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Aus: Ausgabe vom 23.10.2021, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Gaufres de Bruxelles

Von Maxi Wunder

Krisensitzung in der Plauener Kommune. Anlass ist eine heftige Auseinandersetzung, die letztes Wochenende zwischen den Liebesleuten Doris und Udo über Frontex entbrannte, jene europäische »Grenzschutzagentur«, von der Doris noch nicht wusste, dass sie ein »staatlich subventionierter Scheißverein mit seitenlangem Strafregister« ist, wie Udo ihr unmissverständlich erklärte, nachdem sie ihn aufgefordert hatte, sich ausgerechnet bei Frontex zu bewerben, um seiner Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken. Auch habe sie sich – wie sie nun gesteht – schon immer einen Mann in Uniform gewünscht. »Udo könnte doch der Heilsarmee beitreten«, schlage ich launig vor, aber er schaut mich nur an, als wolle er sagen: Bemüh dich nicht, es ist hoffnungslos.

»Hoffnungslos« ist ein Konzept, das Roswitha unbekannt ist, sie bekämpft Probleme mit Fakten, manchmal bis zur Schmerzgrenze. »So, Doris, jetzt schauen wir uns mal die Stellenangebote bei Frontex an.« Sie startet ihren Laptop und öffnet die Frontex-Webseite. »Die wollen ihr Personal verdreizehnfachen, sagtest du? Jobs in der Ägäis? Alles, was ich unter ›Career‹ finden kann, ist ein Praktikum an der polnischen Grenze, Voraussetzung: Bachelorstudium im Fach ›Strafverfolgung‹. Vergütung ca. 720 Euro monatlich. Bitte sehr!« Sie hält Doris den Bildschirm hin. »Tatsache. Nee, Udo, das ist nichts für dich«, bekennt Doris kleinlaut. Rossi empfiehlt den beiden, eine Versöhnungsreise zu unternehmen, mitten ins Herz der EU, nach Brüssel. Denn: »Reisen bildet!«

Gaufres de Bruxelles:

170 g Butter mit 40 g Puderzucker, einer Messerspitze Vanillemark und 30 g Marzipan in einer Küchenmaschine dickschaumig aufschlagen. Vier Eier einzeln zugeben und unterschlagen. 70 g Crème fraîche und ½ TL Salz unterschlagen, zuletzt 170 g Mehl zugeben und kurz unterrühren. Den Teig mit einer Kelle in ein Waffeleisen geben und bei geschlossenem Deckel zu goldbraunen Waffeln verarbeiten. Ein Glas Kirschen in einem Sieb abgießen, den Saft dabei auffangen. Einen EL Speisestärke mit drei Esslöffeln Kirschsaft verrühren. Den restlichen Saft mit 30 g Zucker und mit dem Saft einer halben Zitrone in einem Topf aufkochen. Kirschsaft mit der angerührten Speisestärke abbinden, Kirschen zugeben und kurz darin erwärmen. Vom Herd nehmen und in eine Schüssel füllen. 200 g Schlagsahne in einen hohen Mixbecher geben und mit dem Schneebesen eines Handrührers steif schlagen. 30 g Puderzucker zugeben und kurz unterschlagen. Die Waffeln auf Teller verteilen und mit etwas Puderzucker bestäuben. Die heißen Kirschen mit der Schlagsahne dazu reichen.

»Ein Gedicht, diese arabische Speise«, schwärmt Doris. Sie sitzt mit Udo auf der Terrasse eines Imbisses mit Blick auf die Kathedraal unweit des Grote Markt in Brüssel. »Das ist ein belgisches Dessert, Dorle«, erklärt Udo geduldig, »typisch belgisch sogar.« – »Aber die Betreiber sind Araber, nicht?« Doris hält Ausschau nach der Bedienung. Sie möchte noch eine Waffel mit Schokoladensauce. »Und sone will Frontex nicht reinlassen? Die spinnen wohl. Kann man einsparen, die Behörde.« Es ist wahr: Reisen bildet.

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