75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Gegründet 1947 Donnerstag, 20. Januar 2022, Nr. 16
Die junge Welt wird von 2602 GenossInnen herausgegeben
75 Ausgaben junge Welt für 75 € 75 Ausgaben junge Welt für 75 €
75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Aus: Ausgabe vom 20.11.2021, Seite 5 / Inland
Teuerung und Nullzinspolitik

Die EZB mauert

Zentralbank hält Inflation für vorübergehendes Phänomen
imago0141968556h.jpg
Elektroenergie, Erdgas und Treibstoffe verteuern sich am stärksten. Da helfen auch verlockende Angebote kaum

In der EU steigen die Inflationsraten. Waren und Dienstleistungen werden teurer, was – wie immer in solchen Situationen – Arme, Gering- und »Normal«-verdiener am deutlichsten zu spüren bekommen. Die von den EU-Eliten installierten »Währungshüter« der Europäischen Zentralbank (EZB) indes wiegeln ab. »Wir nehmen diese Phase der höheren Inflation nicht auf die leichte Schulter«, erklärte die Präsidentin der EZB, Christine Lagarde, am Freitag bei einem Frankfurter Bankenkongress gewohnt routiniert. Die Notenbank dürfe aber »angesichts vorübergehender oder angebotsbedingter Inflationsschocks nicht zu einer vorzeitigen Straffung der Geldpolitik übergehen«.

Klar ist, dass die EZB nicht an der Zinsschraube drehen will, weil sonst die hochverschuldeten EU-Staaten wegen der mit Nullzinspolitik betriebenen Insolvenzverschleppung in die Pleite schlittern könnten. Einen solchen Crash will Lagarde auch im Sinne des Finanzkapitals vermeiden. Nun feiert aber die Inflation auch bei den Spekulanten an den Börsen fröhliche Urständ. Die Aktienkurse klettern seit Monaten. Der Dax steigt und steigt auf immer neue Rekordstände – was den Shareholdern nur recht sein kann. Signifikant höhere Profite, die diese Börsenstände verständlich machten, gibt es indes kaum. Sie sind Resultate von Wetten, kein Ausdruck einer irgendwie auch noch »sozialen« Marktwirtschaft.

In Deutschland lagen die Verbraucherpreise im Oktober um 4,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Die Inflation in der größten EU-Volkswirtschaft ist damit so hoch wie zuletzt vor 28 Jahren. »Diese Inflation ist unerwünscht und schmerzhaft – und es gibt natürlich Bedenken, wie lange sie anhalten wird. Wir nehmen diese Sorgen sehr ernst und beobachten die Entwicklungen sorgfältig«, so Lagarde weiter.

Handeln will die frühere IWF-Exekutivdirektorin dennoch nicht. Ein Großteil des Inflationssprungs sei angeblich durch Sonderfaktoren zu erklären, die sich im kommenden Jahr wieder abschwächen sollen. Volkswirte und Banker warnen jedoch davor, die aktuelle Inflationsentwicklung zu unterschätzen. Und Kritiker werfen der EZB vor, mit dem billigen Geld die Inflation anzuheizen, die sie eigentlich im Zaum halten will. (dpa/jW)

Zeitung für Internationale Solidarität

Die junge Welt ist die einzige parteiunabhängige Tageszeitung, die zeit ihres Bestehens gegen Krieg und Faschismus angeschrieben hat. Wenn wir nun unseren 75. Geburtstag feiern, dann möchten wir das zusammen mit unseren Leserinnen und Lesern tun.

Um dieses Jubiläum entsprechend zu würdigen, hat die junge Welt die 75er-Aktion gestartet. Schenken Sie sich, Ihren Lieben und der jW 75 Ausgaben für 75 Euro. Danach endet das Abo automatisch und muss nicht abbestellt werden.