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Aus: Ausgabe vom 13.10.2021, Seite 8 / Abgeschrieben

Militärische Gruselshow

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»Großer Zapfenstreich« im August 2019 zur Verabschiedung von Ursula von der Leyen aus dem Amt der Verteidigungsministerin

Im Aufruf zu einer antimilitaristischen Demonstration gegen den »Großen Zapfenstreich« der Bundeswehr in Berlin – Start ist am Mittwoch, 18 Uhr, U-Bahnhof Hallesches Tor – heißt es:

Am Mittwoch, dem 13. Oktober, findet vor dem Reichstagsgebäude in Mitte ein sogenannter großer Zapfenstreich statt. Dabei handelt es sich um ein Militärspektakel mit Trommeln, Fackeln und reichlich Soldatinnen und Soldaten in Formation. Zweck dieser Aufführung ist die Würdigung der Einsatzkräfte der Bundeswehr nach ihrem 20jährigen Kampfeinsatz in Afghanistan. 20 Jahre Kampfeinsatz bedeuten in diesem Fall 20 Jahre von Deutschland und seinen NATO-Verbündeten geführter Krieg auf afghanischem Boden. Geendet hat der Einsatz der Bundeswehr mit dem Abzug der Truppen im Mai und Juni 2021. Ergebnis des Krieges in Afghanistan sind rund 240.000 Tote, 5,5 Millionen Vertriebene und die Herrschaft der Taliban über nahezu das gesamte Staatsgebiet.

Die öffentliche Würdigung der deutschen Teilnahme an dem Krieg in Afghanistan ist eine Provokation für alle, die den Einsatz der Bundeswehr seit Beginn ablehnten und darf nicht unwidersprochen bleiben. (...) Wir sehen die Veranstaltung am 13. Oktober als weiteren Schritt hin zur Normalisierung von Auslandseinsätzen der Bundeswehr und zu mehr öffentlicher Präsenz des Militärs im Inland. Es ist ein Skandal, dass Deutschland überhaupt Krieg auf fremdem Boden führt. Dass dieser Krieg mit seinen Hunderttausenden Toten und Vertriebenen mit einer militärischen Gruselshow gefeiert werden sollen, zeigt, wie wichtig antimilitaristischer Protest ist. Unsere Losung lautet: Nie wieder Krieg! Und deshalb rufen wir zur Teilnahme an der Demonstration gegen den großen Zapfenstreich am 13. Oktober auf.

Das Aktionsnetzwerk »Leipzig nimmt Platz« rief am Dienstag zum Protest gegen die rassistische Pegida-Bewegung in Dresden auf:

Am kommenden Sonntag, dem 17. Oktober, organisiert das Aktionsnetzwerk »Leipzig nimmt Platz« eine gemeinsame Anreise nach Dresden zu den Protesten gegen Pegida. Treffpunkt ist 10.45 Uhr am Querbahnsteig 21 auf dem Hauptbahnhof Leipzig. In Dresden erfolgt der Anschluss an eine Demonstration zum Altmarkt. Es gibt wieder Solidaritätstickets der Netzwerkpartner:innen.

Dazu erklärt Irena Rudolph-Kokot für das Aktionsnetzwerk: »Auch nach sieben Jahren verbreitet Pegida regelmäßig Menschenfeindlichkeit und Hass auf den Straßen und Plätzen in Dresden. Die Akteure bieten aller Art von rechten Kräften, außerparlamentarischen Gruppen und Einzelpersonen bis hin zum parlamentarischen Arm der versammelten Rechten, der AfD, eine Bühne. Und damit tragen sie entscheidend dazu bei, den Diskurs zu verschieben, Unsagbares sagbar zu machen, das gesellschaftliche Klima zu vergiften und letztlich auch zu dem, was wir im Ergebnis der Bundestagswahl gesehen haben (...). Diese Wahlergebnisse zeigen, dass wir alle gemeinsam viel Arbeit vor uns haben. Antifaschist:innen müssen gerade in unserem Bundesland zusammenhalten. Deswegen rufen wir auch in diesem Jahr zur gemeinsamen Anreise nach Dresden auf, um unsere Freund:innen zu unterstützen und dem rechten Hassauflauf gebührend entgegenzutreten.«

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  • Leserbrief von Peter Groß aus Bodenseekreis (13. Oktober 2021 um 11:14 Uhr)
    Während Kramp-Karrenbauer, von opulentem Tschingderassabum begleitet, als Heldenmutter der Republik den 130.000 Afghanistan-Veteranen einen Zapfenstreich gönnt, ist die Prüfung augenscheinlich noch nicht abgeschlossen, wer aus dem Ehrenbataillion, möglicherweise nebenberuflich, in einem der vielen rechtsradikal-faschistischen Lager der Republik dient(e) und sich heute mit blankgewichstem Schuhwerk im deutschnationalen Fackelschein wärmt. Den Beschäftigten bei Vivantes oder anderen Krankenlagern der Republik wird jedenfalls bis zum endgültig körperlich-psychischen Zusammenbruch (seit Monaten und Wochen) kräftig der Marsch geblasen. Keine öffentliche Ehrung oder Erinnerung, kein Zapfenstreich oder gar eine Gedenktafel erinnert an die im Dienst mit Covid-19 infizierten und verstorbenen Menschen, deren Zahl sicher höher ist als die der 59 Bundeswehr-Soldaten. Keine Hinterbliebenenrente erleichtert das Leben von Familienangehörigen. Für Pflegerinnen, Ärztinnen und Bedienstete in Küchen, Kellern, bei der Hausreinigung und im Bestattungswesen wie auch für deren Angehörige gibt und gab es keine Bestattungsbeihilfe oder staatliche Fürsorge. Sie werden unter Verdi-Leitung, mit Unterstützung von Die Linke oder jenen ein soziales Gewissen vorgaukelnden Grünen oder SPDlern auch nicht zeitgleich vor Ort durch einen Schweigemarsch an ihre prekäre Situation erinnern. Da fällt mir noch ein, dass Heimatverteidigung durchaus Hilfe für jene Flutopfer bedeuten kann, die jetzt in der sich abkühlenden Jahreszeit ohne Heizung und Wasser in ihren zerstörten Wohnungen ausharren. Das Geld wäre vorhanden, nur eben nicht genügend Handwerker, die entsprechend sichere Strom- und Heizungsanlagen installieren können.

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