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Aus: Ausgabe vom 14.10.2021, Seite 15 / Medien
Kahlschlag im Zeitungswesen

Einigung in Erfurter Druckzentrum

Betriebsrat und Funke-Mediengruppe unterschreiben Sozialplan. Gewerkschaft kritisiert Konzernpläne
Von Raphaël Schmeller
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Proteste gegen die Schließung des Druckzentrums am 10. April in Erfurt

Im Funke-Druckzentrum in Erfurt haben sich Betriebsrat und Konzernvertreter auf einen Sozialplan für die Versandhelfer geeinigt. Das bestätigte Verdi-Tarifsekretär Jan Schulze-Husmann, der an der Aushandlung des Plans beteiligt war, am Mittwoch gegenüber jW. Bislang hatten rund drei Monate vor der Schließung des Standorts lediglich die Drucker einen Sozialplan abgeschlossen. Der nun unterschriebene Deal für die Mitarbeiter im Versand ist dem der Drucker sehr ähnlich, so Schulze-Husmann. »Wir haben ein gutes Ergebnis erreicht«, sagte er. Dass die Schließung nicht verhindert werden konnte, sei aber trotzdem bitter.

Vom Sozialplan für die Versandhelfer sind rund 150 Menschen betroffen. Vollzeitbeschäftigte erhalten demnach pro Jahr Betriebszugehörigkeit eine Abfindung in Höhe von 80 Prozent ihres durchschnittlichen Monatsbruttoverdienstes. Zudem wurde eine Treueprämie von bis zu 9.000 Euro ausgehandelt. »Die Kollegen sind zufrieden«, so Verdi-Sekretär Schulze-Husmann. Erreichen konnte man das Ergebnis, weil die Versandhelfer entschlossen und wenn nötig dazu bereit waren – wie die Drucker vor ihnen –, in den Arbeitskampf zu treten. Das habe Funke nun unbedingt verhindern wollen.

Zur Erinnerung: Die Funke-Mediengruppe wird ihr Druckzentrum in Erfurt am 1. Dezember dichtmachen. Die regionalen Zeitungen sollen ab dann komplett außerhalb Thüringens – in Braunschweig, Halle und Chemnitz – gedruckt werden. Laut MDR-Information wird lediglich das Gratisblatt Allgemeiner Anzeiger noch bis Jahresende in Erfurt hergestellt werden. Begründet wird der Schritt von seiten des Konzerns mit zu hohen Kosten für die nötige Modernisierung des Standorts sowie sinkenden Auflagen und einer neuen »digitalen Strategie«. Mit der Schließung wird aus Thüringen das erste Bundesland ohne eigene Zeitungsdruckerei.

Schulze-Husmann kann auch ein Jahr nach Bekanntgabe der Schließung nicht verstehen, warum Funke den Schritt vollzieht. Denn laut Verdi ist der Druckstopp in Erfurt teurer als eine Investition in das Erfurter Zentrum, weil hohe Transportkosten sowie die Aufrüstung des Standorts in Niedersachsen die Auslagerung unrentabel machen. Auch die medienpolitische Bedeutung der Druckerei für Thüringen hat das Unternehmen kaltgelassen. Der Verdi-Sekretär sendet klare Signale: »Der Funke-Konzern muss auch zukünftig damit rechnen, dass wir Betriebsschließungen nicht ohne weiteres hinnehmen und die betroffenen Kolleginnen und Kollegen zum Arbeitskampf bereit sind«.

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