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Aus: Ausgabe vom 14.10.2021, Seite 8 / Inland
Proteste gegen rechten Verlag

»Wir müssen den Verlag getroffen haben«

Kreis Coesfeld: Gewerkschaft organisiert Proteste gegen rechten Verlag. Schmähflugblätter gegen Veranstalter. Gespräch mit Ortwin Swiderski
Interview: Henning von Stoltzenberg
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Der Manuscriptum-Verlag hatte Björn Höcke 2018 zur Frankfurter Buchmesse geladen, was von Protesten begleitet stattfand

In der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Lüdinghausen im Landkreis Coesfeld hat sich der Manuscriptum-Verlag angesiedelt, gegen den Sie schon mehrfach demonstriert haben. Mit wem haben Sie es da zu tun?

Der Verlag kam vor circa vier Jahren aus Waltrop im Kreis Recklinghausen nach Lüdinghausen, zog dort in eine Gründerzeitvilla auf einem Gelände mit über 7.000 Quadratmetern, wo auch die Thomas-Hoof-Gruppe angesiedelt ist. In dem Verlag werden Bücher von bekannten Rechten wie Björn Höcke, Alexander Gauland, Jürgen Elsässer und Akif Pirincci verlegt. Der Verlag hatte Höcke 2018 auf die Frankfurter Buchmesse eingeladen, um dort sein neues Buch vorzustellen. Wir sind durch einen kritischen Artikel in der Zeit auf den Verlag aufmerksam geworden. Jetzt sucht dieser in der Zeitung Junge Freiheit einen Redakteur. Die Stellenanzeige kündigte daneben an, eine gemeinnützige Stiftung gründen zu wollen.

Offenbar ein stramm rechter Laden, der einen Rückzugsort sucht. Wer trägt die Proteste gegen den Verlag?

Der DGB-Kreisverband Coesfeld ist der politische Kopf dieser Protestbewegung. Da wir überparteilich sind, haben an den Protesten auch Die Linke, SPD, CDU, und die Grünen teilgenommen. Außerdem die »Friedensfreunde Dülmen« und die Aktion »Seebrücke«. Auch Schülerinnen und Schüler und Bürgerinnen und Bürger aus dem Kreis Coesfeld haben sich beteiligt. Es kam ein Seminar der Schule der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie aus Haltern. Die Aktionen liefen bisher ohne Zwischenfälle ab. Unter der Woche konnten wir circa 100 Kolleginnen und Kollegen mobilisieren – ein guter Erfolg für den Kreisverband.

Welche Mittel haben Sie bisher eingesetzt, um die Öffentlichkeit zu informieren?

Wir haben mit mehreren Pressemitteilungen auf den Verlag hingewiesen und auch eine Pressekonferenz durchgeführt. Journalisten fragten bei Verlag und Hoof-Gruppe kritisch nach. Es meldete sich das bekannte Rechtsanwaltsbüro Höcker aus Köln. Dort war auch für einige Zeit der entlassene Exverfassungsschutzpräsident Maaßen tätig. Kritische Fragen wurden nicht beantwortet, statt dessen sollten die Journalisten vorgefertigte Texte des Rechtsanwaltes in den Text einbauen, sonst sei der Text rechtswidrig, hieß es. Wir müssen den Verlag mit unserer Pressearbeit getroffen haben.

Gab es Reaktionen darauf aus der Kommunalpolitik?

Der Lüdinghauser Bürgermeister wurde von mir zur Mahnwache eingeladen, er hat aber mit Verweis auf andere Termine abgesagt. Wir werden einen Bürgerantrag an den Rat der Gemeinde Lüdinghausen vorbereiten. Dann können sich die politischen Parteien im Rat »balgen«. Wir sind sehr gespannt, wie sich der Bürgermeister, der der CDU angehört, und seine Fraktion verhalten werden.

Vor ein paar Wochen wurden Sie zur Zielscheibe. Was ist da vorgefallen?

Es wurde ein Flugblatt, das schon den Charakter eines Steckbriefes hatte, in jeden Lüdinghauser Briefkasten eingeworfen. Da wurde ein Foto von mir gezeigt und meine Person verunglimpft. Da war ich schon erstaunt. Ich bin der DGB-Kreisvorsitzende in Coesfeld, also in der münsterländischen Provinz. Eher unbedeutend. Mit unserer dritten Mahnwache, den Presseerklärungen und der Pressekonferenz müssen wir aber einen politischen »Big Point« gesetzt haben.

Wie werden Sie darauf reagieren?

Wir werden sachlich bleiben und weiter auf den Verlag hinweisen. Es ist unser Ziel, dass dieser den Kreis Coesfeld verlässt. Wir haben über Verdi und DGB prüfen lassen, ob ein strafrechtlicher Tatbestand vorliegt und mit der »Mobilen Beratung gegen rechts« aus Münster Veranstaltungen anbieten. Wir wollen auf diese Angriffe mit Solidarität antworten, die ich auch als Person erfahren habe. Dafür bin ich dankbar. Mit unserer konsequenten politischen Arbeit haben wir immer etwas bewegen können.

Ortwin Swiderski ist Kreisvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes im Kreis Coesfeld

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