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Aus: Ausgabe vom 17.09.2021, Seite 8 / Ansichten

Nimmersatt des Tages: Wolfgang Schäuble

Von Emre Şahin
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Nicht Merlin der Zauberer, kann aber 100.000 Mark verschwinden lassen: Wolfgang Schäuble

Wir lesen es jeden Tag: Die Gesellschaft wird immer kränker. Zu den allgemein bekannten Krankheiten gesellen sich mit der Zeit immer neue dazu. Beispielsweise »Fear of missing out« (FOMO), also die Sorge, ein besonderes Ereignis zu verpassen. Vor allem Abgeordnete sind von FOMO betroffen, kleben sie nicht zuletzt zwanghaft am Mandat. Sie können nicht nur lustig über die Höhe des eigenen Gehalts bestimmen und fette Nebeneinkünfte kassieren, sondern auch italienisch essen und anschließend den Tag damit verschwenden, schräge Namen wie »Pizza-Connection« zu erfinden.

Auch Wolfgang Schäuble weiß, was er daran hat, und kandidiert mittlerweile zum 14. Mal für den Bundestag. Zudem hat der Totengräber Griechenlands und Mitabwickler der DDR diesen Samstag Geburtstag. Ein perfekter Anlass für bürgerliche Medien, nichtssagende Porträts zu zeichnen. Etwa dass Schäuble schon immer ein knallharter Verhandler gewesen sei: Der Zeit erzählte er unter anderem, wie er von seinem Musiklehrer eine Garantie für eine Eins verlangt habe, als Gegenleistung für seine Teilnahme am Schulchor. Krasser Bad Boy.

Von den Griechen wird der CDU-Politiker nur »Dr. Schäuble« genannt, um das Böse an ihm hervorzuheben. In der BRD läuft so was anders: Hier nennt man ihn liebevoll »sehr geehrter Herr Bundestagspräsident«. In dieser Position ist ausgerechnet Schäuble – seit der Spendenaffäre offensichtlich korrupt – für die Kontrolle von Parteispenden zuständig. Allerdings hat er, der seit 1972 (!) fast 50 Jahre im Bundestag sitzt, etwas Sorge um seine Zukunft. Er wünscht sich Armin Laschet als Kanzler (ich wünsche mir Laschet als Dozenten, aber das ist eine andere Story). Nun ist der im Umfragetief, wird die Union nicht stärkste Kraft, verliert Schäuble seinen Posten. Deshalb: am 26. gegen die Union stimmen – und zwei Fliegen mit einer Klappe erwischen.

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