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Aus: Ausgabe vom 03.11.2021, Seite 8 / Ansichten

Gerüchteküche des Tages: Washington Post

Von Reinhard Lauterbach
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Redaktionsgebäude der Washington Post

Das waren noch Zeiten, als Reporter der Washington Post echte Affären aufdeckten: den Vietnamkrieg als US-Provokation (»Pentagon Papers«) oder die illegalen Praktiken des Präsidentschaftskandidaten Richard Nixon (»Watergate«). Heute ist die Welt weiter. Was vor 50 oder 60 Jahren noch zum Skandal taugte, ist Normalität. Und so ernährt sich das Entlarvungseichhörnchen auch in Washington immer mühsamer.

Zum Beispiel mit einem Text über angebliche neuerliche russische Truppenbewegungen in der Nähe der Ukraine. Diese, so zitierte die Zeitung am Sonnabend »einige Offizielle in den USA und in Europa«, die sich aber Anonymität vorbehalten hätten, machten »Sorgen«. Obwohl: »What the Russian forces gathering near the Ukrainian border are doing is unclear.« Was die Russen da nahe der ukrainischen Grenze trieben, sei unklar. Pilze suchen vielleicht?

Das westlich finanzierte Kiewer Portal hromadske.tv setzte am Sonntag noch einen drauf und zitierte einen US-Experten namens Michael Kofman mit den Worten, es falle auf, dass Russland seine Truppen nach dem kürzlichen Großmanöver »Sapad-21« nicht »nach Sibirien zurückgezogen habe«. Aber selbst Kofman ruderte anschließend auf Twitter zurück: Er habe nicht sagen wollen, dass eine russische Offensive auf die Ukraine bevorstehe.

Der russischen Wochenzeitung Argumenty i fakty blieb es am Dienstag vorbehalten, die als Beleg angeführten Satellitenbilder online zu analysieren. Demnach zeigen sie ein Militärlager in der Stadt Jelnja, knapp 1.000 Kilometer vom Donbass entfernt. Das Blatt fragte, ob aus der eingestandenen Tatsache, dass 46 Kilometer vor Brest ganz offiziell etwa 350 polnische Panzer stationiert seien, jetzt gefolgert werden dürfe, ein polnischer Angriff auf Belarus stehe unmittelbar bevor. Typische Kremldesinformation.

Zeitung gegen Profite mit der Gesundheit

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  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart ( 3. November 2021 um 13:20 Uhr)
    Stimmt vollkommen: Mühsam ernährt sich generell der heutige Journalismus. Übrigens und nicht ganz überraschend berichten alle Zeitungen fälschlicherweise über dasselbe Thema auf ähnliche Weise. So berichtet die NZZ in ihre heutigen Ausgabe: Videos in sozialen Netzwerken zeigen Truppenbewegungen unweit der Ukraine. Ist es Zufall? Es kann eindeutig nicht sein! Desinformationen, bewusst falsche Informationen zum Zwecke der Täuschung, werden gerade vom immer sensationshungrigen Journalismus als politische Kampfmittel heimlich zugelassen. Statt gesicherte Nachrichten zu verbreiten und diese vielschichtig zu kommentieren, wird immer mehr politisches Meinungsgeschwätz verbreitet, aber es werden, keineswegs überraschend, immer weniger Zeitungen verkauft. Und so ernährt sich das Möchtegern-Entlarvungseichhörnchen auch in Washington immer mühsamer. Aber das ist längst keine Entlarvung mehr und vor allem kaum lesenswert!

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