75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Gegründet 1947 Mittwoch, 8. Dezember 2021, Nr. 286
Die junge Welt wird von 2593 GenossInnen herausgegeben
75 Ausgaben junge Welt für 75 € 75 Ausgaben junge Welt für 75 €
75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Aus: Ausgabe vom 14.10.2021, Seite 7 / Ausland
Boliviens Rechte

Reinfall »Bürgerstreik«

Rechte Aktionen in Bolivien großer Misserfolg. Tausende auf den Straßen zur Unterstützung linker Regierung
Von Volker Hermsdorf
imago0138410767h(1).jpg
Symbol des indigenen Widerstands und Hassobjekt der Rechten: Die Wiphala bei der Demo am Dienstag in Santa Cruz

Zigtausende Bolivianerinnen und Bolivianer sind am Dienstag (Ortszeit) in mehreren Städten des Landes auf die Straßen gegangen, um gegen Aktionen von Teilen der Opposition zu demonstrieren. Vertreter der rechten Kräfte, darunter der Gouverneur von Santa Cruz, Luis Fernando Camacho, der ehemalige Präsidentschaftskandidat Carlos Mesa und Exstaatschef Jorge Fernando Quiroga, hatten zu einem »Bürgerstreik« gegen die Politik der linken Regierung unter Präsident Luis Arce aufgerufen.

Tatsächlich sei es den Organisatoren der Proteste, die alle am Putsch gegen den indigenen Staats- und Regierungschef Evo Morales vom November 2019 beteiligt waren, darum gegangen, das Land zu destabilisieren und einen erneuten Staatsstreich vorzubereiten, hatten Gewerkschaften, indigene Organisationen und die regierende »Bewegung zum Sozialismus« (MAS) gewarnt. Während der Aufruf der Regierungsgegner, laut Berichten lokaler Medien, nicht die gewünschte Resonanz fand, verzeichneten die Gegenveranstaltungen, die symbolträchtig auf den »Tag des indigenen Widerstands« gelegt worden waren, großen Zulauf. Der Gewerkschaftsdachverband COB, die Landarbeitergewerkschaft CSUTCB, der indigene Frauenverband »Confederación de Mujeres Campesinas Indígenas Originarias Bartolina Sisa« und die Organisation der indigenen Hochlandvölker Conamaq hatten in der Stadt El Alto die zentrale Kundgebung des »Gran Wiphalazo« organisiert, an der auch Präsident Arce teilnahm.

Die Veranstaltung war nach der Wiphala benannt worden, dem traditionellen Symbol der indigenen Einwohner Boliviens. Nach der Wahl von Arce im vergangenen Oktober hatte die MAS-Regierung die bunte Fahne, wie vor dem Putsch, erneut als Staatssymbol mit der Nationalflagge gleichgestellt, während De-facto-Präsidentin Jeanine Áñez nach dem Putsch angeordnet hatte, »keine Fahne wie die Wiphala« zu dulden. Ihre ultrarechten Anhänger hatten das Symbol der Indigenen daraufhin in mehreren Teilen des Landes demonstrativ verbrannt. Anlässlich der Feiern zum Jahrestag eines Aufstands gegen die spanische Kolonialherrschaft in der Stadt Santa Cruz hatte Gouverneur Camacho die Wiphala am 24. September provokativ erneut vom Flaggenmast entfernen lassen.

»Diese Fahne ist ein Symbol der Einheit, des Widerstandes und des Kampfes für Demokratie und den Respekt für die Mehrheit der Menschen in unserem Land«, kritisierte Arce die Aktion am Dienstag (Ortszeit) in La Paz. Der Staatschef verurteilte auch Ausschreitungen von Anhängern der Opposition in Santa Cruz und bezeichnete deren Anführer als »Putschisten« und »Mörder«, die jetzt erneut »mit Gewalt auf den Straßen« eine gewählte Regierung stürzen wollten, weil sie die Wahlen verloren hätten. Die staatliche Nachrichtenagentur Agencia Boliviana de Información verwies darauf, »dass es am kommenden Montag genau ein Jahr her ist, dass dem diktatorischen Áñez-Regime ein Ende gesetzt worden ist«. Mesa von der konservativen Partei »Comunidad Ciudadana« (CC) hatte die Wahl am 18. Oktober 2020 mit 28,8 Prozent verloren, Camacho und seine Rechtspartei »Creemos« (Wir glauben) waren gerade einmal auf 14 Prozent gekommen.

Arce machte zum Abschluss der Kundegebung deutlich, dass seine Regierung »die Ausschreitungen, den Faschismus und die Schlägereien, die von den am Staatsstreich von 2019 beteiligten Sektoren gefördert werden«, nicht tolerieren wird. »Wir werden nicht erlauben, dass Minderheiten, autoritäre und rassistische Menschen unser Land polarisieren«, versicherte der Staats- und Regierungschef.

Zeitung gegen Profite mit der Gesundheit

Die junge Welt ist die einzige parteiunabhängige Tageszeitung, die Zeit Ihres Bestehens gegen Krieg und Faschismus angeschrieben hat. Wenn wir nun unseren 75. Geburtstag feiern, dann möchten wir das zusammen mit unseren Leserinnen und Lesern begehen.

Um dieses Jubiläum gebührend zu feiern, hat die junge Welt die 75er-Aktion. Schenken Sie sich, Ihren Lieben und der jW 75 Ausgaben für 75 Euro. Danach endet das Abo automatisch und muss nicht abbestellt werden.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

Ähnliche:

  • Bereit zur Gegenwehr: Hinter Boliviens Präsident Luis Arce stehe...
    12.10.2021

    Putschisten geben keine Ruhe

    Oppositioneller »Bürgerstreik« in Bolivien: Linke Regierung, Gewerkschaften und Indigene halten dagegen
  • Venezuelas Außenminister Jorge Arreaza entsorgt am Montag in der...
    12.11.2020

    Hausbesetzer rausgeworfen

    Bolivien normalisiert Beziehungen zu Venezuela. Weitere Maßnahmen der Putschregierung rückgängig gemacht

Regio:

Mehr aus: Ausland