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Aus: Ausgabe vom 24.11.2021, Seite 7 / Ausland
Zerstörter Hafen von Beirut

UNO gleichgültig

Hafenexplosion Beirut: Opferfamilien beschweren sich über fehlende Hilfe durch UN-Sekretär Guterres. Russland überreicht Satellitenbilder
Von Karin Leukefeld
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Angehörige der Opfer protestieren am 29. September vor dem Justizpalast in Beirut

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat sich am Montag mit seinem libanesischen Amtskollegen Abdullah Bou Habib in Moskau getroffen. Dabei überreichte Lawrow Bou Habib russische Satellitenaufnahmen von der Explosion im Hafen von Beirut. »Wir hoffen, sie werden dabei helfen, die Ursachen dieses Vorfalls aufzuklären«, so Lawrow. Das Thema werde im Libanon mit höchster Anspannung verfolgt, man hoffe, die Aufklärung könne zum Abschluss gebracht werden. Russland reagierte damit auf eine Anfrage des libanesischen Präsidenten Michel Aoun, wie der libanesische Sender LBCI am Montag berichtete. Die Aufnahmen seien von Roskosmos, der russischen Weltraumbehörde, zusammengestellt worden.

Bei der verheerenden Explosion von unsachgemäß gelagertem Ammoniumnitrat im Hafen von Beirut am 4. August vergangenen Jahres waren mindestens 218 Menschen getötet und mehr als 7.000 verletzt worden. 300.000 Menschen wurden obdachlos. Der materielle Schaden bis heute wird auf 15 Milliarden US-Dollar (etwa 13 Milliarden Euro) geschätzt.

Wiederholt hatten sich die Anwälte von Hunderten Opfern schriftlich an den UN-Generalsekretär António Guterres gewandt und die UNO gebeten, bei der Aufklärung der ­Katastrophe behilflich zu sein. Wie die BBC am Montag berichtete, hätten sich die Anwälte vergeblich darum bemüht, dass UN-Mitgliedstaaten vorhandene Satellitenaufnahmen von dem Tag der Explosion an die libanesischen Behörden übergeben. Außerdem wollten sie wissen, ob die Interimstruppe der Vereinten Nationen im Libanon (UNIFIL) das Schiff mit der mörderischen Fracht jemals überprüft habe. Die UN-Beobachtermission UNIFIL überwacht seit 1978 die südliche Grenze des Landes zu Israel. Nach dem Libanon-Krieg 2006 wurde das Mandat auf die libanesischen Küstengewässer ausgeweitet. Seitdem gehört es auch zur Aufgabe von UNIFIL, Schiffe auf mögliche Waffenlieferungen hin zu überprüfen.

Offenbar ist jedoch keines der Schreiben beantwortet worden. Was von Betroffenen teilweise als »Gleichgültigkeit gegenüber den Opfern« kritisiert wird, könnte auch an dem Druck einflussreicher UN-Mitgliedstaaten auf das Generalsekretariat liegen. Weder die USA noch die EU haben mit Satellitenbildern zur Aufklärung der Hafenexplosion beigetragen.

Der libanesische Nachrichtensender Al-Mayadeen strahlte unterdessen am Montag den ersten Teil einer zweiteiligen Dokumentation namens »Die aufgedeckte Wahrheit« aus, die sich mit den Umständen der Explosion beschäftigt. Die Doku suche Antworten auf die Fragen, wer die wahren Besitzer der Ladung seien und wer sie importiert habe, sagte Produzentin Shiraz Hayek. Sie nehme »niemanden ins Visier«.

Das Schiff »MV Rhosus« war 2013 aus dem Hafen Batumi in Georgien mit 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat aufgebrochen, das – je nach Zusammensetzung – sowohl als Düngemittel als auch als Sprengstoff eingesetzt werden kann. Die Ladung sollte ursprünglich nach Mosambik im Süden des afrikanischen Kontinents verschifft werden. Warum das Schiff überhaupt den Hafen von Beirut ansteuerte – der nicht auf seiner Route lag –, wird unterschiedlich dargestellt. Mal heißt es, die »Rhosus« sollte eine neue Ladung aufnehmen und dann weiterfahren, und mal, dass es technische Probleme gab und das Schiff deshalb in Beirut vor Anker gegangen und schließlich aus dem Verkehr gezogen worden sei.

Hinweis: In der vorherigen Version hieß es fälschlicherweise, dass es die Explosion in dem Schiff gegeben hat.

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