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Aus: Ausgabe vom 20.11.2021, Seite 5 / Inland
Arbeitskampf

Bosch legt die Axt an

Tausende Beschäftigte des Konzerns protestieren gegen Massenentlassungen und Werkschließungen
Von David Maiwald
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»Notfalls ketten wir uns an unsere Maschinen« – Freitag im thüringischen Arnstadt

Fäuste hoch gegen Personalabbau und Werkschließungen: An mehreren Standorten des Technologiekonzerns und Autozulieferers Bosch protestierten am Freitag Tausende Beschäftigte für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Die Gewerkschaft IG Metall hatte die Arbeiter in Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen zu einem Aktionstag aufgerufen. Während die Beschäftigten in Arnstadt und München gegen die Schließung ihrer Standorte kämpfen, stellen sich die Kolleginnen und Kollegen im badischen Bühl gegen den Abbau von Hunderten Arbeitsplätzen. Nach Angaben der IG Metall kamen bei den Protesten alleine in Bühl etwa 3.000 Beschäftigte zusammen. In München demonstrierten knapp 600 Arbeiter gegen die geplante Werkschließung, in Arnstadt etwa 300.

Bosch will die Axt anlegen. Trotz einer bestehenden Standortsicherung bis Ende 2022 plant der Konzern, das Werk in Arnstadt zum Jahresende zu schließen. Den 100 Beschäftigten in Thüringen geht es da wie den 250 Kollegen des Münchner Werks, das ebenfalls von Schließung bedroht ist. Die Fertigung soll von dort größtenteils nach Tschechien ausgelagert werden. Und das, obwohl der Betriebsrat laut IG Metall ein Konzept für den Erhalt des Standorts vorgelegt hat. Auch in Bühl sollen laut einer Mitteilung der Gewerkschaft von Freitag rund 1.000 Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden, Bosch behauptet dagegen laut dpa, »nur« rund 700 Vollzeitstellen abbauen zu wollen.

Die Automobilbranche stellt sich derzeit auf einen schrittweisen Wandel zur Elektromobilität ein. Das Münchner Werk produziert Kraftstoffpumpen und Einspritzventile für Diesel- oder Benzinmotoren. Die Beschäftigten wollen den Wandel mitgestalten. Der Betriebsratsvorsitzende Giuseppe Ciccone sagte am Freitag, im Werk könnten künftig Zukunftsprodukte gefertigt oder innovative Serviceleistungen erbracht werden. Er klang entschlossen: »Notfalls ketten wir uns an unsere Maschinen.«

Bei ihrer Forderung nach veränderter Produktion hatten die Beschäftigten im Münchner Stadtteil Berg am Laim zuletzt Unterstützung von Klimaschutzaktivisten erhalten. Laut einer Konzernsprecherin gebe es auch für die Beschäftigten in Arnstadt keine Arbeit mehr. Betroffene erhielten jedoch bis Ende 2022 ihr volles Gehalt, sagte sie laut dpa am Freitag. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Bosch Mobility Solutions, Frank Sell, erklärte, Bosch spalte die Belegschaft in »Gewinner und Verlierer des Strukturwandels«.

Strukturwandel hin oder her, die Verlagerung der Produktion in Billiglohnländer ziele einzig auf Gewinnmaximierung, sagte der IG-Metall-Bezirksleiter für Baden-Württemberg, Roman Zitzelsberger, in einer Mitteilung vom Freitag. Dies habe nichts mit Transformation zu tun. Dem pflichtete die stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion von Die Linke, Susanne Ferschl, in einer Mitteilung vom selben Tag bei. Die Abwanderung in Niedriglohnländer finde »unter dem Deckmantel der Transformation« statt, um Kosten zu reduzieren und den Profit zu maximieren, so Ferschl. Anstatt Tausende Existenzen zu gefährden, sei das Unternehmen jedoch in der Verantwortung, Standorte »zukunftsfest zu machen und Arbeitsplätze zu sichern«.

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