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Aus: Ausgabe vom 02.11.2021, Seite 2 / Inland
Arbeitskampf

Neue Streiks bei Amazon

Verdi ruft Beschäftigte an sieben Standorten zum Ausstand für Tarifvertrag auf
Von Oliver Rast
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Nicht einfach, massenhafte Arbeitsniederlegungen in der Coronakrise (Leipzig, 26.11.2020)

Sie lassen nicht locker, organisieren beinahe periodisch Streikaktionen für einen Tarifvertrag – Verdi und Teile der Belegschaften an deutschen Standorten des Internetgiganten Amazon. Die Dienstleistungsgewerkschaft rief am Sonntag abend Beschäftigte an insgesamt sieben Versandzentren zum Ausstand auf. Mit Beginn der Nachtschicht zum Montag zunächst in Leipzig und in Bad Hersfeld. Mit der ersten Arbeitsschicht in der Nacht auf Dienstag folgten Kollegen aus den Amazon-Drehscheiben in Werne, Rheinberg, Koblenz und Graben.

Verdi verlangt von Amazon, die Entgelterhöhungen der in den vergangenen Wochen erzielten Tarifabschlüsse im Einzel- und Versandhandel »umgehend« an die Amazon-Beschäftigten weiterzugeben. »Es kann nicht angehen, dass sich ein milliardenschwerer, multinationaler Konzern dumm und dusselig verdient und sich dennoch weigert, den Beschäftigten die Lohnsteigerungen zukommen zu lassen, die andere Branchenunternehmen zahlen«, wird Orhan Akman, Verdi-Bundesfachgruppenleiter für den Einzel- und Versandhandel, in einer am Montag morgen verbreiteten Mitteilung zitiert.

Exakt das verweigert der Onlineriese. Die Unternehmensspitze behauptet hartnäckig, die Tätigkeiten im Versand seien nicht dem Handel, sondern der Logistik zuzurechnen. Deshalb orientiere man sich auch an niedrigeren Entgelten, die in diesem Sektor üblich seien. Außerdem habe Amazon seinen Beschäftigten erst im Sommer des Jahres ein 2,5prozentiges Lohnplus gewährt, was mindestens einen Bruttolohn von zwölf Euro pro Stunde bedeute, sagte ein Amazon-Sprecher am Montag auf jW-Anfrage. Kurz: »Eine exzellente Bezahlung.«

Es sei dieser Hochmut der Bosse, der Kolleginnen und Kollegen »ankotzt«, sagte hingegen Ronny Streich, zuständiger Verdi-Gewerkschaftssekretär in Leipzig, gleichentags im jW-Gespräch. »Wir haben hier eine stabile Aktivengruppe und eine Belegschaft, die in den vergangenen Jahren streikbereiter geworden ist.« Und klar sei, der Kampf um die Anerkennung des Flächentarifvertrags im Handel sowie der Abschluss eines Tarifvertrags für gute und gesunde Arbeit bleiben die Ziele – Streich: »Drunter geht’s nicht.« Seine Verdi-Kollegin Mechthild Middeke, verantwortlich für den Doppelstandort in Bad Hersfeld, betonte gegenüber dieser Zeitung ferner: »Unser Dauerkonflikt mit Amazon hat einen Symbolcharakter für die ganze Branche.« Einknicken? Undenkbar.

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