75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Gegründet 1947 Mittwoch, 1. Dezember 2021, Nr. 280
Die junge Welt wird von 2593 GenossInnen herausgegeben
75 Ausgaben junge Welt für 75 € 75 Ausgaben junge Welt für 75 €
75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Aus: Ausgabe vom 24.09.2021, Seite 1 / Titel
Klimastreik

Nichts als heiße Luft

Jahrzehntelang wurde der Klimaschutz verpennt. Von den großen Parteien sind weiterhin nur Floskeln zu erwarten
Von Wolfgang Pomrehn
Illu S 01.png

Es ist bereits 29 Jahre her, dass im brasilianischen Rio de ­Janeiro die UN-Klimaschutzrahmenkonvention unterzeichnet wurde. Die Gefahr der Erderwärmung müsse verhindert werden, versprachen die Regierungen. Die Industriestaaten sollten vorangehen, um den anderen mehr Raum zur Entwicklung zu geben. Doch nichts ist geschehen. Wenn man davon absieht, dass der Bundesverband der Deutschen Industrie vollmundig Selbstverpflichtungen abgegeben hat. Statt Taten folgen zu lassen, wurden neue Kohlekraftwerke gebaut, strengere Abgasnormen für den Straßenverkehr jahrzehntelang hintertrieben, der Luftverkehr ausgeweitet, Flughäfen subventioniert, in der Landwirtschaft Überdüngung und Massentierhaltung gefördert, Chemie- und Stahlindustrie mit Samthandschuhen angefasst, Dörfer abgerissen, die Tagebaue für Braunkohle weiter vorangetrieben, Wälder für Autobahnen abgeholzt. Und zum Schluss auch noch der Ausbau von Solar- und Windenergieanlagen sabotiert. In 22 dieser 29 Jahre haben erst in Bonn, dann in Berlin CDU und CSU regiert, zehn Jahre war die FDP mit von der Partie, 15 Jahre lang die SPD an den Hebeln der Macht und sieben die Grünen.

Jetzt brennt es an allen Ecken und Enden. Buchstäblich und im übertragenen Sinne. Die Ernährung der Weltbevölkerung wird zunehmend prekärer, die Tropenstürme verheerender, die Unwetter auch hierzulande tödlicher – doch die Kohlekraftwerke laufen weiter, um Konzernen wie RWE die Kassen zu füllen. Von den großen Parteien gibt es nur Floskeln zu hören, und bei der anstehenden Wahl zeichnet sich keine Koalition ab, die dem Klimawandel Einhalt gebieten wollte. Die Wut, die Fridays for Future auf die Straße trägt, muss gesteigert werden.

Zeitung für das Recht auf Wohnen

Die junge Welt ist die einzige parteiunabhängige Tageszeitung, die Zeit Ihres Bestehens gegen Krieg und Faschismus angeschrieben hat. Wenn wir nun unseren 75. Geburtstag feiern, dann möchten wir das zusammen mit unseren Leserinnen und Lesern begehen.

Um dieses Jubiläum gebührend zu feiern, hat die junge Welt die 75er-Aktion. Schenken Sie sich, Ihren Lieben und der jW 75 Ausgaben für 75 Euro. Danach endet das Abo automatisch und muss nicht abbestellt werden.

  • Leserbrief von Stephan Menzer aus Berlin (24. September 2021 um 11:01 Uhr)
    Es ist natürlich immer richtig, neue Lösungen für Umweltschutz zu suchen. Aber nicht nur bei FfF fehlt mir folgender Aspekt: die Herstellung von Waffen. Deren Einlagerung, Transport, Benutzung. Zerstörung von ganzen Regionen – gefolgt vom Wideraufbau. Das CO2, was dort verpulvert wird, könnten wir noch ewig für Flüge nach Malle verrechnen. Ganz nebenbei arbeiten die Flugzeug- und Triebwerkshersteller an immer besseren und effizienteren Lösungen. Und die Airlines kaufen diese neue Technik. Und überhaupt: Der Standort BRD ist ja ziemlich modern. Wenn wir auf die Idee kämen, unser Land zu deindustrialisieren, wäre die Industrie ja nicht weg, sie wäre woanders. Irgendwo in der »dritten Welt«. Oder im östlichen Osteuropa. Dort ist Umweltschutz so gar kein Thema. Am Ende wäre die selbe Produktion sehr viel schlimmer wieder aktiv. Die Gesamtbilanz für den Planeten verheerend. Es müssen also hier verträgliche Lösungen gefunden werden.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers: