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Aus: Ausgabe vom 08.11.2021, Seite 8 / Ansichten

SPD-Funktionär des Tages: Nils Weiland

Von Nico Popp
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Mit ihm gibt es keine »kommunistische Gewaltherrschaft« in Hamburg: Nils Weiland

Kundige wissen, dass die Hamburger SPD seit 1914, als die lokalen Funktionäre und die Redakteure des Parteiblatts Hamburger Echo nahezu geschlossen auf »Vaterlandsverteidigung« umschulten, immer am rechten Rand der Partei zu Hause war. An dieser Tradition wird über alle Umbrüche hinweg zäh festgehalten. Am Sonnabend hat der Landesverband, in dem auch der mutmaßlich nächste Bundeskanzler Olaf Scholz groß geworden ist, einen neuen Vorsitzenden gewählt, dem laut dpa ein »älterer Delegierter« des Landesparteitages zurief: »Ich habe mich manchmal gefragt, warum du eigentlich in der SPD und nicht in der FDP bist.«

Der Mann, der für solche Irritationen sorgt, heißt Nils Weiland und ist, wie man so schön sagt, von Beruf »Wirtschaftsanwalt«. Mit Sozialsenatorin Melanie Leonhard, die bereits seit 2018 Landesvorsitzende ist, bildet er fortan eine Doppelspitze. Weiland möchte sich insbesondere um die Rückgewinnung von Wählern kümmern, die zur AfD und zur Linkspartei abgewandert sind. Er könne es nicht akzeptieren, dass »es in großer Zahl Menschen in dieser Stadt« gebe, die »keine kommunistische Gewaltherrschaft herbeisehnen«, aber dennoch die Linke wählten, sagte er in seiner Vorstellungsrede mit Blick auf die Partei, von der sich sogar konservative Politologen, die auf ihren Ruf achten, nicht mehr zu sagen trauen, sie habe etwas mit »kommunistischer Gewaltherrschaft« zu tun.

Keyvan Taheri, Landessprecher der Hamburger Linkspartei, reagierte am Sonntag empört: »Wer einen solchen Stuss faselt, hat möglicherweise sein Amt verfehlt.« Ganz mag man ihm da nicht zustimmen: Das mag Stuss sein, ist aber als Tauglichkeitsnachweis für höhere Funktionen in der SPD nahe am Goldstandard. Vor der Wahl Weilands hatte der Landesparteitag übrigens entschieden, nicht über einen Antrag der Jusos abzustimmen, in dem gefordert wurde, den 8. Mai als Tag der Befreiung vom Faschismus zum Feiertag zu machen.

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