3 Monate junge Welt für 62 €
Gegründet 1947 Montag, 27. September 2021, Nr. 224
Die junge Welt wird von 2582 GenossInnen herausgegeben
3 Monate junge Welt für 62 € 3 Monate junge Welt für 62 €
3 Monate junge Welt für 62 €
Aus: Ausgabe vom 16.09.2021, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto Leserbriefe.png

Falsches Gedenken

Zu jW vom 11./12.9.: »Grenzenloser Staatsterror«

In den »Leitmedien« wurde an die Anschläge vom 11. September 2001 erinnert, als hätten diese keine Vorgeschichte gehabt. Sie ist durchtränkt vom Geruch nach Erdöl und Erdgas und von der fast einhundert Jahre bestehenden Demütigung der Völker des arabischen Raumes erst durch Franzosen und Briten und später durch die USA, mit der die Ausbeutung der Ressourcen dieser Region zugunsten der imperialistischen Großmächte verbunden war und ist. Es wäre wichtig gewesen, an diesem Tage auch der Millionen Opfer des imperialen Handelns der USA im Nahen und Mittleren Osten und darüber hinaus zu gedenken. Die Kette der entsprechenden Kriege ist lang: Palästina, Irak, Syrien, Libyen, Jemen, Afghanistan … Die Blutspur dieser Kriege ist zu gewaltig, als dass man sie verschweigen dürfte.

Joachim Seider, per E-Mail

Mit dem Hammer

Zu jW vom 14.9.: »Vorschlag«

Die Rote-Armee-Dokumentation kann man sich auch in der Arte-Mediathek ansehen. Alles in allem sehr trocken und natürlich in keinster Weise die Rote Armee in positivem Licht darstellend, wie von einer Arte-Dokumentation auch nicht anders zu erwarten. Stichworte: Kannibalismus in der Roten Armee, Wodka hatte bei der Versorgung der Soldaten Vorrang gegenüber Lebensmitteln, organisierte Massenvergewaltigungen, Plünderungen, noch mehr Vergewaltigungen (…). Die Schlachten, die Siege der Roten Armee vor Moskau oder in Stalingrad werden so extrem kurz, oberflächlich und trocken abgehandelt (…), dass ja keinem Zuschauer in den Sinn kommen soll, die Rote Armee hätte Großartiges oder gar Heldenhaftes geleistet. (…) Am Schluss nimmt man sich auch noch mal die Zeit zu erläutern, wie beim berühmten Foto der Rotarmisten, die über dem Reichstag die Sowjetfahne hissen, eine Uhr vom Arm wegretuschiert worden sein soll, angeblich ein Beleg für Plünderungen. (…) Den zweiten Teil habe ich mir nicht mehr angesehen …

Ralf Schuster, Gießen

Gutes Beispiel

Zu jW vom 11./12.9.: »Abschied von Mikis«

In der jW wie auch im ND gab es wunderbare, berührende Nachrufe auf Mikis Theodorakis. Aber die hier geschilderte Nachricht über dessen Bestattung in seinem Geburtsland überrascht mich wirklich: Wo gab es das schon einmal, dass ein bekennender kommunistischer Künstler ohne Einschränkung und in Ehrfurcht von der politisch völlig gegensätzlichen rechtskonservativen Regierung gewürdigt wird? Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, dass irgendeine BRD-Staatsführung die Größe aufgebracht hätte, in dieser Haltung etwa die Kommunisten Paul Dessau oder Hanns Eisler auf ihren letzten Wegen zu begleiten. Meines Erachtens gibt der griechische Staat hier ein Beispiel für nachahmenswerte Toleranz, einmal über den weltanschaulichen Tellerrand hinaus zu handeln. Man glaubt es kaum, aber, ausgelöst durch die Kunst, könnte dadurch die Welt womöglich tatsächlich besser werden.

Reinhard Schmiedel, Weimar

Im Schützengraben

Zu jW vom 11./12.9.: »Der Verfassungsschutz betreibt Amtsanmaßung«

Als vor dem Ruhestand langjähriger freier Journalist halte auch ich (…) die Überwachung der jungen Welt für einen schweren Eingriff in die Pressefreiheit und unterstütze die Klage dagegen. Hier blamiert sich ein weiteres Mal die wissenschaftlich unhaltbare Extremismusdoktrin. Die damit als Vorwurf verknüpfte Feststellung, jW vertrete eine marxistische Position, sollte aber schon noch einmal näher betrachtet werden. Offenbar verharrt der Verfassungsschutz wie in der Zeit der stärksten Ost-West-Konfrontation vor und nach dem KPD-Verbot in den Schützengräben des Kalten Krieges, indem er implizit von einer völlig obsolet gewordenen Marxismus-Definition ausgeht. Damals reduzierten die oft noch tiefbraunen Marx-Töter den Marxismus auf den »Marxismus-Leninismus« stalinistischer Prägung vor dem XX. Parteitag der KPdSU. Spätestens 1968 kamen aber dann die BRD-Studenten mit einem neuen Marx-Verständnis. Linksradikale kritisierten die Legitimationsideologie einer bürokratischen Parteienherrschaft über das Proletariat und die werktätige Bauernschaft, wie sie beispielsweise noch vor Gründung der DDR in der Kaltstellung von unabhängigen Betriebsräten in der Zeit vom Mai bis November 1948 in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) zum Ausdruck kam. Auch wenn alte Kommunisten sich politisch nach dem Bewegungsmuster der Echternacher Springprozession verhalten (zwei Schritte vor, einer zurück), verschwindet der ideologische Ballast langsam zugunsten der Ideen eines demokratischen Sozialismus jenseits einer neoliberal zugerichteten Sozialdemokratie. Schon früh von ideologischem Ballast hatte sich der Vater der Marx-Engels-Gesamtausgabe verabschiedet. Der hieß Dawid Borisowitsch Goldendach bzw. Rjasanow. Auf Geheiß der Partei Lenins begann er 1921 in Moskau mit der MEGA-Edition. »Ich bin kein Bolschewik«, erklärte Rjasanow, »ich bin kein Menschewik, ich bin kein Leninist. Ich bin einzig Marxist, und als Marxist bin ich ein Kommunist.« Er fiel 1938 dem »Großen Terror« zum Opfer.

Thomas Knauf-Lapatzki, Berlin

Viel Freude

Zu jW vom 27.8.: »›Wir geraten an Grenzen‹«

Der deutsche Sport hat in den letzten 30 Jahren beträchtlich eingebüßt. Viele Bereiche sind international mittelmäßig. Der Interviewte studierte an der Hochschule für Körperkultur und Sport in Leipzig. Im Gespräch fehlt leider ein Rückblick auf die Jahre vor der »Wende«. Da in diesen Wochen mit der Erinnerung an den »Mauerbau« 1961 Politiker und Medien jedes DDR-Haar in der Suppe suchen, erinnere ich mich an meine Zeit (als Chefredakteur; jW) bei Radio DDR. Wir hatten eine starke Sportredaktion mit weithin anerkannten Reportern. Sie hatten viel zu tun. Allein die Handballmannschaften der Frauen und Männer waren bei Olympia und andernorts meisterlich. Ebenso das Auftreten der Kanuten, der Schwimmer, der Leichtathleten, namentlich der Frauenstaffeln: Es gab Anerkennung, Bewunderung, Freude in diesen Jahren …

Atti Griebel, Berlin

Es wäre wichtig gewesen, am 11. September auch der Millionen Opfer des imperialen Handelns der USA zu gedenken. Die Blutspur ist gewaltig.

Aktionsabo »Marx für alle« für drei Monate

Die Bundesregierung und der deutsche Inlandsgeheimdienst wollen der Tageszeitung junge Welt den »Nährboden entziehen« unter anderem wegen ihrer marxistischen Weltanschauung. Mit unserem Aktionsabo  »Marx für alle« möchten wir möglichst vielen Menschen diese wissenschaftliche Sichtweise nahebringen und 1.000 Abos für die Pressefreiheit sammeln.

Das Abo kostet 62 Euro statt 126,80 Euro und endet nach drei Monaten automatisch.

Letzte Möglichkeit: Drei Monate Aktionsabo »Marx für alle« für 62 Euro!