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Aus: Ausgabe vom 30.08.2021, Seite 5 / Inland
Prekäre Arbeit

Armutsfalle Minijob

Mehr als die Hälfte der für 450 Euro Beschäftigten zahlt keine Rentenbeiträge
Von Gudrun Giese
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Arbeit, die nicht für eine Rente in Würde reicht: Minijobber sind nicht abgesichert

Eine kleine Anfrage der Bundestagsfraktion Die Linke brachte es an den Tag: Mehr als die Hälfte der etwa 2,3 Millionen geringfügig Beschäftigten im Alter zwischen 25 und 65 Jahren zahlt keine Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung ein und wird später einmal auf Grundsicherung angewiesen sein. In der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf die Anfrage, über die die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) am Donnerstag berichtete, heißt es zudem, dass auch Rentenbeiträge auf das geringfügige Einkommen von 450 Euro monatlich nicht vor Altersarmut schützen könnten, da sie sehr gering seien. Die Zahl der im Alter auf Grundsicherung angewiesenen Minijobber liege damit noch höher.

Doch die Nachteile der geringfügig Beschäftigten beginnen lange vor dem Rentenalter, denn Minijobber haben auch keinen Anspruch auf Arbeitslosen- oder Kurzarbeitergeld. Und krankenversichert sind sie ebenfalls nicht automatisch über ihr Anstellungsverhältnis. Deshalb fordern Die Linke, Sozialverbände und der DGB eine grundlegende Reform der Minijobs. »Jede neue Bundesregierung steht in der Verantwortung, Minijobs endlich in Beschäftigung mit sozialer Absicherung umzuwandeln«, sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel gegenüber der WAZ. In der bestehenden Form seien Minijobs »eine echte Falle«, da in ihnen Beschäftigte nach »jahrelanger Arbeit ohne soziale Absicherung« in der Altersarmut endeten. Ausschließlich in Minijobs arbeiteten zu etwa siebzig Prozent Frauen.

Völlig falsch sei der Plan von CDU/CSU, die Verdienstgrenze bei Minijobs von 450 auf 550 Euro zu erhöhen. Das sei »fahrlässig und unsozial«, so Piel. Es führe genau zu einem »krassen Fehlanreiz für noch mehr Minijobs«. Mit Blick auf die Bundestagswahlen erklärte das DGB-Vorstandsmitglied, dass die Gewerkschaften jede neue Koalition daran messen würden, ob sie die Minijobreform voranbrächte.

Ulrich Schneider, Hauptgeschäfts‑führer des Paritätischen Gesamtverbandes, macht sich ebenfalls für eine Neuregelung der geringfügigen Beschäftigung stark. »Wir müssen schauen, ob Minijobs wirklich notwendig sind und wo man sie zugunsten von sozialversicherungspflichtigen Jobs abschaffen kann und muss«, erklärte er gegenüber der WAZ. Susanne Ferschl, stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Partei Die Linke, kritisierte diese Art der Beschäftigung deutlich: Minijobs seien zumeist kein Sprungbrett in eine sozialversicherungspflichtige Arbeit. Viel häufiger entwerte die Beschäftigung im Minijob bestehende Qualifikationen. Nahezu 900.000 ausschließlich geringfügig Beschäftigte arbeiteten unterhalb ihrer Qualifikation – oft im Handel, in der Gastronomie und anderen Dienstleistungsbereichen. »Keine Stunde Arbeit ohne soziale Absicherung«, forderte die Abgeordnete. Das müsse auch die Lehre aus der Coronakrise sein, die den prekären Charakter der Minijobs besonders deutlich offenbart habe.

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