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Kunst

Venus strippt

Wien zieht blank. Seit einigen Tagen hat die Stadtmarketingorganisation Wien-Tourismus einen Account bei der Onlineplattform Only Fans, die vor allem für Nacktbilder und halbprofessionelle pornographische Inhalte bekannt ist. Wer den Kanal abonniert, bekommt Kunstwerke mit Aktdarstellungen zu sehen, die von anderen Plattformen verbannt wurden. Hintergrund sind anhaltende Probleme der Wiener Museen, die Bilder bei sozialen Netzwerken zu präsentieren, die Nacktdarstellungen verbieten. So war im Juli der Tik-Tok-­Account des Albertina-Museums gesperrt worden, weil über diesen Arbeiten des japanischen Fotografen No­buyoshi Araki verbreitet worden waren, auf denen nackte weibliche Brüste zu sehen sind. 2019 hatte Instagram Gemälde von Peter Paul Rubens zensiert, im Jahr zuvor war gar die ca. 30.000 Jahre alte Venus von Willendorf von Facebook als »pornographisch« eingestuft worden. Mit der Aktion »Vienna strips on Only Fans« will Wien-Tourismus nach eigenen Angaben »die Freiheit der Kunst in den Fokus einer gesellschaftskritischen Debatte stellen«. (jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 18.10.2021, Seite 10, Feuilleton

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  • E. Rasmus 18. Okt. 2021 um 11:02 Uhr
    »2019 hatte Instagram Gemälde von Peter Paul Rubens zensiert, im Jahr zuvor war gar die ca. 30.000 Jahre alte Venus von Willendorf von Facebook als ›pornographisch‹ eingestuft worden.« Erstaunlich. Die Steinzeitmenschen waren also höchst unmoralisch. Erst das Kapital als Verhältnis mit seinen finanziell digitalen Formen und Inhalten offenbart in Vollendung die personifizierte Moral. Dazu gehören Blackroc“ oder Rheinmetall, Bayer, Amazon, Tesla oder Deutsche Wohnen, die für die Hochhaltung der Menschenrechte zu jeder Stunde ihrer Strategie und Taktik gehaltvoll und nachhaltig stehen.
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