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Kräfte bündeln

Mumia Abu-Jamal: Soliarbeit auf Informationsübermittlung direkter Kontakte angewiesen
Von Jürgen Heiser
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Kämpfe verbinden: »Free Mumia«-Banner auf einer »Black Lives Matter«-Demo am 4. Juli 2020 in Berlin

Viele fragen sich derzeit, warum es so still geworden ist um den im US-Bundesstaat Pennsylvania inhaftierten politischen Gefangenen Mumia Abu-Jamal. Junge Welt bemüht sich stets zu vermitteln, warum ihr langjähriger Kolumnist derzeit nur reduziert arbeiten kann und die Routine der wöchentlichen Kolumne nicht immer einzuhalten ist. Nach seiner Coronainfektion und einer Herzoperation im Frühjahr war immer wieder Anlass zur Sorge, inwieweit er in der Haft angemessen medizinisch versorgt wird.

Die Londoner Initiative »Free Mumia Abu-Jamal Campaign UK« bemühte sich in dieser Lage um eine Verbesserung der Kommunikation zwischen Kräften in Europa und den USA. Sie hatte deshalb für den 31. Juli 2021 zu einer internationalen Videokonferenz eingeladen. Dahinter stand das dringende Bedürfnis, die »Free Mumia Now!«-Kampagne in Europa wieder neu zu beleben. Wilf Dixon hatte jW zuvor mitgeteilt, seine Organisation wolle »dazu beitragen, die internationalistische Perspektive der Bewegung für die politischen Gefangenen zu reaktivieren«. Schwerpunkt sei zunächst der Kampf für Abu-Jamal, der »seit langem mit dem Horror gesetzwidriger Verfahrens- und Haftbedingungen des Imperialismus und lebensbedrohlichen gesundheitlichen Problemen konfrontiert« sei.

Das sollte ein erster Schritt sein, die Diskussion bei jenen wieder in Gang zu setzen, die seit den 1990er Jahren breite Unterstützung für Abu-Jamal organisieren, denen es jedoch zunehmend an einer intensiven Zusammenarbeit untereinander und mit den ebenfalls reduzierten Kräften in den USA mangelte. Bei der Vorbereitung der Konferenz spielten die durch die Pandemie notwendig gewordenen Beschränkungen der Zusammenarbeit natürlich eine Rolle. Die Frage jedoch, welche Schwerpunkte Gruppierungen in den USA und Abu-Jamals Verteidigungsteam in der internationalen Informationsvermittlung setzen, stellt sich jeden Tag neu.

Bei der Londoner Konferenz wurde daher darauf hingewiesen, dass man seit etwa einem Monat eigentlich nicht wisse, wie es Abu-Jamal gehe. All jene in den USA, »die direkten Kontakt zu Mumia haben«, wurden dazu aufgerufen, künftig für »kontinuierliche und regelmäßige Informationen über Mumias Situation« zu sorgen. Zu diesem Zeitpunkt hatten nicht wenige Aktive aus der kanadischen und europäischen Solibewegung genau diesen Wunsch auch an verschiedene Kontakte aus Abu-Jamals engster Umgebung herangetragen.

Antworten blieben aus, und es dauerte einige Zeit, bis Abu-Jamal selbst von diesen Nachfragen erfuhr und reagierte. Am 30. August wandte er sich mit einem »aktuellen Bericht« über seine Gesundheit und den Stand der juristischen Auseinandersetzung um seine Berufungsanträge über Prison Radio direkt an die Solidaritätsbewegung. Er dankte »allen, die sich Gedanken gemacht und gekümmert haben« und erklärte, es gehe ihm »heute viel besser als in den zurückliegenden Monaten«. Das war indes nur bedingt beruhigend. Denn er teilte gleichzeitig mit, er sei noch nicht zum zweiten Mal gegen das Coronavirus geimpft worden und befinde sich wegen infizierter Mitgefangener in Quarantäne. Er wisse noch nicht, ob er selbst positiv oder negativ sei, fühle sich jedoch gut.

Zu diesem Zeitpunkt hatte das in Philadelphia ansässige Komitee »International Concerned Family and Friends of Mumia Abu-Jamal« die Onlineausgabe seines Jamal Journals bereits seit Anfang Juli nicht mehr aktualisiert. Bis heute herrscht dort online Funkstille. Auch die Internetseiten der Bündnisse »Mobilization for Mumia« und »Bring Mumia Home« bieten seit August keine neuen Informationen. Vielleicht hat das Projekt Prison Radio auch deshalb am Freitag statt eines neuen Beitrages von Abu-Jamal erneut eine Erklärung der im kubanischen Exil lebenden Freiheitskämpferin Assata Shakur gepostet, die in jW schon im Mai 2015 ungekürzt zu lesen war. Darin forderte Shakur die Bewegung auf, »unsere noch lebenden Helden nicht zu vergessen und nicht zu verraten«. Das wäre Verrat an der eigenen Geschichte. »Wir konnten Malcolm X nicht retten, aber wir können Mumia retten« so seine frühere Panther-Gefährtin, »und wir müssen ihn retten!«

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