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Aus: Ausgabe vom 09.09.2021, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Basta!

Zu jW vom 6.9.: »Arbeitskampf bei Bahn ­ausgeweitet«

Ohne das Korrektiv Sozialismus, das denn da vorübergehend untergegangen, werden die Bosse frech und maßlos. (…) Rechte wie das auf Streik wurden erkämpft und müssen stetig bewahrt bleiben. Kapitalismus ist und bleibt der Krieg der Klassen. Und eben keine »Sozialpartnerschaft«. Basta!

André Kano, Schorfheide

Gegenmacht

Zu jW vom 6.9.: »Arbeitskampf bei Bahn ­ausgeweitet«

Für wen Klassenkampf nur in Geschichtsbücher gehört, wer solidarisch dem Kapital verbunden sein will, der hält von Widerstand gegen Willkür des Kapitals nichts, der will keine Streiks, die noch Gegenmacht sein können (…). Die einst aktuelle Forderung der Arbeiterbewegung nach der Einheitsgewerkschaft, um wirklich Gegenmacht zu sein, die haben unsere DGB-Chefs umgewandelt in dem Sinne, dass ihre Einheitsvorstellung nur einem zu dienen hat: Ruhe und Solidarität an der Klassenkampffront, also kein Streik, der mal weh tun könnte und wirklich etwas erreicht für Lohnabhängige.

Den Konflikt zwischen Lohnarbeit und Kapital, das kann Reiner Hoffmann und Co. vom DGB nicht verborgen geblieben sein, den gibt es noch. Was ist nun die Interessenvertretung der arbeitenden Klasse? Letztere existiert noch, ist nur zerschlagen, differenziert bis zu Hungerlöhnern und Arbeitssklaven. Wofür und für wen stehen die Hoffmanns? Sollen uns Claus Weselsky und kämpferische Gewerkschafter der Hauptfeind sein? Wer hat sie selbst hervorgebracht und lässt vielen keine andere Chance, sich zu wehren? Wollen die Hoffmanns und Co. nun auch noch Seit’ an Seit’ mit dem Kapital das Streikrecht verbieten lassen? Es ist fast anzunehmen. Machen doch GDL und auch Ausgebeutete in Dienstleistungsbranchen zunehmend ungehalten auf sich aufmerksam, was den Hoffmanns außer warmen Worten nichts abzuringen vermag. Das Solidaritätsprinzip wird sich die Klasse neu erkämpfen müssen – ohne Hoffmanns und Co.

Roland Winkler, Aue

Neugier

Zu jW vom 28.8.: »Ein langsamer Abschied«

Herzlichen Dank für den ausführlichen Artikel zu meinem Film zur »Roten Kapelle«, der (…) ganz positiv ist, aber gegen Ende doch ins Oberlehrerhafte abdriftet. Der Dokumentarfilm greift u. a. auf Ausschnitte einer Fernsehserie des WDR und eines Spielfilms der Defa zurück. »Beiläufig«, so der Autor der Filmkritik, entstünde dabei der »böse Effekt«, dass hier die »Geschichtsrevision« auf beiden Seiten »gleichgesetzt« würde. Es ist in der Tat unverzeihlich, dass die WDR-Serie von 1972 die Methoden der Gestapo verharmlost. Dies wird von Hans Coppi im Dokumentarfilm eindeutig zum Ausdruck gebracht. Die Geschichtsklitterung, die der Defa-Film von 1971 betreibt, liegt auf völlig anderer Ebene: nicht in der »Heroisierung des Widerstands«, wie der Filmkritiker schreibt, sondern erstens in der Behauptung, der Widerstand der »Roten Kapelle« hätte unter Führung und Anleitung der KPD stattgefunden, was definitiv falsch ist. Zudem wird im Defa-Film bewusst unterschlagen, dass die unter Lebensgefahr von Schulze-Boysen beschafften Angriffs­planungen der Wehrmacht von Stalin brüsk als Desinformation zurückgewiesen wurden. Diese ideologische Ignoranz hatte den Tod von Millionen Rotarmisten zur Folge.

Es wird im Defa-Film auch verschwiegen, dass – nach Stalins Liquidierung der erfahrenen Führungskader der Roten Armee und der sowjetischen Geheimdienste – ein dilettantischer Funkspruch der GRU die Verhaftung und Hinrichtung der Widerstandskämpfer der »Roten Kapelle« ausgelöst hat. Dies alles in einem Film zur Sprache zu bringen hat nichts mit Gleichsetzung zu tun. Es wäre vielmehr von einem Filmkritiker der jungen Welt Neugier zu erwarten – auch darauf, weshalb ein Film der Defa unter Einfluss der historischen Abteilung der Stasi die Geschichte der »Roten Kapelle« bewusst verfälscht, obgleich der große Bruder in Moskau da schon lange tot war.

Carl-Ludwig Rettinger, Köln

Fazit

Zu jW vom 26.8.: »Militäreinsatz genehmigt«

»Wir haben das Ziel erreicht, das 2001 am Anfang des Einsatzes stand«, sagte Kanzlerin Merkel in ihrer Regierungserklärung zu Afghanistan. Dieses Ausmaß der Realitätsverleugnung macht mich wirklich sprachlos. Die Taliban sind zurück an der Macht, und sie haben mehr Rückhalt und vor allem mehr Waffen und Ausrüstung als je zuvor. Daran ist die Bundesregierung nicht unschuldig: Allein in dieser Legislaturperiode hat Deutschland Waffen im Wert von mehr als 300 Millionen Euro an Pakistan geliefert – ein Großteil davon dürfte in die Hände der Taliban gelangt sein. Inzwischen verfügen die islamistischen Gotteskrieger auch über das gesamte Waffenarsenal der über Jahrzehnte hochgerüsteten afghanischen Armee: Panzer, Granaten, Hubschrauber, sogar eine ganze Drohnenflotte. Der einzige Erfolg war, dass die US-amerikanische und die alliierten Rüstungsindustrien viel Geld gemacht haben. Vom Steuerzahler bezahlt.

Die Bundesregierung müsste folgendes Fazit ziehen: »20 Jahre Krieg gegen den Terror sind gescheitert. Der Versuch, Demokratie zu exportieren, ist gescheitert. Die Bilder aus Afghanistan bringen das Desaster zum Ausdruck, das Deutschland in Afghanistan mit angerichtet hat. Für 420 Millionen Euro hat Deutschland in den letzten Jahren Waffen und Material nach Afghanistan exportiert. Die Taliban haben durch erbeutete Waffen eine Armee auf NATO-Niveau. Der gescheiterte Afghanistan-Einsatz ist der schwärzeste Punkt in der 16jährigen Kanzlerschaft von Angela Merkel. Die Folgen der Fehler der Minister Heiko Maas, Annegret Kramp-Karrenbauer und Horst Seehofer gefährden Menschenleben.« Das Versagen der Bundesregierung sollte der Bürger bei der Wahl am 26. September berücksichtigen und die Richtigen – die gegen den Krieg gestimmt haben – wählen!

Ernst H. Brink, Güsten

Kapitalismus ist und bleibt der Krieg der Klassen. Und eben keine ›Sozialpartnerschaft‹.

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