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Aus: Ausgabe vom 30.09.2021, Seite 15 / Medien
Boomendes Angebot

Podcasts unter der Lupe

Studie: Medium in BRD etabliert. Monopol der Streamingdienste gefährdet Pluralismus
Von Rafik Will
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Experimentierfreudig: Immer mehr Privatpersonen produzieren digitale Audioinhalte

Podcasts sind nicht gerade neu. Doch erst seit einiger Zeit – nicht zuletzt im Kontext der Pandemie – zeigen sie sich immer mehr als stabiler Bestandteil des öffentlichen Medienangebots. An einer Beschäftigung mit ihnen, so scheint es, führt vor allem für die traditionellen Radiosender kein Weg vorbei. Die gewerkschaftsnahe Otto-Brenner-Stiftung hat nun Ende August eine Studie veröffentlicht, die den »Podcastboom in Deutschland« analysiert. Geschrieben haben sie Lutz Frühbrodt und Ronja Auerbacher, beide sind auf dem Feld der Kommunikationswissenschaft tätig. Sie beginnen ihre Darstellung mit einem Blick auf die mediale Entwicklung von Podcasts und machen zwei jeweils von den USA ausgehende Wellen aus: eine erste »Experimentierwelle« Mitte der 2000er und eine (anhaltende) »Etablierungswelle« seit Mitte der 2010er Jahre.

Mit der zunehmenden Etablierung geht auch ein Trend zur Professionalisierung und Kommerzialisierung einher. Die Autoren machen eine Vielfalt von Podcastanbietern aus. Neben experimentierfreudigen Privatpersonen produzieren traditionelle Medienhäuser digitale Audioinhalte zum Abrufen, Unternehmen entdecken das Medium für sich als Marketingwerkzeug, und Podcastanbieter wie der Streamingdienst Spotify entwickeln eigene »originale« Podcasts.

Die Studie bietet einen ausführlichen Überblick über die Produktions- und Distributionsstrukturen von Podcasts, die zu großen Teilen in privater Hand sind. Einen besonderen Stellenwert nimmt auch die Frage der Monetarisierung ein. Einnahmen werden mit dem Medium hauptsächlich über Werbung erzielt. Und hier sehen manche einen Markt mit Zukunft, denn die Zielgruppe von Podcasts gilt als verhältnismäßig jung. Anknüpfungsversuche an eine jüngere Zielgruppe machen die Autoren auch bei den Öffentlich-Rechtlichen aus. Die ARD habe jedoch über ihrem Versuch, mit dem Ausspielen von Inhalten etwa auf Spotify die Reichweite zu steigern, den Ausbau der eigenen Audiothek bisher weitgehend verschlafen.

Auerbacher und Frühbrodt haben für ihre Studie einige Informationsangebote unter die Lupe genommen, die sich an junge Leute richten. Obwohl renommierte Zeitschriften, Zeitungen und öffentlich-rechtliche Anstalten unter den Produzenten sind, halten die Autoren fest, »dass ausnahmslos alle analysierten Formate in nicht unerheblichem Maße unbelegte Informationen enthalten«. Als Handlungsempfehlung raten sie, die Quellenangaben zu verbessern und so die geringe Transparenz zu steigern sowie umfassender, also breiter, zu informieren und Meinungen und Kommentare eindeutig zu kennzeichnen. Gefahr für den derzeitigen Podcastpluralismus sieht die Studie im eventuell bevorstehenden Monopol des Streamingdienstes Spotify.

Die Studie bietet eine umfassende, hintergründige und detaillierte Darstellung des deutschsprachigen Podcastmarkts. Kritik an den infrastrukturellen Umbaumaßnahmen, die etwa bei der ARD mit der zunehmenden Konzentration auf Podcasts einhergehen, sucht man indes vergebens. An manchen Stellen wirkt die Studie etwas optimistisch, wenn es um zukünftige Nutzergruppen geht. Denn untersucht wird immer die weit gefasste Gruppe der 14- bis 29jährigen, innerhalb der hinsichtlich des Mediennutzungsverhaltens große Unterschiede vermutet werden können.

Lutz Frühbrodt und Ronja Auerbacher: Den richtigen Ton treffen. Der Podcastboom in Deutschland. OBS-Arbeitsheft 106. Frankfurt am Main 2021, 145 S., gratis zum Download unter: kurzelinks.de/soks

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