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Aus: Ausgabe vom 09.10.2021, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Aprikosenkompott

Von Maxi Wunder

Die Gründung der Partei »Coole Wampe« als Einkommensquelle brachte mehr Frust mit sich als erwartet. »Kein Wunder, dass uns niemand angekreuzt hat«, grummelt Udo in der »Parteizentrale« unserer WG-Küche, »wir standen nicht mal auf dem Wahlzettel.« – »Uns fehlten die Unterstützerunterschriften«, erklärt Roswitha. »Fiel das nicht in dein Ressort, Rossi?« Roswitha deutet mit dem Kopf auf mich. Ich geb’s zu, wäre ich früher auf die Internetseite des Bundeswahlausschusses gegangen, hätten wir gewusst, dass neue Parteien für die Bundestagswahlen Unterstützerunterschriften benötigen, dieses Jahr in Sachsen coronabedingt »nur« 500. Die 23 Punks in unserer Küche damals reichten also hinten und vorne nicht.

»Was soll’s.« Udo winkt ab. »So haben wir uns wenigstens nicht mit dem bescheuerten Slogan blamiert, den Maxi sich ausgedacht hat. Aus meinem ›Coole Wampe – Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral‹ macht die: ›Coole Wampe – Für gesunde Ernährung und Sitten‹. Da hättest du gleich schreiben können: ›Für vertrocknete Reformhauskundinnen‹.« – »Ich sollte doch kürzen … «, beginne ich mich zu verteidigen, aber Doris rettet mich mit ihrem neuesten Einkaufserlebnisbericht:

»Apropos Reformhaustanten: Steh’ ich letztens in der Schlange beim Bioladen, da meckert ’ne alte Schachtel zwei junge Migranten an: ›Zieht euch gefälligst die Maske hoch, ihr steckt ja alle an!‹ Die schwatzten mit runtergezogener Maske, wollten halt Luft kriegen. Da sag ich zu der: ›Jetzt lassen se mal die jungen Leute in Ruhe. Die richten mit ihrem kerngesunden Atem weniger Schaden an als Sie mit ihren Schmutzgriffeln.‹ Ich hatte nämlich beobachtet, wie die sämtliche Aprikosen am Obststand durchgeknetet hat, eine nach der anderen, ohne Plastikhandschuhe, und dann keine einzige gekauft hat. ›Ich muss schließlich die Konsistenz prüfen!‹, antwortete mir die Olle frech.«

Aprikosenkompott – handgeknetet

500 g sorgfältig gewaschene Aprikosen in eine Schüssel geben und mit heißem Wasser übergießen, bis die Früchte bedeckt sind. 5 Minuten ziehen lassen, Wasser abschütten und auffangen. Die Aprikosen schälen, halbieren und entkernen. 250 ml von dem aufgefangenen Aprikosenwasser mit der Schale einer halben Zitrone, einer halben Vanilleschote (längs aufgeschnitten) und etwas Zucker aufkochen. 10 Minuten leicht köcheln lassen. Den Sud abkühlen lassen. Die Aprikosen in einen Behälter geben und mit dem Sud übergießen. Über Nacht im Kühlschrank ziehen lassen. Nach Belieben nachsüßen.

Ich sehe ein, dass man auf solche Wählerinnen verzichten kann, die sterben ohnehin aus. »Wir brauchen einen frischen Slogan für unsere Jungwähler mit den Parteibuchstaben der Wampe«, überlegt Udo, »z. B. ›Wir Arbeiter Machen Politik Erfolgreich – WAMPE!‹« Er ist sichtlich beeindruckt von sich selbst. Roswitha ist das zu plump. »Widerstand Als Methode Politischer Erweckung« ist ihr Vorschlag. – »Oh, das bringt uns mindestens vier Studentenstimmen«, frotzelt Doris. »Ich geh da lieber nach meinen ureigensten Interessen: ›Wampe – Die Partei für Wohlstand, Anarchie, Migranten, Privatjets und Erlebnisurlaub.‹« Darauf haben wir uns dann geeinigt.

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