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Ein Marathon

Von Rafik Will
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Wurde leider nie fertig: Turm zu Babel

Die sogenannten sozialen Medien sind für viele Leute Teil ihres unhinterfragten Alltags. Dabei sind Instagram, Facebook und Co. keineswegs naturgegeben. Die digitalen privatrechtlichen Plattformen und das Kommunikationsverhalten der Posterinnen und Poster hat den 2017 gestorbenen Kulturkritiker Mark Fisher beschäftigt. Die Sendung »Little Axe meets Mark Fisher« (Di., 13 Uhr, FSK) bringt Texte aus Fishers Essayband »Ghosts of my Life« zu Gehör und setzt sie in Beziehung zur Musik des Sängers und Gitarristen Little Axe. Auf die Spuren einer kolonialen Australien-Expedition im 19. Jahrhundert begibt sich Kaye Mortley mit dem Hörstück »Le ­Voyage« (France Culture 2019/DLF Kultur 2021; Di., 22 Uhr, DLF Kultur). Der Fokus liegt dabei auf Listen, etwa zum dahinschwindenden Inventar der Abenteurer.

In der Diskussion »Steuergeld für rechte Kaderschmieden« (Mi., 14 Uhr, FSK) sprechen Micha Brumlik und Volker Beck über den »Stiftungstrick« der AfD. Nach der Bundestagswahl und dem erneuten Einzug der AfD kann die der Partei nahestehende Erasmus-Stiftung auf Steuergelder hoffen. Dagegen formiert sich gesellschaftlicher Protest, dem sich viele verschiedene Institutionen angeschlossen haben. Ein Radiofeature zu den Nürnberger Prozessen kommt mit Tomas Fitzels  »Ein Schiff im Trümmermeer« (SFB 1996; ­Mi., 19 Uhr, RBB Kultur). Es montiert O-Töne, die bei der gerichtlichen Aufarbeitung der Verbrechen der Nazis entstanden sind, und versucht so, die aus Verleugnung und Heroisierung bestehende Doppeltaktik der Täter und ihrer Unterstützer bloßzulegen. Ein neues Stück zum postapokalyptischen Szenario des »letzten Menschen« findet sich in der Bearbeitung eines Romans von Guido Morselli aus den 1970er Jahren:  »Dissipatio humani generis oder Die Einsamkeit« (NDR/DLF Kultur 2021; Mi., 20 Uhr, NDR Kultur).

In der  »Kurzstrecke 114« (Eigenproduktion/DLF Kultur 2021; Ursendung Do., 22 Uhr, DLF Kultur) führen Hörfunkredakteurinnen und -redakteure wieder neue Features, Klangkunstarbeiten und andere Hörspiele aus der freien Szene vor. Auf derselben Welle kommt wenig später die Premiere von Boris Baltschuns  »Desert Dictionary« (DLF Kultur 2021; Fr., 0 Uhr). Es handelt sich um das bei einer Reise des Autors nach Südafrika entstandene akustische Dokument der »Wortspenden« zahlreicher Reisebekanntschaften. Ein Literaturfeature über die Autorin Zoë Beck, in dem sie vom Literaturbetrieb erzählt, kommt von Thomas Böhm:  »Mit allem, was ›Angst‹ im Namen hat, kann ich umgehen« (DLF 2021; Fr., 20 Uhr, DLF). Ein Stück von der Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek gibt es mit  »Jackie« (BR 2003; Fr., 21 Uhr, Bayern 2) zu hören. Das um die Witwe von John F. Kennedy und Aristoteles Onassis kreisende Stück wurde 2004 mit dem »Kriegsblindenpreis« ausgezeichnet.

Als »Hörspiel des Monats« für Juli wird Delphine de Vigans Geschichte ums Verwahrtsein im Seniorenheim  »Dankbarkeiten« (SWR 2021; Sa., 20 Uhr, DLF) wiederholt. Textgrundlage für  »Sweet Paris reloaded« (SWR 2021; Sa., 23 Uhr, SWR 2) von Peter Fey und Alfred 23 Harth sind Briefe des 2013 gestorbenen bildenden Künstlers Wolf Pehlke. Mit  »Wolfwelt« (DLF Kultur 2021; Ursendung So., 18.30 Uhr, DLF Kultur) gibt es einen »akustischen Alptraum« von Gerhild Steinbuch zur politischen Lage zu hören. Regieguru Robert Wilson ist mit dem sechsstündigen Marathonhörspiel  »Tower of Babel II« (HR/BBC/Radio France/NDR/RBB/SWR 2018-2019; So., 20 Uhr, HR 2 Kultur) präsent. Und die Wiener »Phono Femme 2021« (So., 23 Uhr, ORF Ö1) wird in einer Sendung mit ihren Erkenntnissen zur Privatisierung des öffentlichen Raums vorgestellt.

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