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Aus: Ausgabe vom 26.08.2021, Seite 8 / Ansichten

Seelenklempnerin des Tages: Eva Högl

Von Jan Greve
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Weiß, wo bei den Soldaten der Stiefel drückt: Eva Högl

Eva Högl weiß, was von ihr erwartet wird. Als Wehrbeauftragte soll sie, so die Idee, das Bindeglied zwischen Parlamentariern und Bundeswehr-Soldaten sein, deren Aufgabe es wiederum ist, das deutsche Vaterland mit Waffengewalt zu »verteidigen« – nicht zuletzt am Hindukusch, wie Högls SPD-Parteifreund Peter Struck einst als zuständiger Minister diktierte. »Verteidigen« heißt dann, in Kriegen, die man selbst oder die NATO-Bündnispartner vom Zaun gebrochen haben, zu töten oder den anderen den Rücken dafür freizuhalten. Irgendwer muss ja schließlich für Ordnung sorgen, denkt sich Högl. Und wer sonst sollte das hinbekommen, wenn nicht deutsche Soldaten?

Als Sozialdemokratin versteht die Frau es zudem, objektive Widersprüche zu ignorieren und mit blumiger Rhetorik das Falsche zu tun. Während das auch von der BRD bewusst in Kauf genommene, weil selbst geschaffene Leid der Menschen in Afghanistan jedem Vernünftigen die Zornesröte über die regierende Unvernunft ins Gesicht treibt, hat Högl die tatsächlichen Leidtragenden im Blick. »Wir brauchen mehr und gezielte Angebote für Soldatinnen und Soldaten, damit sie die schrecklichen Erfahrungen loswerden können«, warb die SPD-Politikerin am Mittwoch in der Rheinischen Post um Mitleid. Deren »seelischen Belastungen« müsse mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Die um ihr Leben kämpfenden Menschen am Kabuler Flughafen sollten einen Moment innehalten und darüber nachdenken, welch Leid ihr Schicksal bei denen auslöst, die zuvor das deutsche Seelenheil vor ihrer Haustür »verteidigten«. Das würde Eva Högl noch mehr Zeit verschaffen, um deutsche Militäreinsätze zu rechtfertigen, solange im Nachgang ein paar Therapiestunden angeboten werden. Alternativ könnte sie selbstverständlich auch Krieg in jeder Form ablehnen und so präventiv den Seelenfrieden für alle wahren. Pech aber auch, dass das so gar nicht in die Stellenbeschreibung der Wehrbeauftragten passt.

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