Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder >
Gegründet 1947 Donnerstag, 28. Oktober 2021, Nr. 251
Die junge Welt wird von 2589 GenossInnen herausgegeben
Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder > Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder >
Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder >
Aus: Ausgabe vom 21.09.2021, Seite 7 / Ausland
15 Jahre Militärputsch

Putschisten und Autokorsos

Thailand: Proteste am 15. Jahrestag des Umsturzes. Derzeitiger Premier fest im Sattel
Von Thomas Berger
imago0135357276h.jpg
Proteste in Bangkok am 19. September anlässlich des 15. Jahrestags des Putsches in Thailand

Allzu viele waren es nicht: Am Sonntag haben in Thailands Hauptstadt Bangkok Hunderte an den Putsch des Militärs gegen den damaligen Regierungschef Thaksin Shina­watra vor 15 Jahren erinnert. Zudem forderten die Demonstranten mit einem Hupkonzert den Rücktritt von Premier Prayut Chan-ocha, der 2014 als Armeechef durch einen Umsturz die Führung des Landes übernommen hatte.

Am 19. September 2006 kam die Militärführung in Bangkok mit Armeechef Sonthi Boonyaratglin an die Macht. Der gewählte Regierungschef Thaksin hielt sich zu dem Zeitpunkt bei der UN-Generalversammlung in New York auf. In der Bangkok Times bezeichnete ­Boonyaratglin den unblutigen Putsch als Erfolg. Als Beleg dafür nannte der inzwischen im Ruhestand befindliche General im Gespräch mit der größten englischsprachigen Tageszeitung des Landes anlässlich des Umsutzes den Umstand, dass einfache Bürger die vor dem Regierungssitz in der Hauptstadt aufgefahrenen Panzer mit Blumenkränzen behängten. Im Interview wies Sonthi allerdings darauf hin, dass er damals nicht persönlich die Regierungsgewalt übernommen hatte – ein Unterschied zu Prayuth, der sich seit 2014 an die Macht klammert. Er und seine engsten Mitstreiter haben sich zwischenzeitlich zumindest durch eine Wahl an der Staatsspitze bestätigen lassen.

Zusammen mit seinen Gesinnungsfreunden Prawit Wongsuwan und Anu­pong Paojinda habe Prayuth das Land fest im Griff, konstatierte die Bangkok Post. Aber das ist offensichtlich: Die Putschisten vom 22. Mai 2014 haben Thailand eine neue Verfassung verpasst, die ihre Macht zementierte. Während die Regierungspartei PPRP bei den Wahlen trotz erheblicher Behinderung der Opposition nur knapp stärkste Einzelkraft wurde und mehrere Kleinstparteien zur Koalitionsbildung einbinden musste, um im Unterhaus auf eine Mehrheit zu kommen, ist der Senat als zweite Kammer mit loyalen Gefolgsleuten besetzt – ernannt statt gewählt.

Protestaktionen gegen die Führung des Landes, wie den Fahrzeugkorso am Wochenende, hatte es zuletzt beinahe täglich gegeben. Es scheint derzeit mehr oder weniger das einzige Mittel der Prayuth-Gegner, öffentlichkeitswirksam Flagge zu zeigen. Denn wegen der Pandemie sind die Möglichkeiten zu demonstrieren eingeschränkt, und insbesondere die Hauptstadtmetropole ist seit Wochen das Epizentrum einer neuen Coronawelle im Land.

Geändert hat sich seit 2006 aber auch auf der Oppositionsseite manches: Diese war nach dem Umsturz von dem später ins Exil gegangenen früheren Milliardär Thaksin verbundenen Kräften angeführt worden, die im Anschluss bei Wahlen sogar wieder die Macht gewinnen konnten. Seit etwa drei Jahren formiert sich dieses Lager aber neu, nicht einmal das Königshaus bleibt von Kritik verschont. An der Spitze stehen heute einerseits jugendlich-studentische Kräfte, die zum Teil gute Kontakte in den Westen haben. Andererseits neue Parteien, die unverdächtig sind, eine direkte Verbindung zum Thaksin-Clan zu unterhalten. Dennoch sorgt der einst starke Mann erneut für Schlagzeilen. Da die Fluggesellschaft Thai Airways als nationales Aushängeschild inzwischen wegen der Pandemie in die roten Zahlen gerutscht ist, ermittelt derzeit die Justiz gegen den Expremier und andere damals Verantwortliche. Der Verdacht ist, dass milliardenschwere Flugzeugkäufe in den Jahren 2002 bis 2004 wesentlich zu der gegenwärtigen Misere des Unternehmens beigetragen haben.

Teste die beste linke, überregionale Tageszeitung. Jetzt an deinem Kiosk!

Die Tageszeitung junge Welt beschreibt in ihrer Berichterstattung die Ausbeutungs- und Machtverhältnisse klar und deutlich. Für alle, die sie verstehen wollen, lohnt sich der Gang zum Kiosk und ein Blick in die  junge Welt!

Regio:

Mehr aus: Ausland

Die XXVII. Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz findet am 8.1.2022 als Präsenz- und Livestreamveranstaltung statt. Informationen und Tickets finden Sie hier.