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Aus: Ausgabe vom 15.09.2021, Seite 6 / Ausland
Machtmissbrauch

Macrons »bester Mann« vor Gericht

Frankreich: Prozess gegen Exmitarbeiter des Präsidenten. Angeklagter offenbar mit Verbindungen zu »Françafrique«
Von Hansgeorg Hermann
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Immer auf Adrenalin: Benalla mit seinem Chef Macron bei der Landwirtschaftsmesse in Paris (24.2.2017)

Alexandre Benalla galt noch vor drei Jahren als bester Sicherheitsmann des französischen Staatschefs Emmanuel Macron. Seit Montag steht der 30jährige in Paris vor Gericht. Drei Anklagen hat die Staatsanwaltschaft gegen ihn vorgebracht: Gewalt gegen Demonstranten, illegaler Waffenbesitz und schwere Amtsanmaßung. Während der traditionellen Feierlichkeiten zum Arbeiterkampftag prügelte Benalla – mit Polizeihelm- und Binde – am 1. Mai 2018 zwei Teilnehmer eines Protestzuges. Die folgenden Ermittlungen der Justiz förderten aus seiner Privatwohnung und seinem Büro im Präsidentenpalast insgesamt fünf Handfeuerwaffen der Marke Glock zutage. Bereits vom Dienst als Personenschützer an der Seite Macrons suspendiert, benutzte er noch 2019 vier verschiedene Ausweispapiere, darunter zwei Diplomatenpässe.

Der Präsident selbst mochte offenbar lange nicht glauben, welches Ei er sich 2017 im Rahmen seiner Präsidentschaftskampagne ins Nest gelegt hatte. Erst Wochen nach den mit beweiskräftigen Fotos unterlegten Veröffentlichungen der Pariser Tageszeitung Le Monde und des satirischen Wochenblatts Le Canard enchainé ließ sich Macron von seinem Stab überzeugen, den Mann mit den vielen zweifelhaften Verbindungen zu entlassen. Libération zitierte im Januar 2019 den israelischen Geschäfts- und Mittelsmann Philippe Hababou Solomon, der mit Benalla auf »Pilgerreise in den Tschad, nach Kamerun und Kongo-Brazzaville« unterwegs gewesen sei: »Ich habe in Paris einen brillanten jungen Mann getroffen – ich verstehe, warum Macron ihn rekrutiert hat.«

Die Frage, warum Macron ihn so eng an sich heranließ, könnte im Rahmen der auf drei Wochen angesetzten Verhandlung vor der 10. Pariser Strafkammer eventuell geklärt werden. Bernard Squarcini, Geheimdienstchef unter dem rechten Präsidenten Nicolas Sarkozy, und andere wunderten sich seit Bekanntwerden der seltsamen Umtriebe Benallas, wie leicht der Angeklagte seinerzeit in die nächste Nähe des Staatschefs aufsteigen konnte. »Unprofessionell und amateurhaft« sei der Umgang mit ihm gewesen.

Was sich hinter Benallas »Geschäften« verbirgt, ist offenbar das nach wie vor funktionierende Netz alter Kameraden, die unter früheren Regierungen das korrupte, wirtschaftspolitische Geflecht des »Françafrique« aufbauten und unterhielten. Die Profiteure neuer, imperialistisch geprägter Handelsbeziehungen zwischen der alten Kolonialmacht und deren einheimischen Handlangern in Afrika, konnten die Dienste Benallas gut gebrauchen.

Die Diplomatenpässe, die er nach seiner Entlassung aus Macrons Diensten weiter für einige Reisen auf den Kontinent jenseits des Mittelmeeres nutzte, wurden erst Monate später eingezogen. Warum er sie überhaupt besaß – auch das ist eine Frage, die vor Gericht zu beantworten sein wird. Wäre die gewalttätige Aktion Benallas an jenem 1. Mai vor drei Jahren nicht von einem Zeugen gefilmt worden, würde Macrons »bester Mann« womöglich noch immer durch den Élysée spazieren, ausgestattet mit Zugangscodes, Handfeuerwaffen und einer Amtsautorität, mit der er sogar die Netzwerke und Kameradschaften ehemaliger Polizeikommissare beeindruckte, wie Libération und Le Monde übereinstimmend berichteten. Auf seinem Telefon fanden die Ermittler demnach prominente Namen: von Christian Prouteau etwa, dem Gründer der »Groupe d’intervention« der nationalen Gendarmerie oder auch von den Abhörspezialisten der aus ehemaligen Elitegendarmen und Geheimdienstagenten bestehenden »antiterroristischen Zelle« unter Exstaatschef François Mitterrand.

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