttingen ( 1. Dezember 2021 um 12:18 Uhr)
        Ich halte die Zurückweisung der Argumente für ungenügend. Ihre »Widerlegung« der Notwendigkeit des »Bücherwissens«, dass es »objektive revolutionäre Situationen« nicht erkennen könnte, ist in soweit falsch, dass es ohne »Bücherwissen« sicher nicht möglich ist, irgendeine Situation – z. B. die Tagespolitik – richtig zu verstehen. »Bücherwissen« ist die Voraussetzung dafür, dass man sich die Oberflächenerscheinungen im Kapitalismus richtig erklären kann. Es ist auch nicht eine Begleitung zur Bewusstseinsbildung, es ist die Voraussetzung für Bewusstseinsbildung überhaupt. Wenigstens für eins, das sich seiner Klassenlage bewusst wird. Sie haben Verständnis für Ihre Kollegen, die rechts wählen, dabei sollten Sie sie kritisieren. Nicht nur dafür, dass sie rechts wählen, sondern auch dafür, dass sie überhaupt wählen. Weiterhin: Halten Sie dieses Gerede, dass Leute, die im Büro arbeiten, einen »Führungsanspruch« haben, für marxistisch? Für mich klingt das eher nach Küchentischpsychologie. Was Sie da zusammenzimmern, ist ein Proletkult und keine kommunistische Partei. Sie verstehen auch nicht, was Marx mit dem praktischen Bewusstsein meinte. Das praktische Bewusstsein sind die Notwendigkeiten der Arbeitswelt, denen sich die Arbeiter beugen müssen, dass bedeutet aber nicht, dass man sich am Feierabend keinen richtigen Gedanken dazu machen kann. Auch wenn die monotone Arbeit im Kapitalismus die »produktiven Arbeiter« geistig beschädigt, so bestände schon die Möglichkeit, sie nach Feierabend zu schulen. Ich weiß ja, dass es anstrengend gewesen ist, wenn man den ganzen Tag körperlich gearbeitet hat. Aber ohne revolutionäre Theorie …
        • Leserbrief von Onlineabonnent/in Manfred G. aus Hamburg Altona ( 1. Dezember 2021 um 21:59 Uhr)
          Ihre »Suppe« ist eine Buchstabensuppe, in der alle möglichen Sinnfetzen ungeordnet rumschwimmen. Das ist das »Schicksal« von »Aktentaschenträgern«, die sich die marxistische Theorien so zurechtzimmern, dass sie darin überleben können. Den Spruch »Ohne revolutionäre Theorie keine revolutionäre Praxis« benutzen sie, um ihre eigene Bedeutung und Unverzichtbarkeit hervorzuheben und ihren Führungsanspruch innerhalb der Linken zu legitimieren. Im Grunde genommen aber rechtfertigen sie nur die Herrschaft der Besitzenden. Ihre Schicht ist angefüllt von linken »Schauspielern«, die nach außen hin die Rolle von Allwissenden spielen und auf der Bühne des Lebens, wo es um Wahrheit und Gerechtigkeit geht, vom Sturm der Realitäten weggeweht werden. Das Kriterium der Wahrheit ist immer noch die Praxis. Für uns Arbeiter ist es die produktive Arbeitswelt, für die Bürokraten ist es deren Büro, für Studenten und Professoren ist es die Uni. Alle sind sie Teil des Kapitalismus. Die Kernfrage ist nur, wer hält die Gesellschaft am Leben, und wer hält den Kapitalismus am Leben?
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Johannes W. aus Göttingen (27. November 2021 um 00:05 Uhr)
      Herr Seider, was bezwecken Sie eigentlich damit sich beim Proletariat anzubiedern? Halten Sie die Proletarier für so dumm, das sie diese billige Tour, Sympathien zu erheischen nicht erkennen können? Was Sie faktisch anrichten, ist bestenfalls die Proletarier in ihren falschen Urteilen zu bestärken, dass sie mit ihrer Ablehnung von »Bücherwissen« sich einen Gefallen tun. Die meisten Linken sind übrigens keine »Kleinbürger«, dass ist eine ökonomische Figur und hat nichts damit zu tun, ob man mal etwas höhere Bildung genossen hat. Wenn diese höhere Bildung einen nicht in eine höhere Gehaltsklasse befördert, ist die Bezeichnung Kleinbürger verkehrt, obwohl sie von revisionistischen Parteien immer so benutzt wird.
      • Leserbrief von Udo Langerich aus Berlin (30. November 2021 um 23:20 Uhr)
        Herr W., Joachims Wortmeldung ist weder anbiedernd noch in der Absicht verfasst, irgend jemanden für dumm zu verkaufen. Was soll daran falsch sein, Sympathien in der Arbeiterklasse zu gewinnen, wo doch jeder weiß, wie wichtig dieses »emotionale Bindemittel« für den inneren Klassenzusammenhalt ist? Auch kann ich nichts über die Ablehnung von Bücherwissen als einer falschen »proletarischen Überzeugung« finden. Und schließlich, die Bezeichnung Kleinbürger ist eben nicht nur eine »ökonomische Figur«, sondern innerhalb der kapitalistischen Welt eine weitverbreitete – auch in der Arbeiterklasse – geistig-ideologische Grundhaltung, die freilich ihre Grundlage in den konkreten materiellen Lebensverhältnissen der Akteure hat. Ausgangspunkt der Besprechung war ja eigentlich die Wortmeldung des Manfred Guerth, die mich, das muss ich hier einmal sagen, außerordentlich beeindruckt hat. Diesen Text aus der Hand eines Arbeiters sollte man sehr genau lesen, denn er lässt nichts offen, was die Klasse heute bewegt. Man könnte fast sagen, es ist ein Manifest en miniature.
        • Leserbrief von Onlineabonnent/in Johannes W. ( 1. Dezember 2021 um 10:45 Uhr)
          Sorry, das ist Unsinn. Das Fabulieren von einer kleinbürgerlichen geistig-ideologischen Grundhaltung ist der Revisionismus der MLPD und hat mit Marx nichts zu tun. Das, was sie emotionales Bindemittel nennen, nenne ich weiterhin Anbiederei.
          • Leserbrief von Udo Langerich aus Berlin ( 1. Dezember 2021 um 16:37 Uhr)
            Herr W., Sie scheinen sich mit dem »Revisionismus« der MLPD besser auszukennen als mit Marx/Engels, sonst würden Sie nicht solche dummen Einschätzungen abgeben. Oder habe ich Sie auf Ihrem kleinbürgerlichen Fuß erwischt? Lesen Sie Quellen gründlich, zum Beispiel Engels »Anti-Düring«, da werden Sie zum Thema »Kleinbürger« fündig werden. Bis dahin viel Spaß beim Selbststudium!
      • Leserbrief von Onlineabonnent/in Joachim S. aus Berlin (29. November 2021 um 18:06 Uhr)
        Ich bin unter Arbeitern und Bauern groß geworden und habe dabei enorm viel von ihnen gelernt. Vielleicht kann ich gerade deshalb nicht ertragen, wenn man sie als tumbe Masse begreift. Wer die Universität des Lebens besucht hat, dem sollte man zuhören, statt ihn zu verspotten. Es mag sein, dass nicht alles druckreif ist, was da gesagt wird. Aber Weises lässt sich leichter finden, als man gemeinhin vermutet. Man muss es bloß finden wollen.
        • Leserbrief von Onlineabonnent/in Johannes W. aus Göttingen (29. November 2021 um 19:40 Uhr)
          Es geht nicht darum, die Arbeiter zu verspotten. Der marxistische Intellektuelle sollte den Arbeitern zwei Dinge erklären: a) wie ohnmächtig sie als Privatpersonen gegenüber Kapital und Staat dastehen, und b) dass diese aber von dem Dienst der Arbeiter abhängen, also das sie durchaus einen Hebel hätten, würden sie sich organisieren. Dazu muss der marxistische Intellektuelle sich aber vorher das entsprechende Wissen aneignen, damit er sowohl die Tagespolitik als auch den Kapitalismus überhaupt erklären kann. Ohne die Arbeiter zu erreichen, bleibt das ganze Unternehmen hoffnungslos, denn der Intellektuelle hat keinen Hebel. Aber ohne dass die Arbeiter den Marxismus beigebracht bekommen, bleiben ihnen die wahren Machtverhältnisse unbekannt, sie werden also ihre Kraft nicht nutzen um den Kapitalismus umzustürzen.
  • Leserbrief von Jean-François Maréchal aus Wegnez, Belgien (25. November 2021 um 11:36 Uhr)
    An Manfred Guerth: Nur Proletarier könnten Proletarier begreifen, verteidigen, vertreten … Viele Proletarier wählten und wählen heute noch faschistisch, ob in Frankreich oder in Deutschland. Hingegen stammten Engels, Marx und Lenin, um nur diese zu nennen, aus der Bourgeoisie. Ob Lebensstil oder Klasse: Bestimmend ist nicht der Lebensstil, sondern die Position im Produktionsprozess. Es gibt Proletarier, die »besser« leben als Selbständige. Wie kann man zu derartigen verallgemeinerten und falschen Schlüssen kommen?
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Johannes W. aus Göttingen (25. November 2021 um 01:12 Uhr)
    Manfred Guerth, wenn Sie und die anderen tollen Arbeiter so schlau sind, wo bleibt dann die Revolution? Die Arbeiter wissen doch angeblich laut ihrer Auskunft, wo der Hammer hängt, und brauchen sich nicht von Leuten mit »Bücherwissen« bevormunden zu lassen. Das haben die meisten Linken übrigens sowieso nicht, die wissen von Marx bestenfalls, dass er veraltet ist, weil seine Bücher nicht gegendert sind. Spreche ich in meinem Betrieb mit den dortigen Lohnarbeitern, kann ich kein Klassenbewusstsein erkennen. Die bringen es bestenfalls zu einem reaktionären »Geh mal arbeiten«-Spruch, wenn irgendwer das System der Lohnarbeit kritisiert. So ähnlich empfehlen Sie das ja auch – Sie unterstellen »Linken«, dass sie nicht arbeiten – als ob man sich der Arbeit im Kapitalimus einfach entziehen könnte. Das einzig Richtige an Ihrer Analyse ist, dass wir arme Schlucker sind. Ich empfehle aber mal, sich fehlendes »Bücherwissen« anzueignen, von einem Herrn Marx, anstatt stolz darauf zu sein, sich für das Kapital den Buckel krumzuschuften.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Joachim S. aus Berlin (26. November 2021 um 10:14 Uhr)
      Lieber Jean-François, man darf, will man exakt bleiben, gemeinsame Merkmale oder Eigenschaften einer Gruppe oder Klasse nicht verwechseln mit den Merkmalen oder Eigenschaften der Menschen, die zu ihr gehören. Und schon gar nicht sollte man aus dem Bild, das man sich von einzelnen macht, Wertungen über eine ganze Gruppe ableiten. Das hat etwas damit zu tun, dass das Ganze immer mehr ist als nur die Summe der einzelnen Elemente. Sie werden mir gewiss zustimmen, dass es hochintelligente Arbeiter gibt, aber auch völlig dämliche Intelligenzler. Aber es gibt eben auch Arbeiter, denen das Denken über die unmittelbare Tätigkeit hinaus außerordentlich schwerfällt. Und Intelligenzler, die hochkomplexe Zusammenhänge so zu erklären verstehen, dass ein jeder sie verstehen kann. Weder das eine noch das andere sollte man überinterpretieren. Es geht bei der Frage der Klasse um anderes: Wie ist die objektive Stellung zu den Produktionsmitteln? Und welche Konsequenzen ergeben sich letztlich daraus, dass die Angehörigen dieser Klasse die Folgen dieser Stellung tagtäglich erleben? Sie werden zugeben, dass man bei Streiks durchaus erleben kann, wie außerordentlich viele Menschen, so unterschiedlich sie auch sein mögen, ähnliche Vorstellungen entwickeln und ähnliche Schritte unternehmen. Das Bewusstsein, das das Handeln der Menschen in diesen Momenten prägt, ist etwas, in dem man die Keime von etwas Neuem spüren kann. Allerdings formt sich dieses Bewusstsein zur Alltagstauglichkeit nur selten im Selbstlauf. Es ist ein zartes Pflänzchen, das gefunden und dann mit aller Sorgfalt gehegt werden muss. Wenn man dieses Pflänzchen nicht zu sehen vermag, muss das nicht unbedingt an ihm selber liegen.