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Aus: Ausgabe vom 06.09.2021, Seite 6 / Ausland
Volksstimmefest Wien

Solidarisch feiern

Volksstimme-Fest in Wien: Tausende Besucher informieren sich über linke Politik und unterstützen progressive internationale Bewegungen
Von Ina Sembdner, Wien
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Heuer ist es wieder soweit, wie es in Österreich heißt. Am Wochenende haben sich Tausende auf der Jesuitenwiese des Wiener Praters eingefunden, um zwischen Musik und kulinarischen Spezialitäten über linke Politik zu diskutieren. Das vom früheren Zentralorgan der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ), der Volksstimme, seit 1946 jährlich Anfang September veranstaltete »schönste Fest« Wiens wartete nach einem Jahr coronabedingter Pause wieder mit einer enormen Vielfalt auf. Und die Erwartungen der Veranstaltenden wurden nach einer ersten Einschätzung bei weitem übertroffen – das Interesse am Austausch und auch an der Notwendigkeit, im »Labor des Widerstands«, so die Worte des Bundessprechers der KPÖ, Günther Hopfgartner, aktiv zu werden, war offenbar riesig.

Der Herausgeber der mittlerweile als Monatszeitschrift erscheinenden Volksstimme, Mirko Messner, zeigte sich gegenüber jW begeistert über die »unglaubliche Resonanz« und betonte, dass die große Beteiligung noch einmal belegt habe, »dass das Volkstimme-Fest das wichtigste linke Fest in Österreich ist«. Heide Hammer aus der Redaktion des Magazins, das heute ein Verein ist und aktiv daran arbeitet, Autoren aus sozialen Bewegungen mit einzubinden, pflichtete Messner bei. Zur aktuellen »schwarz-grünen« österreichischen Bundespolitik erklärte Hammer, dass die derzeitige Regierung zwar ein Desaster sei, konnte der Entwicklung dennoch Positives abgewinnen. Denn: »Für eine radikale Linke ist es eigentlich eine gute Zeit, weil die Grünen sich desavouiert haben«. Konkretes Beispiel dafür sei das Mitgehen mit dem rechtskonservativen Koalitionspartner ÖVP beim Thema Aufnahme afghanischer Geflüchteter. Das Argument, dass die Grünen das kleinere Übel seien, zähle unter diesen Bedingungen nicht mehr.

Der Krieg im Allgemeinen und die Situation in Afghanistan im Besonderen waren denn auch zentrale Themen in den Diskussionsrunden. Aktivisten von Der Funke, der sich als aktiver Teil der organisierten Arbeiter- und Jugendbewegung versteht, organisierten beispielsweise eine Diskussionsrunde zur Geschichte der afghanischen Revolution und unternahmen den Versuch, die aktuelle Situation geopolitisch einzuordnen. Vor allem junge Leute hörten dem Referat zur Geschichte der kommunistischen Bewegung des Landes interessiert zu. Und das beeindruckte vor allem am Volksstimme-Fest: Menschen unterschiedlichster Hintergründe und Altersstufen kamen, um mit Gleichgesinnten zu diskutieren und natürlich auch zu feiern. Am besten dafür eignete sich das »Initiativendorf«. Von der (mittlerweile von der Bundespartei abgespaltenen) Jugendorganisation der Kommunisten, KJÖ, über südamerikanische Solibewegungen, die zwischen den Rauchschwaden der unzähligen Grills kaum mehr auszumachen waren, bis zu den Zelten der kurdischen Bewegung ließ sich deftig Kulinarisches mit solidarischer Unterstützung verbinden.

Im »Dorf« der Europäischen Linken (EL) und im KPÖ-Dorf ging es ein wenig ruhiger zu – hier standen Debatten, Lesungen und politische Musik im Vordergrund. Und auch dort war das Thema Krieg gegenwärtig. Ein Teil der Ausstellung »Krieg und Frieden«, die derzeit von der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin gezeigt wird, hatte seinen Weg nach Wien gefunden. Am Hauptweg des Festes ließ vor allem ein Bild innehalten – ein ruhiges Meer im untergehenden Sonnenlicht, der Text darunter lautet: »Manöver der chinesischen Marine im Golf von Mexiko«.

Direkt neben dem EL-Dorf hat die kubanische Solidarität ihren traditionellen Platz auf dem Fest. Neben Zumba und Cuba Libre informierten Cuba Sí, die Österreichisch-Kubanische Gesellschaft und natürlich auch die von jW initiierte internationale Kampage »Unblock Cuba« das Publikum darüber, wie die Revolution im Kampf gegen die US-Blockade unterstützt werden kann. Die kubanische Botschafterin in Österreich, Loipa Sánchez Lorenzo, freute sich gegenüber jW über diese Möglichkeit des Zusammentreffens und erklärte: »Seit mehr als 30 Jahren feiern wir gemeinsam hier, und all die verschiedenen jungen Sozialisten sind uns gegenüber sehr freundschaftlich und aufgeschlossen.«

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