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Aus: Ausgabe vom 14.10.2021, Seite 16 / Sport
Weltfußball

Spieler des ­Jahrhunderts

Zum 80. Geburtstag des genialen Fußballers Peter Ducke
Von Thomas Behlert
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Nach langer Verletzungspause bei der WM ›74 lediglich Ersatzspieler: Peter Ducke (Bildmitte) nach dem Gruppenspiel der DDR gegen Australien (Hamburg, 14.6.1974)

Was hat die Stadt Jena nicht alles mit dem Fußballspieler Peter Ducke erlebt: Beinbruch 1966 in Mexiko, das mühsame, dann triumphale Comeback, die unvergesslichen Spiele 1970 gegen Ajax Amsterdam, wunderbare Hattricks, Pokalsiege gegen Dynamo-Mannschaften, 207 Tore in 466 Spielen, DDR-Meisterschaften, 68 A-Länderspiele mit 15 Toren, Bronzegewinner mit der DDR bei den Olympischen Spielen 1972 in München, Torschützenkönig, Fußballer des Jahres und die Wahl zum »Sportler des Jahrhunderts« in Jena. Und als einziger Ostdeutscher kam er 2000 bei einer Umfrage des Fußballmagazins Kicker unter deutschen Sportjournalisten in der Rubrik »Spieler des Jahrhunderts« unter die besten zehn. Sogar Werder Bremen wollte ihn abwerben. Der Regionalligist Carl Zeiss Jena, wie auch Werder, wären froh, wenn sie im Moment einen solchen Spieler in ihren Reihen hätten.

Gleich ein Tor

Peter Ducke kam im Sudetenland, in der Nähe des heutigen Decin, auf die Welt. Nach Kriegsende landete die Familie Ducke schließlich in Schönebeck, wo die Brüder bei Chemie anfingen, Fußball zu spielen.

Ende der 50er Jahre verpflichteten die Jenaer Peter Ducke, dessen Bruder Roland bereits für sie spielte. Georg Buschner und Funktionäre der BSG Motor (später Carl Zeiss Jena) beknieten die Eltern, damit sie Peter nach Thüringen ziehen ließen, obwohl man ihn beim ersten Vorspielen noch abgelehnt hatte. Er wurde Halbprofi und musste sich noch von acht Uhr bis zwölf Uhr im Jenaer Werk sehen lassen. Am 30. Oktober 1960 durfte Ducke erstmals das Nationaltrikot der DDR-Nationalmannschaft tragen und schoss auch gleich ein Tor.

Nachdem Buschner die Nationalmannschaft übernommen hatte, kam Hans Meyer. Als dieser mal gefragt wurde, ob er nicht gerne Weltstars hätte trainieren wollen, antwortete er: »Junger Mensch, ich hab’s in Jena doch gehabt, Peter Ducke!« Nach Anfangsschwierigkeiten wusste Meyer, der bereits als Assistenztrainer beim Sonnengott des DDR-Fußballs (Buschner) agierte, wie er Ducke zu nehmen hatte. Trotzdem bekam der eine Sperre von zehn Wochen Saisonspielzeit, weil er sich in einem FDGB-Pokalspiel über einen zweifelhaften Elfmeter für den 1. FC Magdeburg (auch mal: SC Aufbau) aufregte. Ducke rief voller Zorn: »Den Scheißpokal könnt ihr selber behalten.«

Der Rest ist bekannt

Begeistert waren die Ducke-Brüder vom DDR-Trainer, der die Nationalmannschaft als Sportwissenschaftler mit Gymnastik und Akrobatik auf Beweglichkeit und Schnelligkeit trainierte. Dadurch spielte Peter Ducke technisch beschlagen, athletisch, schnell, eben einen schön anzusehenden Fußball. Bei einem Freundschaftsspiel der DDR-Auswahl gegen Sparta Prag bei einem inoffiziellen Turnier in Mexiko-Stadt 1966 brach sich Peter Ducke Schien- und Wadenbein. Die Rehabilitation dauerte vierzehn Monate. Danach meinte Meyer, dass Ducke hinkend immer noch besser sei als die meisten anderen Fußballer. 1974 erlitt er in einem Spiel gegen den BFC Dynamo wieder eine schwere Verletzung: Meniskus- und Innenbandschaden. Trotzdem arbeitete er sich wieder an die Spitze heran und fuhr sogar mit zur WM 74. Als Ersatzspieler. Im Spiel gegen die BRD ließ Buschner ihn draußen und setzte Jürgen Sparwasser ein. Der Rest ist bekannt.

Anfang der 1980er Jahre arbeitete Peter Ducke als Jugendtrainer beim Jenaer Verein und wurde nach Besuch aus dem Westen in den Landkreis verbannt, wo er sich zum Sportlehrer qualifizierte. Leider hat Peter Ducke mit seinem Heimatverein nicht mehr viel im Sinn, obwohl er diesen in der Welt bekannt gemacht hatte. Wenn er im Stadion auftaucht, werden die Verantwortlichen misstrauisch. Die Fans aber lieben Peter Ducke noch immer. Am Donnerstag wird er 80 Jahre alt.

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  • Leserbrief von Anja Bittrich aus Apolda (13. Oktober 2021 um 22:08 Uhr)
    Irgendwie ist es schön, dass die junge Welt die »ollen« Fußballspieler der DDR nicht vergisst. Weit sind die Mannschaften bei Tournieren leider nicht gekommen, aber das lag nicht alleine an den Spielern. Als mein Vater noch jung war, ging er oft zu Speilen von Carl Zeiss Jena und hat sich auch ab und an mal mit den Fans von Rot-Weiß gekloppt. Am Ende hat man sich wieder vertragen und gemeinsam über den BFC Dynamo geschimpft. Aus seinen Erzählungen habe ich später dann auch oft den Namen Peter Ducke heraus gehört, außerdem Schnuphase und Grapenthin und viele mehr. Er konnte die Namen runterbeten. Nun wird man ab und zu durch euch an diese Zeit erinnert. Falls es der Platz zulässt, könntet ihr doch öfter DDR-Fußballer vorstellen. Sie müssen ja nicht immer ein rundes Jubiläum feiern.

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