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Aus: Ausgabe vom 02.10.2021, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Schwammespalken

Von Maxi Wunder

Kurzbiographien von Künstlern enden meist mit dem Hinweis auf ihren Aufenthaltsort. In etwa so: »Erwin Klecks lebt und arbeitet in Potsdam.« Der Kunstkatalog lässt uns also wissen, dass Klecks diese offenbar völlig unterschiedlichen Tätigkeiten »leben« und »arbeiten« an ein und demselben Ort verrichtet. Nicht möglich! Es gibt auch Künstlerinnen, die gleich an zwei Orten leben und arbeiten: Paris und Minneapolis habe ich letztens bei einer Malerin gelesen, Frankfurt am Main und Phnom Penh bei einem jungen Autor. Über die Gründe für ihren Zweitwohn- und Arbeitssitz lässt uns der Werbetext absichtlich im unklaren. Wir sollen denken: Oh, Weltbürger, in deren Werken sich der Spannungsbogen zwischen den Kulturen … In Wahrheit fahren sie wie alle einmal im Jahr nach Hause zu Papa und Mama.

Warum aber überhaupt die Unterscheidung zwischen leben und arbeiten? Hört man beim Arbeiten auf zu leben? Lese ich Bücher und sammle ich Kunst von Zombies? Von Leuten, die sich seufzend an die Staffelei oder an den Schreibtisch setzen und denken: Mist, vorbei das schöne Leben, jetzt ist wieder Maloche angesagt, ich sterbe? Wahrscheinlich. Aber nicht deshalb tun sie mir leid, sondern weil sie sich die strunzblöde Werberhetorik der Kunstvermarkter gefallen lassen müssen. Vor allem, wenn es sich um sogenannte Ausnahmekünstler handelt. Ausnahme wovon? Von den anderen »Durchschnittskünstlern«? Frechheit, namenlose. Kein Kunstschaffender mit Anstand kann sich so ein Affenetikett verpassen lassen, ohne zu kotzen.

Doch genug geschimpft, wir leben und kochen in Plauen, und das ist für uns kein Gegensatz, allenfalls ein Zungenbrecher:

Vogtländische Schwammespalken (Pilzsuppe)

Einen TL Butter in eine Pfanne geben und darin eine feingehackte Zwiebel und 500 g Steinpilze anschwitzen. In einer anderen Pfanne eine kleingeschnittene Scheibe Kasseler und eine kleingeschnittene Möhre etwa fünf Minuten brutzeln lassen, umrühren. Dann alles in einen Topf geben, pfeffern und vorsichtig salzen. Das Ganze mit einem TL Kräuteressig, etwas Thymian und Kümmel würzen, mit mindestens einem Liter Gemüsebrühe aufgießen und 30 Minuten bei mittlerer Hitze köcheln lassen. Mit frischer Petersilie bestreuen und servieren.

Als Dessert: Ausnahmekuchen

Für den Teig: Zwei Eier, 200 g Zucker und 200 g Margarine schaumig schlagen. 500 g Mehl und ein Pck. Backpulver sieben, auf die Masse geben und verkneten. Einen EL Milch unter Rühren zugeben und nochmals kneten. Teig in drei gleiche Teile teilen. Ein Teil wird auf den Boden der gefetteten Springform (D = 26 cm) gedrückt, die anderen beiden Teile für weitere Kuchen einfrieren. Für den Belag: 750 g Heidelbeeren waschen, abtropfen lassen und gleichmäßig auf die Teigmasse geben. Backofen auf 175 Grad vorheizen. Für die Streusel: 125 g Mehl und eine Prise Backpulver mischen, 75 g zerlassene Butter und 50 g Zucker zugeben und alles verkneten. Die Teigmasse als Streusel gleichmäßig über die Beeren verteilen. Den Kuchen im Backofen auf der mittleren Einschubleiste ca. 35 Minuten backen. Abkühlen lassen und mit Zucker bestreut servieren.

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