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Aus: Ausgabe vom 30.08.2021, Seite 8 / Ansichten

Moralbomber des Tages: Annalena Baerbock

Von Sebastian Carlens
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Nie wieder nie wieder Krieg: Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin der Grünen, am 26. August in Hannover

Nein, nicht jeder, der »grün« wählt, will Krieg. Wer aber auf militärische Kraftmeierei und Beglückung mit westlichen Werten in Gestalt von Bombenteppichen steht, sollte sein Kreuz unbedingt bei dieser Partei machen – bei keiner anderen ist es derart wahrscheinlich, im Falle einer Regierungsübernahme in neue Abenteuer mit der Bundeswehr verwickelt zu werden.

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hat sich am Sonntag zu den Koalitionsaussichten nach der Wahl geäußert. »Grundsätzlich gilt, dass in einer Demokratie alle demokratischen Parteien gesprächsfähig sein müssen. Allerdings«, schränkt sie ein, habe sich Die Linke leider »ziemlich ins Abseits geschossen«. Warum das? Hat sie einen Krieg verloren, andere Länder überfallen, jemandem gedroht? Nein, das Gegenteil ist der Fall, und das ist das Problem: Die Linken seien »nicht mal bereit, die Bundeswehr dabei zu unterstützen, deutsche Staatsangehörige und Ortskräfte aus Afghanistan zu retten«, sagte Baerbock zur Funke-Mediengruppe. Aus der Traum von »Grün-Rot-Rot«: Die linken Friedensfreaks können nach Hause gehen und ihren krankhaften Pazifismus überdenken.

Der Kotau, den Die Linke am 25. August mit ihrer Enthaltung zum Kampfeinsatz in Kabul im Bundestag eingeübt hat, reicht nicht. Nicht nur Duldung, sondern affirmative Bejahung – heil Dir im Siegerkranz! – wäre angebracht gewesen. Böse Ironie an der Geschichte: Die Partei hat sich für rein gar nichts blank gemacht – bei dem »Evakuierungseinsatz« der Bundeswehr sind insgesamt sage und schreibe 100 (!) sogenannte Ortskräfte ausgeflogen worden.

Der nächste Kriegsschauplatz? Die Auswahl ist groß, die Grünen haben sich noch nicht festlegen können. China vielleicht. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch jedenfalls gibt sich unverdrossen: »Wir wollen ein Mitte-Links-Bündnis.« Na dann – Feuer frei.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Gerhard R. H. aus Halberstadt (30. August 2021 um 15:14 Uhr)
    Ja die Annalena und die »Grünen«. Sie haben als ehemalige pazifistische Partei, als die sich ursprünglich definierten und deren Anfänge bis in das Jahr 1978 (GAL) zurückgehen, schnell begriffen, worauf es in dieser Gesellschaft tatsächlich ankommt. Sie haben verinnerlicht, wie manch andere auch, dass der Imperialismus den Krieg in sich trägt wie die Wolke den Regen. Wer also Regierungsgewalt ausüben und sich nicht gegen das System stellen will, muss, dieser Logik folgend, mit dem Strom schwimmen, die Fahne in den Wind hängen und mit den Wölfen heulen. Die Macht nicht nur vor Augen, sondern als Außenminister und stellvertretender Bundeskanzler schon in den Händen haltend, war der Vorreiter »grüner« Kriegseinsätze, Joseph Martin Fischer, ohne zu zögern bereit, dem ersten völkerrechtswidrigen Aggressionskrieg Deutschlands seit 1945 zuzustimmen. Dabei ließ er jegliches schlechte Gewissen vermissen. Nach der Zerstörung der SFR Jugoslawien, ging es systematisch gegen Afghanistan, den Irak, Libyen, Syrien, Mali und weitere Staaten auf dem afrikanischen Kontinent weiter. Zurück blieben Tod, Zerstörung, Hunger, Elend und Millionen Flüchtlinge. Dies geschah und geschieht selbstverständlich alles ganz umweltverträglich, wie auch komplett CO2- und feinstaubfrei. Wer da nun glaubt die »Grünen«, wie auch andere sogenannte Volksparteien, kämen nach dem Desaster von Kabul zur Besinnung, wird sich getäuscht sehen. Allesamt werden sie eine stärkere Bundeswehr, sprich höhere Militärausgaben, und eine, neben der NATO, neu zu gründenden gemeinsamen »europäischen« Armee fordern, denn irgendwann wird es heißen: Egal! Schwamm drüber, über alles Bisherige. Auf zu neuen Ufern – und seien es die der Moskwa, Wolga, des Schwarzen und/oder Südchinesischen Meers. Das nächste Mal klappt’s – mit Sicherheit. Sollte es wider Erwarten erneut nicht klappen, bleibt die Frage, von welchem Flugplatz man dann evakuieren und, was noch wichtiger erscheint, auf welchem in Europa man dann noch landen könne.
  • Leserbrief von Christian C. (30. August 2021 um 14:30 Uhr)
    Müßte das nicht Moralbomber*in heißen?
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Ralf S. aus Gießen (30. August 2021 um 14:16 Uhr)
    Bemerkenswert finde ich, dass sich Scholz im »Triell« nicht nur damit begnügt hat, es bei einer simplen Forderung nach einem »Bekenntnis zur NATO« zu belassen, was immerhin einen klitzekleinen Spalt zu einer »rot-rot-grünen« Regierung offen gelassen hätte, in dem Sinne, dass sich Die Linke evtl. für ein Lippenbekenntnis hergegeben hätte (ähnlich wie bei der albernen Distanzierung vom »SED-Unrecht« in Thüringen als Voraussetzung zur Regierungsbildung). Nein! Olaf Scholz hat, und zwar ohne dass er da von den Moderator*innen oder Laschet oder Baerbock unter Druck gesetzt worden wäre, seine Position zu präzisieren, auch noch hinzugefügt, dass er nicht nur ein einfaches Bekenntnis zur NATO verlangt, nein, es soll bitte auch »von Herzen gemeint sein«, was die Tür ja nun endgültig zugeschlagen hat. Es ist grad so, als wollte er wirklich 100prozentig sichergehen, dass das nichts wird mit »Rot-Rot-Grün«. Wenn es irgendein Anhänger, Mitglied oder Politiker der Linken bis jetzt nicht gemerkt haben sollte: Die wollen gar nicht mit euch regieren, egal wie sehr ihr euch anstrengt und anbietet und verbiegt, um irgendwie den Spagat hinzubekommen zwischen Vermeidung vollständiger Selbstaufgabe und »Regierungsfähigkeit« im bürgerlich-parlamentarischen Betrieb eines NATO-Vollmitglieds.
  • Leserbrief von Otfried Schrot (30. August 2021 um 11:49 Uhr)
    Im Rahmen ihrer Kritik an der Linken für deren Weigerung, den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan zu unterstützen,hat die Dame höchst anständigerweise die Bündnistreue der Linken zur NATO eingefordert. Die Weigerung der Linken, den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan zu unterstützen, war sicher höchst instinktlos und ein »Brocken«, welchen man dem deutschen Volke nicht zumuten kann.
    Neben der eingeforderten Bündnistreue zur NATO muss es aber erlaubt sein, darüber nachzudenken, wie lange die NATO noch existieren soll. Deutschlands Bündnistreue zur NATO – das heißt zu den USA – hat uns in Afghanistan 12,5 Milliarden Euro gekostet. Die USA haben mindestens zwei weitere Kriege »in Planung«, den einen – Israel zuliebe – gegen den Iran und den anderen gegen das von Joe Biden herzlich ungeliebte China. Deutschland wird zweifelsfrei von den USA eingeladen werden, sich mit der Bundeswehr im Rahmen der deutschen Bündnistreue an dem Gemetzel zu beteiligen, sobald »es knallt«!
    Die USA sind sehr kriegsfreudig. Sie provozieren gern. Statt danach zu streben, die Terroristen von Kabul von einem ordentlichen Gericht verurteilen zu lassen, beginnen sie das unwürdige Spiel von »Hass – Rache – Vergeltung«. Das beherrscht aber der aus der Finsternis der Anonymität heraus operierende Terror besser! Wir Deutschen sollten unter Berücksichtigung dieses Aspektes anfangen darüber nachzudenken, wie lange wir uns eine Mitgliedschaft in der NATO und damit das Dasein als Vasall einer schießwütigen Nation aus finanziellen Gründen noch leisten können!
  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (29. August 2021 um 21:28 Uhr)
    Die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock ist auf Distanz zur Linkspartei als möglichen Regierungspartner gegangen. Die Linke habe sich »gerade ziemlich ins Abseits geschossen, als sie nicht mal bereit war, die Bundeswehr dabei zu unterstützen, deutsche Staatsangehörige und Ortskräfte aus Afghanistan zu retten«, sagte Baerbock den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Bei ihre Aussage verschweigt Baerbock aber, dass ihre Partei, die Grünen, den Afghanistan-Einsatz veranlasst hat und nicht Die Linke. Es ist dies eine Logik, mit der jemand nicht mal im Parlament sitzen dürfte, geschweige denn in einer Bundesregierung, in die Baerbock strebt.

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