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Aus: Ausgabe vom 25.11.2021, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Energieriese

Milliardenauftrag aus Brasilien

Strategisch wichtiger Auftrag in Zeiten des Kahlschlags: Siemens Energy soll weiteres Gaskraftwerk im Hafen Porto do Açu bauen
Von Sebastian Edinger
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Der für Siemens wichtige Weltmarkt für große Gasturbinen ist zuletzt stark eingebrochen

Die angeschlagene Energiesparte der Siemens AG, Siemens Energy, erhält einen Großauftrag aus Brasilien. Im Bundesstaat Rio de Janeiro soll ein neues Gaskraftwerk gebaut werden, wie aus einer Konzernmitteilung vom Dienstag bekannt wurde. Auch für Betrieb und Wartung wäre Siemens Energy demnach langfristig zuständig. Der strategisch bedeutende Auftrag stärkt den Konzern inmitten eines großen Umbaus.

Geliefert werden soll laut Siemens Energy ein »schlüsselfertiges Gas- und Dampfturbinenkraftwerk für das integrierte LNG-to-Power-Projekt UTE GNA II«. Mit dem Bau im Hafen Porto do Açu sei bereits begonnen worden. Dort steht schon ein weiteres Siemens-Kraftwerk, das seit 2018 gebaut und im September dieses Jahres in Betrieb genommen wurde. Die neue Anlage soll eine Leistung von 1,7 Gigawatt bereitstellen. Zusammen würden die beiden Anlagen dann eine Leistung von drei Gigawatt liefern. Insgesamt sollen damit laut Siemens Energy 14 Millionen Haushalt mit aus importiertem Frackinggas erzeugter elektrischer Energie versorgt werden. Bei den Kraftwerken handle es sich um die »effizientesten thermischen Kraftwerke Lateinamerikas«, frohlockte der Konzern.

Insgesamt beläuft sich das Auftragsvolumen auf rund eine Milliarde Euro, von denen gut 700 Millionen an die im vergangenen Jahr ausgegliederte Siemens-Energiesparte gehen dürften. Aber nicht nur aus finanziellen Gründen freut sich die Unternehmensführung über den Zuschlag: Das Projekt sei »von strategischer Bedeutung, nicht nur aufgrund seiner Dimension, sondern auch wegen seiner geographischen Lage in der Nähe der beiden wichtigsten Gaspipelinesysteme im Nordosten und Südosten Brasiliens«, so Vorstandsmitglied Jochen Eickholt. Dort könnten weitere lukrative Geschäfte auf das in München ansässige Unternehmen warten.

Siemens Energy war im September 2020 im Rahmen eines allgemeinen Verschlankungs- und Ausgliederungskurses an die Börse gebracht worden. Der Mutterkonzern bewahrte sich jedoch als Hauptaktionär einen immensen Einfluss auf die abgespaltene Sparte. Der Aktienanteil der Siemens AG an der Energiesparte liegt bei circa 35 Prozent. Kurz nach der Ausgliederung war ein umfassendes Kahlschlagprogramm verkündet worden, das den Aktienkurs nach einem etwas holprigen Börsenstart rasch in die Höhe trieb. Weltweit sollten demnach fast 8.000 Arbeitsplätze vernichtet werden.

Mitte September wurde eine Einigung mit der IG Metall verkündet. Statt 3.000 sollen demnach in Deutschland weniger als 2.600 Arbeitsplätze wegfallen. Vor allem jene Standorte, an denen der größte Teil des Stellenabbaus erfolgen soll, würden von der Reduzierung profitieren, hieß es. Das betrifft die Produktionsstätten in Mülheim, Duisburg, Berlin, Erlangen und Görlitz. Der Unternehmensbeauftragte der Gewerkschaft hatte von »besonders harten Verhandlungen« gesprochen.

Klar ist, es wird in diesem Jahr schwer, die Erwartungen der Aktionäre zu erfüllen. Denn der für Siemens wichtige Weltmarkt für große Gasturbinen ist zuletzt stark eingebrochen. Schließlich sind in Zeiten der Energiewende eher dezentrale Lösungen gefragt, die auf regenerativen Energieträgern basieren. Zwar wird die Unternehmensführung nicht müde, für eine größere Rolle von Gas bei der Energiewende zu ­lobbyieren. Dennoch werden mittlerweile weltweit nur noch 80 Großturbinen pro Jahr gebaut. Vor einigen Jahren waren es noch 400. Da kommt der Großauftrag aus Brasilien gerade recht. Wichtig ist dabei auch der Zuschlag für Betrieb und Wartungsarbeiten, denn mit Serviceleistungen an bestehenden Anlagen macht der Konzern in Zeiten des schwachen Neuanlagengeschäfts einen großen Teil seiner Profite.

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