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Aus: Ausgabe vom 25.11.2021, Seite 3 / Schwerpunkt
»Fruchtbarer Halbmond«

Kampf um das Euphrat-Tigris-Becken

Zentrale Quelle für Energie und Wasserversorgung mehrerer Anrainerstaaten
Von Karin Leukefeld
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Derzeit sinkt der Wasserpegel des Assad-Stausees mit dem Tabka-Damm rapide (16.7.2018)

Der Wasserreichtum der großen Flüsse ließ seit dem 5. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung im »Fruchtbaren Halbmond« zwischen Ägypten und dem Persischen Golf die ersten Zivilisationen entstehen. Für den heutigen Wassermangel und die damit verbundene Not der Bevölkerung sind politische Akteure verantwortlich. Seit Jahrzehnten verwüsten sie in Konflikten und Kriegen um Macht und Kontrolle die Region, die sie beherrschen wollen.

Das Euphrat-Tigris-Becken zählt zu den am meisten umkämpften Wasserressourcen der Welt. Sechs Staaten sind auf die beiden Flüsse und ihre Nebenarme angewiesen: Laut der UN-Organisation für Nahrungsmittel und Landwirtschaft (FAO) die Türkei, Syrien, Irak, Iran, Jordanien und Saudi-Arabien. Die Türkei verfügt demnach über den größten Anteil des Wassers beider Flüsse – 40 Prozent des Tigris und mehr als 80 Prozent des Euphrat –, da beide Flüsse auf türkischem Territorium entspringen. Das versetzt Ankara in die Lage, die Wasserdurchlaufmenge zu den südlichen Anrainerstaaten zu bestimmen.

In den Jahren 1974 bis 2000 baute die Türkei entlang des Euphrats fünf große Staudämme (Keban, Karakaya, Atatürk, Birecik, Karkamis) und zwischen 1997 und 2018 entlang des Tigris drei: Dicle, Kralkizi und Ilisu. Insgesamt wurden im Rahmen des Südostanatolienprojekts in der Türkei 22 Staudämme und 19 Wasserkraftwerke errichtet. Syrien hat entlang des Euphrat drei gebaut: Tabka (1973), Baath (1986) und Tischrin (1999). Irak nutzte den Euphrat ebenfalls für drei Staudämme: Ramadi (1956), Falludscha (1985) und Haditha (1987). Im Norden des Landes entstanden am Tigris die Staudämme Samarra (1972) und Mossul (1986) sowie der Staudamm Dukan am Kleinen Zab, einem im nordwestiranischen Zagrosgebirge entspringenden Zufluss des Tigris.

Die Dämme sind für die Strom- und Wasserversorgung weiter Gebiete in den jeweiligen Ländern wichtig. In Syrien, das vor dem Krieg 2011 durch seine reichhaltige Agrarwirtschaft nicht nur die eigene Bevölkerung, sondern auch Libanon, Jordanien, Irak und selbst die arabischen Golfstaaten ernährte, ist das Wasser des Euphrats für die Bewässerung der Weizenfelder in Hasaka und den Baumwollanbau im Euphrattal wichtig. Darüber hinaus wurden die Städte und Provinzen Aleppo, Rakka, Hasaka und Deir Al-Sor mit Elektrizität und Trinkwasser versorgt. Der Assad-Stausee ist 80 Kilometer lang und durchschnittlich etwa neun Kilometer breit. Vor dem Krieg produzierte der dortige Tabka-Damm am östlichen Ende des Stausees mehr als 800 Megawatt Strom.

Euphrat und Tigris vereinen sich bei Kurna, einer Stadt im Südosten des Irak, zum Schatt Al-Arab, der südlich von Basra in den Persischen Golf mündet. Beide großen Ströme tragen zusammen mit dem Zufluss des Karche, der nördlich im Zagrosgebirge entspringt, wesentlich zu der besonderen Kulturlandschaft der südirakischen Sümpfe bei. Wird die Durchlaufmenge des Wassers in der Türkei gestoppt, wirkt sich das zusätzlich zu anderen Problemen aus.

Im Fall des umkämpften Euphrat-Tigris-Beckens kam es wiederholt zu Gesprächen zwischen der Türkei, Syrien und dem Irak. Vor allem Damaskus fühlte sich durch Ankara häufig geschädigt, weil die Durchlaufmenge des Euphrats beispielsweise durch die Auffüllung des Atatürk-Stausees auf türkischer Seite fast komplett gedrosselt wurde.

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