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Aus: Ausgabe vom 25.10.2021, Seite 11 / Feuilleton
Buchmesse

Viel Platz, wenig Programm

Eindrücke von der Frankfurter Buchmesse
Von Fabian Linder
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Viel Platz zwischen den Ständen: Frankfurter Buchmesse im Pandemiejahr 2021

Letztes Jahr war sie ausgefallen, dieses Jahr gab es sie wieder: die Frankfurter Buchmesse. Freilich in abgespeckter Form mit rund einem Drittel weniger Ständen. Für den Samstag – traditionell besucherstärkster Tag – waren immerhin alle 25.000 Tickets verkauft worden. Davon gemerkt hat man allerdings wenig. Die Stände waren insgesamt auf Abstand gerückt, die Laufwege weiter, viele Kleinverlage fehlten. Kaum Gedränge.

Da es weniger Verlage gab, reduzierte sich auch das kulturelle Veranstaltungsprogramm, Lesungen, Buchbesprechungen etc. Hier und dort wurde aber schon diskutiert. Etwa über den rechten Jungeuropa-Verlag, der sehr zentral neben der ZDF-Bühne stehen durfte. Die afrodeutsche Comedy- und Buchautorin Jasmina Kuhnke hatte denn auch einen für Freitag geplanten Auftritt aus Angst um ihre Sicherheit prompt abgesagt.

Der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller, der den neurechten Verlag zum Nachbarn hatte, organisierte kurzerhand die Lesung »Worte gegen rechts«. Mit dabei Leander Sukov, Carola Wolff und Sven J. Olsson. Die Schriftsteller waren sich einig, was die Rechten betraf: Wer solche Weltanschauungen vertrete, habe auf der Buchmesse nichts verloren.

Auf der Bühne nahe dem rechten Verlag stellte die österreichische Autorin Eva Menasse ihren Roman »Dunkelblum« vor. Sie behandelt darin die Geschichte einer österreichischen Kleinstadt, in der das Schweigen der Einwohner die Aufarbeitung und Erinnerung an die Ermordung von 180 jüdischen Zwangsarbeitern im Jahr 1945 verhindert. Bis heute blieben die Täter im unklaren und das Massengrab unentdeckt.

An anderer Stelle, beim Vorwärts-Verlag, sprachen die Schriftstellerin Esther Dischereit und der SPD-Politiker Armand Zorn über das Attentat von Halle. Dischereit rückte die Rolle der Betroffenen im Gerichtsprozess in den Mittelpunkt. Die Nebenklage sei wichtig gewesen für die Aufarbeitung und den Umgang mit Rechtsextremismus und Antisemitismus in Deutschland.

Diskutiert wurde nicht zuletzt über das neue Buch des Soziologen Steffen Mau. In »Sortiermaschinen« schreibt Mau über die Rolle der Grenze im 21. Jahrhundert. Darin äußert er auch eine Kritik an globalen Ungleichheiten und wie sie durch gut gesicherte Grenzen manifestiert werden. Mit Blick auf das europäische Grenzregime im Mittelmeer warf Mau der EU unterlassene Hilfeleistung in Tausenden Fällen vor.

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