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Aus: Ausgabe vom 01.09.2021, Seite 8 / Ansichten

Rechte des Tages: Susanne Gaschke

Von Marc Püschel
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Mit dem politischen Willen ist es so eine Sache. Man meint, felsenfest hinter einer Partei zu stehen und muss dann erfahren, den eigenen Präferenzen entspricht eine ganz andere. Viele nutzen das Onlinetool »Wahl-O-Mat«, um sich darüber zu amüsieren, welche skurrilen Kleinparteien offenbar zu einem passen. Manche erleben aber eher unliebsame Überraschungen – wie etwa die Welt-Journalistin Susanne Gaschke, die sich in einer Kolumne am Montag bitterlich beklagte: »Ich habe mehrere Freunde gebeten, den Wahl-O-Mat (zur Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses) zu machen, und auch selbst die Fragen beantwortet. Ergebnis: Bei vielen von uns kam die AfD auf Platz eins, meistens ganz eng geclustert mit FDP und CDU. Sind wir also alle ›rechts‹?«

Selbst im Axel-Springer-Haus könnte dies ein Moment zum Innehalten sein. Das Fazit ist bei der Ex-SPDlerin und Sarrazin-Verteidigerin Gaschke jedoch verblüffend: Man sei ja schließlich nicht rechts, daher könne mit dem Wahl-O-Mat etwas nicht stimmen. Nun ist bei vielen Fragen, zum Beispiel danach, ob die rechte Anschlagsserie in Neukölln untersucht werden oder ob geschlechtliche Vielfalt im Schulunterricht Thema sein sollte, recht klar, mit welchen Antworten man zu einer AfD-Empfehlung kommt. Für Gaschke jedoch sind das scheinbar keine relevanten Fragen, es fehlten die »gewichtigen Themen«. In das gleiche Horn blies Gunnar Schupelius, der sich in der B.Z. beschwerte, dass sich der Wahl-O-Mat nicht erkundigt, was er von politisch motivierter Gewalt von links hält. Damit zukünftig von vornherein nur richtige Fragen gestellt werden, rief Gaschke Innenminister Seehofer dazu auf, vor der für den 2. September geplanten Freischaltung des Wahl-O-Mat für die Bundestagswahl noch mal »hinzusehen«. Denn es steht viel auf dem Spiel. Das Selbstbild von Springer-Journalisten zum Beispiel.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Sabine S. aus Chorin ( 1. September 2021 um 17:42 Uhr)
    Ich finde die Idee mit dem »Wahl-O-Mat« ausbaufähig und schlagen den Fraktionen des Bundestages vor, bei den nächsten gemütlichen Beisammensein (auch ein Abgeordneter braucht Spaß) den »Wahl-O-Mat« als Gesellschaftsspiel zu nutzen. Ich denke, alle würden staunen, und der Prozentsatz derer, die in der richtigen Parteifraktion sind wäre überschaubar. Schließlich gehört die Kenntnis der entsprechenden Grundsatzprogramme nicht zu den Voraussetzungen, um MdB zu werden. Ich schlage eine Müntefering-Gedächtnis-Standartantwort vor: Es ist unfair, einen Abgeordneten nach den Grünsätzen seiner Partei zu fragen, schließlich machen alle Tages- und Koalitionspolitik und nicht Grundsätzliches. Das Erstaunen über die »Wahl-O-Mat«-Ergebnisse wär nicht nur in der Linksfraktion groß. Vielleicht sollte man, ganz nach Harry Potter, die Abgeordneten nicht nach Parteibuch, sondern nach »Wahl-O-Mat«-Ergebnis der entsprechenden Fraktion zuordnen – ganz wie in Hogwarts. Das wäre dem Parlament angemessener und gegenüber dem Wähler letztendlich ehrlicher, als immer nur darauf zu verweisen, dass ein Abgeordneter nur sich und seinem Gewissen verantwortlich ist. Kriege würde es aber leider auch nicht verhindern, sowenig wie das jetzige Parlament. Uli Jeschke

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