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Aus: Ausgabe vom 24.09.2021, Seite 2 / Inland
Inflation

Gesunde Ernährung unbezahlbar

Sozialverband zu Preisanstiegen: Obst und Gemüse werden für Menschen in Grundsicherung »endgültig zum Luxusgut«
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Gemüse war im August neun Prozent teurer als vor einem Jahr, Salat knapp 40 Prozent

Der aktuell starke Preisanstieg für gesunde Lebensmittel trifft die Ärmsten besonders hart. Die sozialen und gesundheitlichen Folgen sind immens. »Obst und Gemüse werden für Geringverdiener und Menschen in Grundsicherung durch die Preissteigerungen endgültig zum Luxusgut, das sie sich nicht mehr leisten können«, erklärte die Präsidentin des größten deutschen Sozialverbands VdK, Verena Bentele, dem Tagesspiegel (Donnerstagausgabe).

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts haben sich die Preise für Nahrungsmittel im August im Jahresvergleich um 4,6 Prozent erhöht. Für Gemüse mussten Verbraucher zuletzt neun Prozent mehr zahlen als vor einem Jahr, Salat war sogar knapp 40 Prozent teurer. Bei Obst betrug der Preisanstieg 2,5 Prozent. Wie Bentele erinnerte, sind im Hartz-IV-Regelsatz gerade einmal fünf Euro am Tag für Lebensmittel vorgesehen (für Kinder, Jugendliche und Lebenspartner noch weniger). »Das reichte schon bisher nicht für eine ausgewogene Ernährung, wie Studien nachgewiesen haben«, so die VdK-Präsidentin. »Dass der Regelsatz nun um lächerliche drei Euro erhöht wurde, bestätigt, wie konsequent die Regierung lebensnotwendige Bedürfnisse von Menschen in Grundsicherung ignoriert.«

Der Regelsatz für alleinstehende Erwachsene soll im Januar um drei auf 449 Euro im Monat steigen. Eine entsprechende Verordnung des Bundessozialministeriums hatte das Kabinett in der vergangenen Woche verabschiedet. Insgesamt erhalten Empfänger von Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe sowie Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung 0,76 Prozent mehr Geld. Die aktuell deutlich steigenden Verbraucherpreise sollen erst in der Berechnung der Sätze für 2023 berücksichtigt werden.

Die Deutsche Diabetesgesellschaft (DDG) forderte, gesunde Lebensmittel von der Mehrwertsteuer zu befreien. Das würde »Familien mit einem schwachen sozioökonomischen Hintergrund (den) Zugang zu frischem Obst und Gemüse finanziell erleichtern«, erklärte die Geschäftsführerin des medizinischen Fachverbands, Barbara Bitzer, im Tagesspiegel.

Die Verbraucherpreise sind in der BRD zuletzt so stark gestiegen wie seit 28 Jahren nicht mehr. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen. (dpa/jW)

Zeitung gegen Profite mit der Gesundheit

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  • Leserbrief von René Osselmann aus Magdeburg (27. September 2021 um 13:16 Uhr)
    Wer kennt nicht diesen Spruch: »Wer kann das bezahlen, wer hat soviel Geld?« Ja, die Preisentwicklung bei Lebensmitteln ist schon sehr erschreckend, und auch beim Obst und Gemüse macht diese Entwicklung nicht halt, diesbezüglich frage ich mich, wie soll gesunde Ernährung funktionieren, wenn gerade Menschen mit einem geringen Geldbeutel sich diese nicht mehr leisten können? Hier greift letztlich wieder mal der Satz: »Weil du arm bist, musst du früher sterben!« Diese Entwicklung ist doch nur noch erschreckend, und es ist eine Verrohung der Gesellschaft, wenn sich Menschen nur noch die sogenannten gesunden Lebensmittel leisten können, die genug »Pinke-Pinke« zur Verfügung haben!
    • Leserbrief von Reinhard Hopp aus Berlin (27. September 2021 um 23:26 Uhr)
      Der Kapitalismus ist nun mal kein feucht-fröhlicher rheinischer Karneval, sondern ein gnadenloser täglicher Konkurrenzkampf ums Überleben (Friedrich Engels) bzw. ein Bellum omnium contra omnes (Thomas Hobbes). Da hilft auch kein wehleidiges philanthropisches Sozialgesülze, sondern nur gut organisierter Klassenkampf!

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