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Aus: Ausgabe vom 15.09.2021, Seite 10 / Feuilleton

Merin, Schmaus, Koch

Von Jegor Jublimov
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Nur gelegentlich auf der Leinwand, dann aber eindrücklich: Cornelia Schmaus (r., in »Mörderinnen«, 2000)

In verschiedenen Professionen hat die vielseitig begabte Yvonne Merin das kulturelle Leben der DDR geprägt. Sie wurde am 19. September vor 100 Jahren in Westpreußen geboren und wuchs in großbürgerlichem, aber antifaschistischem Milieu auf – als Tochter der Schriftstellerin Ruth von Ostau und Schwester der späteren Autorin Leonie Ossowski. Am Nachwuchsstudio der Defa ließ sie sich zur Schauspielerin ausbilden, wo sie 1949 von Altmeister Gerhard Lamprecht ihre erste Hauptrolle in »Quartett zu fünft« erhielt. Es folgten Auftritte in Filmen von Kurt Maetzig, mit dem sie auch eine Zeitlang verheiratet war: »Die Buntkarierten«, »Der Rat der Götter« und »Roman einer jungen Ehe«. Mit diesem Film von 1952 taten sich weder Maetzig noch seine Frau einen Gefallen. Vor den Erbauern der Stalinallee musste die Protagonistin ein pathetisches Lobgedicht auf Stalin vortragen: »Sagt, wie soll man Stalin danken?/Wir gaben dieser Straße seinen Namen.« Yvonne Merin spielte in der Folgezeit Theater in Potsdam, übernahm kleinere Filmrollen bei Günter Reisch und begann journalistisch zu schreiben, u. a. im beliebten Magazin. Nach einer Ausbildung zur Gartengestalterin beim berühmten Karl Foerster in Bornim ging sie zum Defa-Dokumentarfilmstudio, wo sie als Dramaturgin beispielsweise die Reihe »Du und deine Gesundheit« mitgestaltete. Sie starb 2012 in Potsdam.

Bis in die Gegenwart Schauspielerin geblieben, ist ein anderes Schriftstellerkind. Cornelia Schmaus, Tochter von Stephan Hermlin, wird am heutigen Mittwoch 75 Jahre alt. Sie war und ist eine exzellente Theaterschauspielerin, u. a. in Karl-Marx-Stadt, Dresden und Berlin. Sie leistete sich seit 1970 nur gelegentlich, aber dafür nachhaltig Ausflüge auf Bildschirm und Leinwand, etwa 1987 als Bildhauerehefrau Marianne Schadow in »Künstler, König und Modell« oder in Andreas Kleinerts eindringlichen Arbeiten »Leb wohl, Joseph« (1989) und »Wege in die Nacht« (1999).

Am selben Tag, aber zehn Jahre vor Cornelia Schmaus geboren, hat Jurij Koch Geburtstag. Bekannt als Spielfilm- (»Wie wär’s mit uns beiden?«, 1980; »Sehnsucht«, 1990) und Hörspielautor (»Über sieben Brücken«, 1970), ist er als Schreibender sehr treu. Seit fast sechs Jahrzehnten erscheinen seine Bücher sowohl in sorbischer wie in deutscher Sprache im Domowina-Verlag (wenn auch nicht nur). Der zwischen Bautzen und Kamenz geborene Oberlausitzer ist keineswegs ein Heimatschriftsteller. Er greift in seinen Romanen, Kinder- und Sachbüchern wichtige Themen des Zusammenlebens auf, hat in seiner immer wieder (auch 2020 in Berlin und Leipzig) aufgelegten Erzählung »Hana« einer in der Nazizeit verfolgten Jüdin ein Denkmal gesetzt, hat sich mit den ökonomischen und ökologischen Veränderungen in seiner Heimat auseinandergesetzt und 2020 im jüngsten Buch »Gruben-Rand-Notizen« dem Kampf gegen die Abbaggerung der Lausitzer Gemeinde Horno durch den Braunkohletagebau gewidmet.

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