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Aus: Ausgabe vom 15.09.2021, Seite 10 / Feuilleton
Kabarett

Nicht zu Munde reden

Der Schauspieler und Kabarettist Peter Tepper ist tot
Von F.-B. Habel
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»Politischer Streit in Vernunft und Freundlichkeit«: Peter Tepper (1943–2021)

Von einem kreativen, rührigen, auch unbequemen deutschen Kabarettisten gilt es Abschied zu nehmen: Peter Tepper. Der Berliner war viele Jahre lang Mitglied des Berliner Ensembles, wo er 1962 unter Erich Engels Regie in Brechts »Schweyk im Zweiten Weltkrieg« debütierte. Er trat am BE eher in kleinen Rollen auf, oft mit musikalischen Einlagen, etwa als Sänger in »Der kaukasische Kreidekreis«. Daneben spielte er in einigen Fernsehproduktionen, so als Mr. Nelson neben seiner BE-Kollegin Gisela May in »Frau Jenny Treibel« (1977). Mitte der 70er Jahre suchte das Studentenkabarett der Hochschule für Ökonomie in Berlin-Karlshorst einen künstlerischen Leiter und fragte beim BE an. Peter Tepper kam und formte aus den jungen Leuten die »Ökognome«. Diese Truppe führte er zu republikweit beachteten Leistungen. Am Ende der DDR inszenierte er erstmals am Berufskabarett – bei der Berliner Distel.

Auch nach der politischen »Kehrtwende« blieben viele der Protagonisten der Ökognome zusammen. Peter Tepper hatte ihre Stärken herausgefordert, so dass sie sich als Berufskabarettisten behaupten konnten. Er gründete zunächst das Kabarett Kartoon in einem ehemaligen Jugendklub in der Französischen Straße. »Unser Kabarett sollte in unfreundlicher Zeit für vernünftige Leute eine Oase sein für politischen Streit in Vernunft und Freundlichkeit«, sagte Tepper damals jW. Als die Immobilie zu wertvoll wurde, mussten die Kabarettisten in den Köllnischen Park ausweichen und fanden dann gar im Springer-Haus ein feines Ausweichquartier, ohne aber dem Vermieter zu Munde zu reden. Danach formierten sie sich ab 2007 in der Karl-Marx-Allee als Charly M. neu.

Daneben half Tepper auch dem Kabarett in anderen Regionen auf die Sprünge, so der Leipziger Funzel und in Anklam nebst angeschlossenen Spielstätten beim FKK abgekürzten Frechen Küstenkabarett. Nach seinem 75. Geburtstag im Januar 2018 zog sich Peter Tepper vom Theater zurück – ins Brandenburgische, wo er am Freitag mit 78 Jahren gestorben ist.

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