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Aus: Ausgabe vom 24.11.2021, Seite 12 / Thema
China

Das Prinzip Volksherrschaft

Arbeit, Frieden, Entwicklung – Gedanken zum 100. Gründungstag der KP Chinas
Von Yu Xiaoxuan
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Eine Beamtin der »ersten Ebene« der Armutsbekämpfung (r.) prüft Informationen über die Produktions- und Lebensbedingungen im Dorf Balu im Kreis Rongjiang (autonome Präfektur Qiandongnan Miao und Dong, südwestchinesische Provinz Guizhou, 16. November 2020)

Am 1. Juli wurde in der Volksrepublik der 100. Jahrestag der Gründung der KP Chinas begangen. Die Deutsche Kommunistische Partei (DKP), der Rotfuchs-Förderverein e. V. und der Deutsch-Chinesische Freundschaftsverein Ludwigsfelde e. V. würdigten das Jubiläum mit einer Festveranstaltung am 23. Oktober im ND-Gebäude in Berlin. Dort sprachen in Anwesenheit von rund 150 Gästen Yu Xiaoxuan, gesandte Botschaftsrätin der chinesischen Botschaft in der Bundesrepublik, Arnold Schölzel, Chefredakteur des Rotfuchs und jW-Autor, und Patrik Köbele, Vorsitzender der DKP. Die Reden von Schölzel und Köbele erschienen am 1. und 2. November an dieser Stelle. Der nachstehende Text ist die überarbeitete und stark gekürzte Fassung des Vortrags von Yu Xiaoxuan. Die Veranstaltung wurde per Livestream übertragen. Sie ist online abrufbar unter: kurzelinks.de/vqon (jW)

Zuerst möchte ich mich ganz herzlich beim Deutsch-Chinesischen Freundschaftsverein dafür bedanken, dass Sie den 100. Jahrestag der Gründung der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) zum Anlass genommen haben, die heutige Festveranstaltung auszurichten. Als Mitglied der KPCh freue ich mich persönlich sehr und bin stolz darauf, heute die 100jährige Geschichte der Partei mit Ihnen zu teilen.

In China haben wir dieses Jahr nicht nur zahlreiche Festveranstaltungen abgehalten, sondern auch eine Kampagne ins Leben gerufen, um das Studium der Parteigeschichte anzuregen. Am Vorabend des 100. Jahrestages der Parteigründung gab die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit des Zentralkomitees der KPCh das Dokument »Die historische Mission und die Werte der Kommunistischen Partei Chinas« heraus.

Dem Volk dienen

Aus dem erbitterten Kampf des chinesischen Volkes gegen die Feudalherrschaft und die ausländische Invasion sowie aus der Verbindung des Marxis­mus-Leninismus mit der chinesischen Arbeiterbewegung ist die KPCh hervorgegangen. Seit ihrer Gründung ist die Partei auf breiter Basis vertreten und repräsentiert nicht nur die chinesische Arbeiterklasse, sondern auch das ganze chinesische Volk. Die Partei hat weder eigene Sonderinteressen, noch vertritt sie Partikularinteressen einer mächtigen oder privilegierten Klasse. Sie kommt aus dem Volk und ist tief im Volk verwurzelt.

Vom Aufbau einer Gesellschaft mit bescheidenem Wohlstand, in der niemand zurückgelassen wird, bis hin zur Pandemiebekämpfung, bei der jeder Patient um jeden Preis gerettet wird, von den Erfolgen bei der Armutsbekämpfung und der Wiederbelebung des ländlichen Raums bis hin zur Förderung einer neuartigen Urbanisierung, in deren Mittelpunkt der Mensch steht, von der Vision »Klares Wasser und grüne Berge sind von unschätzbarem Wert« bis hin zu Maßnahmen wie »Häuser sind zum Wohnen da, nicht zur Spekulation«, von der Verhinderung der ungeordneten Kapitalexpansion bis hin zum gesicherten Gefühl der Gerechtigkeit in jedem Gerichtsverfahren, all das sind lebendige Beispiele, in denen den Menschen die Früchte der Entwicklung zuteil werden.

Nach dem Ausbruch der Coronapandemie bestand die KPCh darauf, dass der Mensch und das Menschenleben an erster Stelle stehen, und führte rasch die Behandlung der Patienten, umfassende Tests und Impfungen durch, wobei kein einziger Infizierter übersehen und kein einziger Patient aufgegeben wurde. Somit wurde die Sicherheit und Gesundheit der Menschen um jeden Preis gewahrt. Wir haben u. a. folgende Maßnahmen ergriffen: erstens, kostenlose Behandlung für Patienten. Die Kosten, die durch die medizinische Versorgung von Covid-19-Patienten entstehen, werden von der Regierung subventioniert, nachdem die medizinische Grundversicherung, die Hauptversicherung etc. gezahlt worden sind. Bis Ende Juni 2021 beliefen sich die landesweiten medizinischen Kosten für bestätigte stationäre Coronafälle auf insgesamt 2,837 Milliarden Renminbi (RMB, rund 392,5 Millionen Euro), wobei die Krankenversicherung 1,631 Milliarden RMB davon deckte. Die Kosten pro bestätigtem Fall betrugen etwa 20.000 RMB, wobei die Pro-Kopf-Behandlungskosten für schwerkranke Patienten 150.000 RMB überstiegen und die Versorgung einiger schwerkranker Patienten Hunderttausende bzw. sogar Millionen Renminbi kostete, die komplett vom Staat getragen wurde. Zweitens wurden in großem Umfang kostenlose Nukleinsäuretests und Impfungen durchgeführt. Bis zum 25. Juli 2021 hatten medizinische und Gesundheitseinrichtungen landesweit insgesamt über 2,2 Milliarden Coronatests gemacht und 1,5 Milliarden Impfdosen verabreicht, alles auf Kosten des Staates.

Um die Pandemie einzudämmen, hat die chinesische Regierung eine harte Antiviruspolitik durchgeführt. Es ist teuer, eine Strategie der Nullübertragung im Land zu verfolgen. Aber die Kosten wären höher, wenn wir das Virus ignorieren und es sich ausbreiten lassen. China wird weiterhin eine Null-Covid-Strategie verfolgen, da die weltweite Sterblichkeitsrate von zwei Prozent immer noch zu hoch ist. Impfschutz wird weiterhin vorangetrieben. Nach den statistischen Zahlen der chinesischen Gesundheitsbehörden wurden auf dem chinesischen Festland bis Mitte November 2,37 Milliarden Impfdosen gegen Covid-19 verabreicht, und fast 1,074 Milliarden Menschen sind vollständig geimpft.

Seit dem Ausbruch der Pandemie haben fast 400 Parteimitglieder und Funktionäre ihr Leben verloren. Dass die chinesischen Kommunisten seit der Revolutions- und Aufbauphase enorme Opfer für das Volk brachten, zeigt, dass sie sich mit ganzem Herzen für das Volk einsetzen. Von 1921 bis 1949 gab es mehr als 3,7 Millionen revolutionäre Märtyrer in der Partei. In der Zeit des Friedens und des Aufbaus waren die Mitglieder der Kommunistischen Partei überall dort präsent, wo es Schwierigkeiten und Gefahren gab, zum Beispiel bei dringenden und heiklen Aufgaben wie der Erdbebenhilfe, Hochwasserrettung und in anderen Notfällen. Im Kampf gegen die Armut kamen mehr als 1.800 Parteimitglieder ums Leben. Unter den Kommunisten, die für die Befreiung des Volkes ums Leben kamen, waren sowohl einfache Parteimitglieder als auch hochrangige Parteiführer sowie deren Familienangehörige und Verwandte. Genosse Mao Zedong z. B. hatte sechs Verwandte, die für die Revolution starben, fünf davon waren Mitglieder der Kommunistischen Partei.

Umfassende Beteiligung

Dem Volk zu dienen bedeutet vor allem, der Bevölkerung die Möglichkeit zu geben, ihren Willen einzubringen und damit eine Volksherrschaft zu etablieren. Während der Neudemokratischen Revolution (1919–1949) setzte die KPCh die politischen Ideen der Arbeiter- und Bauerndemokratie um, schuf demokratische Strukturen nach dem Vorbild der Sowjetunion aus Arbeiter-, Bauern- und Soldatenvertretern, eine Konsultationskonferenz verschiedener Klassen und einen Kongress bestehend aus Volksvertretern aller Gesellschaftsschichten. Nach Gründung der Volksrepublik China wurden die Staatsform der demokratischen Diktatur des Volkes und das Regierungssystem der Volkskongresse eingeführt. Seit der Reform und Öffnung (1978) hat die KPCh an der organischen Verbindung dreier Aspekte, nämlich Führung durch die Partei, Volkssouveränität und Rechtsstaatlichkeit, festgehalten und dadurch die Grundprinzipien der chinesischen sozialistischen Demokratie festgelegt.

Am 5. September 2014 hat Xi Jinping in seiner Rede auf der Konferenz zum 60. Jahrestag der Gründung des Nationalen Volkskongresses betont: »Ob das politische System eines Landes demokratisch und effizient ist, lässt sich am besten daran erkennen, ob die Nachfolge in der Staatsführung ordnungsgemäß und gesetzeskonform erfolgt, ob alle Menschen die staatlichen sowie die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Angelegenheiten im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen regeln, ob die Menschen ihre Forderungen ungehindert äußern und ob alle Bereiche der Gesellschaft wirksam an den politischen Angelegenheiten des Landes teilnehmen können, ob nationale Entscheidungen auf rationale und demokratische Weise getroffen werden, ob Fachleute aus allen Bereichen durch fairen Wettbewerb Teil der nationalen Führung und des Verwaltungssystems sein können, ob die Regierungspartei in Übereinstimmung mit der Verfassung und den Gesetzen als führende Kraft in den Staatsangelegenheiten fungiert und ob die Machtausübung einer wirksamen Beschränkung und Kontrolle unterliegt.«

Die KPCh legt großen Wert auf die »Demokratie des Volkes im ganzen Prozess«. Wenn ein Problem auftaucht, wird zuerst auf gemeinsame Beratungen gesetzt. Angelegenheiten, die viele Menschen betreffen, werden von allen Beteiligten diskutiert. Einen Konsens über die Wünsche und Bedürfnisse der gesamten Gesellschaft zu erreichen ist das Wesen der Volksdemokratie.

Bis April 2021 gab es mehr als 2,62 Millionen Delegierte in den Volkskongressen auf allen Ebenen, die aus allen ethnischen Gruppen, Branchen, Schichten und Parteien stammten, wobei eine beträchtliche Anzahl Arbeiter und Bauern waren. Bei den Neuwahlen der Volkskongresse auf Kreis- und Gemeindeebene in den letzten fünf Jahren wurden mehr als eine Milliarde Wähler registriert, fast 2,5 Millionen Delegierte wurden direkt in die Volkskongresse auf Kreis- und Gemeindeebene gewählt. Seit dem 18. Parteitag der KPCh (2012) wurden insgesamt 187 Gesetzentwürfe zur öffentlichen Konsultation gestellt, wobei etwa 1,1 Millionen Menschen mehr als drei Millionen Meinungen und Vorschläge einbrachten, wovon viele wichtige Vorschläge angenommen wurden. Während der Kodifizierung des Zivilgesetzbuches wurden zehn öffentliche Anhörungen durchgeführt, und es gingen mehr als 1,02 Millionen Stellungnahmen von 425.000 Bürgern ein.

Von März 2018 bis April 2021 hat die Politische Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes (PKKCV) insgesamt 23.049 Anträge erhalten. Im Zuge der Armutsbekämpfung beauftragte das Zen­tralkomitee der KPCh alle demokratischen Parteien mit der Aufsicht über die Maßnahmen im Rahmen der Armutsbekämpfung in den acht Provinzen in Zentral- und Westchina. Mehr als 36.000 Menschen aus demokratischen Parteien beteiligten sich daran.

Wohlstand sichern

Die Demokratie Chinas ist in der chinesischen Geschichte und Kultur verwurzelt. Sie steht im Einklang mit den tatsächlichen Gegebenheiten Chinas und wird vom chinesischen Volk unterstützt. Es gibt verschiedene Formen der Demokratie, und die beste ist die, die am besten zu einem Land passt. Demokratie ist ein gemeinsamer Wert der gesamten Menschheit und nicht von irgendeinem Land patentiert. Es gibt weltweit keine einheitliche Form der Demokratie. Entscheidend für die Beurteilung einer demokratischen Form ist, ob sie zur Geschichte und Kultur des Landes passt.

Dem Volk zu dienen bedeutet auch: den Menschen ein gutes Leben zu ermöglichen. Heute ist China zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt aufgestiegen, und seine Stärke und sein internationaler Einfluss haben erheblich zugenommen. Das Leben der Menschen hat sich deutlich verbessert. Absolute Armut wurde endgültig beseitigt, und die Chinesen führen ein Leben mit zunehmendem Wohlstand und einem wachsenden Gefühl des Wohlbefindens und der Sicherheit. Das Recht auf Leben und Entwicklung wird dabei wirksam geschützt. Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von mehr als 10.000 US-Dollar (etwa 8.900 Euro) gehört China nun zu den Volkswirtschaften mit mittlerem Einkommen und bemüht sich darum, ein Land mit hohem Einkommen zu werden. Die Kluft zwischen dem Lebensstandard der Stadt- und Landbevölkerung hat sich deutlich verringert. Die Mittelschicht Chinas macht nun 400 Millionen Menschen aus – das ist zahlenmäßig die größte der Welt. Die Beschäftigungslage ist im großen und ganzen stabil. Ende 2020 waren landesweit mehr als 750 Millionen Menschen erwerbstätig. China hat das größte Sozialversicherungssystem der Welt aufgebaut: Ende Juni 2021 waren gut eine Milliarde Menschen in der Grundrentenversicherung, 222 Millionen in der Arbeitslosenversicherung und 274 Millionen in der Arbeitsunfallversicherung versichert, und eine medizinische Grundversicherung haben mehr als 1,3 Milliarden Menschen. Das Sozialhilfesystem wird ständig optimiert und damit die Lebensgrundlage der Bedürftigen wirksam gesichert. In bezug auf die Betreuung von Kleinkindern, auf Bildung, Arbeit, Gesundheit, Altenpflege, Wohnungsbau und öffentliche Fürsorge konnten wir ebenso große Fortschritte verbuchen. Alle Bereiche des kulturellen und geistigen Lebens in China prosperieren und sind lebendiger denn je. Alles in allem leben und arbeiten die Menschen in Frieden und Zufriedenheit. China hat sich seit langem eine soziale Harmonie und Stabilität bewahrt und gehört bekanntlich zu den sichersten Ländern der Welt.

Auf dem Kongress zum 100. Jahrestag der Parteigründung erklärte Generalsekretär Xi Jinping feierlich: »Durch den unermüdlichen Kampf der gesamten Partei und der gesamten Nation haben wir das erste Jahrhundertziel erreicht, eine Gesellschaft mit bescheidenem Wohlstand auf chinesischem Boden aufgebaut und die absolute Armut historisch beseitigt. Nun marschieren wir mit Nachdruck auf das zweite Jahrhundertziel des Aufbaus eines modernen und starken sozialistischen Landes zu.«

Nach langen Bemühungen hat China beachtliche Entwicklungserfolge erzielt. Die grundlegende nationale Bedingung, dass sich China noch in der ersten Phase des Sozialismus befindet und dort auch noch lange Zeit bleiben wird, bleibt jedoch so unverändert wie Chinas internationaler Status als größtes Entwicklungsland der Welt. Um den Widerspruch zwischen dem wachsenden Bedürfnis der Menschen nach einem besseren Leben und einer unausgewogenen und unzureichenden Entwicklung aufzulösen und mehr als 1,4 Milliarden Menschen ein Leben in Wohlstand zu ermöglichen, ist noch ein langer Weg zurückzulegen. Hierfür bedarf es noch großer und mühsamer Anstrengungen.

Sozialismus chinesischer Prägung

Der Marxismus ist kein unveränderliches Dogma, sondern ein mächtiges ideologisches Werkzeug, um die Welt zu verstehen, die Gesetze zu begreifen, die Wahrheit zu suchen und die Welt zu verändern. In den vergangenen 100 Jahren hat die KPCh den Marxismus kontinuierlich vorangebracht und neue Horizonte des Marxismus erschlossen: die Mao-Zedong-Gedanken, die Deng-Xiaoping-Theorie, die Drei Repräsentanten, die Wissenschaftliche Entwicklungsperspektive und schließlich die Xi-Jinping-Gedanken zum Sozialismus chinesischer Prägung in der neuen Ära. All dies gilt als wissenschaftlich-theoretischer Kompass für die Partei und hat wichtige Beiträge zur Bereicherung des Marxismus geleistet.

Während der Neuen Demokratischen Revolution wollte die Partei zunächst, wie in der Sowjetunion, den Weg des Aufstands in den großen Städten gehen, aber die Praxis zeigte, dass dieser Weg nicht funktionierte. Durch die Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse und die Vertiefung des Verständnisses der tatsächlichen Verhältnisse im damaligen China fand die Partei einen eigenen Weg, nämlich vom Land aus die Städte zu umzingeln und die Macht mit Waffen zu ergreifen. Nach der Gründung der Volksrepublik konzentrierte sich die Partei zunächst darauf, von der Sowjetunion zu lernen. Aber mit dem sowjetischen Modell ließen sich die Probleme in China nicht lösen.

Das erste theoretische Ergebnis sind die Mao-Zedong-Ideen. Ihr Kern liegt in der Suche nach der Wahrheit in den Tatsachen, der Massenlinie sowie der Unabhängigkeit und Selbständigkeit. Der zweite historische Sprung in der Verbindung des Marxismus mit der chinesischen Realität brachte die Deng-Xiaoping-Theorie hervor. Deng sagte: »Um den Sozialismus in China aufzubauen, darf man weder das Buchwissen als Dogma betrachten noch ausländische Modelle blind übernehmen, sondern man muss die Praxis für das einzige Wahrheitskriterium halten, das Denken befreien, die Wahrheit in den Tatsachen suchen und einen Sozialismus chinesischer Prägung aufbauen.« Nach den Steinen tastend den Fluss zu überqueren ist ein bildhafter Vergleich dafür. Mit Xi Jinpings Ideen über den Sozialismus chinesischer Prägung in einer neuen Ära hat man die Fragen, welche Art von Sozialismus aufrechtzuerhalten und wie der Sozialismus chinesischer Prägung weiterzuentwickeln ist, wissenschaftlich beantwortet und damit einen weiteren Sprung bei der Sinisierung des Marxismus vollzogen.

China hat den Sozialismus erst vor gut sieben Jahrzehnten eingeführt. Unser Sozialismus befindet sich immer noch in der Anfangsphase, und unsere Kenntnis und unser Verständnis vom Sozialismus sind noch begrenzt. Die KPCh sieht sich immer noch mit vielen unklaren und ungelösten Problemen konfrontiert. Dafür vertiefen wir unser Verständnis im Umgang mit vielen wichtigen Fragestellungen. Wir werden uns weiter bemühen, den Sozialismus besser zu verstehen und weiterzuentwickeln.

Auf der Höhe der Zeit bleiben

Die Vitalität der KPCh beruht auch auf ihrer mutigen Selbstrevolution und insbesondere auf ihrer Fähigkeit, sich ihren eigenen Problemen zu stellen, für die Wahrheit einzutreten, ihre Fehler zu korrigieren und sich ständig selbst zu reflektieren. Es ist unmöglich, dass eine politische Partei immer fehlerfrei bleibt. Die KPCh hat eine gesunde Einstellung zu ihren eigenen Fehlern: Erstens hat sie den Mut, die Fehler zuzugeben. Zweitens analysiert sie die Fehler gründlich und drittens ist sie entschlossen, die Fehler zu korrigieren. Darin liegt die Vitalität der KPCh begründet. Die KPCh ist in der Lage, alle Phänomene, die den Fortschritt der Partei beeinträchtigen und ihre Reinheit schwächen, entschlossen zu bekämpfen.

Die KPCh korrigiert und modernisiert stetig die innerparteiliche Organisation. Während der Berichtigungsbewegung von der zweiten Jahreshälfte 1951 bis zum Frühjahr 1954 wurden 410.000 von insgesamt gut 6,5 Millionen Parteimitgliedern aus der Partei ausgeschlossen. Während der Berichtigungsbewegung von 1983 bis 1987 wurden fast 33.900 Personen aus der Partei ausgeschlossen, über 90.000 wurden nicht mehr als Parteimitglieder registriert, mehr als 145.000 von der Registrierung suspendiert und über 184.000 auf Bewährung gesetzt. Im Rahmen der von 1989 bis 1990 durchgeführten Umregistrierung wurden 3,75 Millionen Parteimitglieder in den zentralen und lokalen Einheiten umregistriert, wobei eine kleine Anzahl von unqualifizierten Parteimitgliedern ordnungsgemäß behandelt und Disziplinarmaßnahmen gegen diejenigen ergriffen wurden, die gegen die Regeln verstoßen hatten. Vom 18. Parteitag bis Mai 2021 behandelten die Disziplinaraufsichtsorgane landesweit mehr als vier Millionen Fälle, darunter 453 Funktionäre auf Vizeministerebene oder höher; insgesamt wurden mehr als drei Millionen Menschen disziplinarisch und politisch bestraft. Die Haltung der Partei bei der Bekämpfung der Korruption heißt: null Toleranz.

Beitrag zum Weltfrieden

Die KPCh setzt sich nicht nur für das Wohlergehen des chinesischen Volkes ein, sondern strebt auch nach dem Fortschritt der Menschheit. Sie hat stets die gemeinsamen Werte der gesamten Menschheit wie Frieden, Entwicklung, Gerechtigkeit, Demokratie und Freiheit im Blick behalten.

Seit der Gründung der VR haben die KPCh und die chinesische Regierung wichtige Konzepte wie die fünf Prinzipien der friedlichen Koexistenz, die unabhängige bündnisfreie Außenpolitik und den Aufbau einer harmonischen Welt mit dauerhaftem Frieden und gemeinsamem Wohlstand, den Aufbau einer Schicksalsgemeinschaft der Menschheit, den Aufbau neuartiger internationaler Beziehungen und die »Neue-Seidenstraßen-Initiative« (One Belt, One Road) vorgelegt.

Die KPCh bekennt sich nicht nur aufrichtig zur Wahrung des Weltfriedens, sondern hat ihren Worten auch Taten folgen lassen. Seit der Gründung der VR hat China weder Krieg noch Konflikt angestiftet und kein einziges Land angegriffen. China gehört zu den wichtigen Akteuren in Sachen internationale Rüstungskontrolle, Abrüstung und Nichtverbreitung. China entwickelt seine Beziehungen zu anderen Ländern nach wie vor im Geist der Partnerschaft und schafft ein von Stabilität und ausgewogener Entwicklung geprägtes Gefüge der Beziehungen zwischen Großstaaten.

Der KPCh liegt es auch am Herzen, eine gemeinsame Entwicklung zu realisieren. In bezug auf Entwicklung hält die KPCh immer daran fest, die Welt bei der eigenen Entwicklung mit einzubeziehen, und trägt bei der Erreichung eigener Ziele auch zur gemeinsamen Entwicklung der Weltgemeinschaft bei. Dass China sich langfristig stabilisiert und fortentwickelt, ist auch ein großer Beitrag für die ganze Welt. Die technologischen Innovationen Chinas erleichtern auch den Alltag der Menschen in anderen Ländern und geben der weltweiten Innovation und der Weltwirtschaft neue Impulse. Uns ist es gelungen, mit neun Prozent der weltweiten Ackerfläche fast 20 Prozent der Weltbevölkerung zu ernähren. Mit mehr Umweltschutz im eigenen Land gehört China zu den wichtigen Unterstützern der globalen nachhaltigen Entwicklung.

Seit dem Ausbruch der Pandemie Anfang 2020 hat China bei der globalen Pandemiebekämpfung eine aktive Rolle gespielt und internationale Organisationen und andere Länder nach Kräften unterstützt. Bis zum Juni 2021 hat China den Entwicklungsländern insgesamt zwei Milliarden US-Dollar zur Unterstützung der wirtschaftlichen Erholung bereitgestellt und über 290 Milliarden Masken, 3,5 Milliarden Schutzanzüge und 4,6 Milliarden Testkits an mehr als 150 Länder und 13 internationale Organisationen geliefert. 520 Millionen Dosen chinesischer Impfstoffe sind gut 100 Ländern und internationalen Organisationen zur Verfügung gestellt worden. Insgesamt haben wir 33 Expertengruppen als Verstärkung gegen die Pandemie in 31 Länder entsendet.

Mit Blick auf die Zukunft wird die KPCh über den Tellerrand schauen und die realistische Grundlage und die praktischen Erfordernisse des Marxismus in der jetzigen Welt umfassender betrachten. Zugleich wird sie darauf bestehen, die Grundprinzipien des Marxismus mit der Realität Chinas und der traditionellen chinesischen Kultur zu verbinden. Mit dem Marxismus wollen wir die Gegenwart besser beobachten, begreifen und meistern und uns damit in Richtung eines Marxismus des 21. Jahrhunderts bewegen.

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