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Aus: Ausgabe vom 15.10.2021, Seite 8 / Ansichten

Unverstandener des Tages: Matthias Höhn

Von Michael Merz
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Matthias Höhn

Hach, der Matze wieder. Immer wird er missverstanden, immer muss er sich rechtfertigen. Das muss schon 1994 so gewesen sein, als er zum Kriegsdienst in die Kaserne einrückte und sich die Kameraden gefragt haben, warum denn so einer nicht Zivi geworden ist. Als PDS-Mitglied wäre das ja naheliegend. Aber nee, der Matze eben. Will Landser und Linker gleichzeitig sein.

Großer Sprung in den Januar 2021: Matthias Höhn wähnte die Zeit für gekommen, schließlich hatte er sich Jahre in der Mühle Karl-Liebknecht-Haus gequält. Nun konnte es kommen, sein neues außen- und sicherheitspolitisches Programm für Die Linke – » das generelle Nein zu Peacekeepingmissionen überwinden«, fasste es Kamerad Höhn gegenüber der Taz zusammen. Frieden schaffen mit Waffen. Klasse Idee. Nur hat Olaf Scholz schon vor der Wahl die Runzelstirn ausgepackt, die sich zum Nulltarif anbietenden Genossen vor den Kopf gestoßen. Und potentielle Linke-Wähler haben’s letztlich erst recht nicht verstanden.

Jetzt, wo nichts mehr zu verlieren ist, geht er in die vollen. In Berlin wurde der Zapfen gestrichen, und Matze gibt Twitter Futter: Es sei absurd, »die Würdigung der Soldat*innen heute in Berlin in Verbindung zu setzen mit den schrecklichsten Zeiten deutscher Geschichte«. Ist ja auch äußerst weit hergeholt: Fackeln, Reichstag, Weltkriegskarabiner, schwarze Uniformen, Frakturschrift, Kasernenhofgebrüll – wie kann man da nur Analogien zu dieser »schrecklichen Zeit« sehen?! Nur der Twitter-Pöbel hat es nicht gecheckt, wagte es, den Peacekeeper zu kritisieren. Höhn strich kurzerhand die Segel und verkündete: »Ich habe meinen Tweet zum Zapfenstreich gelöscht. Es ist ernüchternd, welche politischen und charakterlichen Attribute einem aufgrund einer solchen Äußerung so verpasst werden.« Konsequent links werden sie ihn wohl nicht genannt haben.

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