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Aus: Ausgabe vom 14.10.2021, Seite 5 / Inland
Arbeitskampf

Kahlschlag droht

VW-Konzernchef stellt 30.000 Arbeitsplätze in Frage. IG Metall nennt Pläne »indiskutabel«
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Unter Druck: In Wolfsburg musste Kurzarbeit für Zehntausende Beschäftigte verlängert werden

Der Konflikt um die Zukunft der Jobs beim Wandel zur E-Mobilität bei Volkswagen droht zu eskalieren. Die bei Europas größtem Autohersteller einflussreiche IG Metall betonte am Mittwoch: »Klar ist, dass ein Stellenabbau von 30.000 Arbeitsplätzen nicht diskutabel ist.« Konzernchef Herbert Diess soll nach Informationen aus Unternehmenskreisen in der Septembersitzung des Aufsichtsrats diese Zahl in den Raum gestellt haben. »Davon abgesehen wäre das ein Frontalangriff auf die Transformation unserer Branche.« Laut dpa habe Diess zunächst ein mögliches Szenario vorgetragen, was passieren könnte, falls etwa die Lieferkrise bei Elektronikchips anhalten sollte oder die Terminierung wichtiger VW-Zukunftsprojekte überdacht werden müsse. In diesem Zusammenhang habe er dann auch die Lage am Hauptsitz offensiv thematisiert, zur Überraschung der Kontrolleure.

Zuvor hatte das Handelsblatt (Mittwochausgabe) darüber berichtet und einen neuen »Eklat« zwischen Diess und den Aufsehern beschrieben. Laut Beschäftigtenvertretern habe der Manager bei seinen Gedanken offensichtlich auch eine Parallele zu den hohen Überkapazitäten in den 1990er Jahren gezogen. Damals habe der Umstieg auf eine Viertagewoche ermöglicht, dass rund 30.000 VW-Jobs gerettet werden konnten. Aktuell handele es sich aber um eine ganz andere Situation. Gleichwohl ist Europas größter Autokonzern unter Druck. Volkswagen hat vor allem in Wolfsburg gerade erheblichen Leerlauf. Mehrfach musste Kurzarbeit für Zehntausende Beschäftigte verlängert werden, weil hier – wie bei anderen Anbietern – wichtige Halbleiter fehlen.

Unabhängig von diesen akuten Engpässen gibt es in Teilen der Belegschaft Sorgen um eine ausreichende Werkbelegung in der bevorstehenden Zeit. Der Betriebsrat forderte etwa bereits, neben dem ab 2025/2026 geplanten Projekt »Trinity« mindestens ein weiteres Elektromodell in der Konzernzentrale anzusiedeln. Außerdem wird es darauf ankommen, ob weitere Großvorhaben wie der geplante »Tesla-Fighter« in Hannover oder der Ausbau der konzerneigenen Softwaresparte Cariad zünden.

In wenigen Wochen stehen bei VW Entscheidungen über die Verteilung von Investitionen und Modellen auf die einzelnen Standorte im globalen Produktionsnetz an, die weit bis ins laufende Jahrzehnt hineinreichen. »Die schwierige Lage im Werk Wolfsburg bildet einen klaren Schwerpunkt der laufenden Beratungen für die diesjährige Planungsrunde«, sagte Betriebsratschefin Daniela Cavallo jüngst. (dpa/jW)

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